Flüchtlingsunterbringung: Wie die Kreise im Vergleich zur Krise 2015/2016 dastehen
Auch wenn Stadt- und Landkreis Heilbronn bei der Flüchtlingskrise 2015/2016 in kürzester Zeit mehr Menschen unterbringen mussten als heute, stehen sie aktuell vor größeren Problemen. Denn die absoluten Zahlen liegen jetzt höher.

Dem Landkreis Heilbronn wurden im September 323 Flüchtlinge neu zugewiesen, davon 124 Menschen aus der Ukraine. Das ist der höchste Wert seit Mai 2022. Seinerzeit kamen neben 45 Asylsuchenden aus unterschiedlichen Ländern 418 Personen in den Landkreis, die vor dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine geflohen waren.
Nach einem Rückgang zwischen Mai und Juli dieses Jahres steigt auch hier die Zahl der Menschen wieder an, die untergebracht werden müssen. Und damit spitzt sich die Situation in den Städten und Gemeinden des Kreises weiter zu.
Landkreis Heilbronn rechnet mit mindestens 200 Zuweisungen pro Monat
"Bei gleichbleibend hohem Niveau wird spätestens zum Jahresende die Kapazitätsgrenze erreicht sein", hatte Lea Mosthaf, Sprecherin des Landratsamts Heilbronn, im August die Lage skizziert. Und aktuell? "Wir rechnen monatlich mit der Zuweisung von mehr als 200 Regelflüchtlingen durch das Regierungspräsidium - Tendenz steigend", so Mosthaf. Für die Unterbringung stehen dem Kreis 36 Objekte zur Verfügung, darunter eine Sporthalle als Notunterkunft. Deren Kapazitäten gehen angesichts der steigenden Zahlen immer schneller zuneige.
Nicht viel anders sieht die Lage bei der Stadt Heilbronn aus. Man stoße zunehmend an seine Belastungsgrenzen, sagt Bürgermeisterin Agnes Christner, "sowohl bei der Bereitstellung von Unterkünften, der Gewinnung von Fachpersonal für die Betreuung und Unterstützung der geflüchteten Menschen, aber auch den räumlichen und personellen Ressourcen in Schulen und Kitas".
Die Stadt rechnet mit weiterhin sehr hohen Zuweisungen durch das Land und geht davon aus, dass die Unterkünfte im Oktober noch ausreichen. Derzeit arbeite man daran, die Unterbringungskapazitäten um 180 Plätze aufzustocken, um den gesetzlichen Auftrag in den kommenden Wochen und Monaten erfüllen zu können.
Flüchtlingswelle 2015/2016: Situation von damals kaum vergleichbar mit heute
Stellt man die aktuellen Zahlen und die der Jahre 2015 und 2016 gegenüber, als es die letzte große Flüchtlingswelle zu bewältigen galt, wird deutlich: Die aktuelle Situation ist mit der 2015/16 kaum zu vergleichen. Von Oktober bis Dezember 2015 beispielsweise wurden dem Landkreis Heilbronn insgesamt 1371 Menschen zugewiesen, mit der Spitze von 486 Asylsuchenden im Dezember. Ein Jahr später waren es im gleichen Zeitraum 139, der Jahreshöchstwert 2016 lag im März bei 306 Personen.
Die Stadt Heilbronn hatte im vierten Quartal 2015 insgesamt 548 Menschen aufgenommen, im vergangenen Jahr waren hier 187 Asylbewerber und 86 Ukrainer. "Für den Oktober sind bisher 74 Asylbewerber angekündigt, die Zahl der Zuweisungen aus der Ukraine liegen uns noch nicht vor", sagt Suse Bucher-Pinell, Pressesprecherin der Stadt Heilbronn, auf Anfrage.
Für November und Dezember rechne man mit mindestens der gleichen Zahl an Zuweisungen wie im Oktober. "Allerdings ist die Lage äußerst volatil", gibt Bucher-Pinell zu bedenken. Aktuell leben 517 Menschen aus der Ukraine in den städtischen Unterkünften.
Wie bei der Flüchtlingswelle 2015/2016: Schwierigkeit, geeignete Unterkünfte zu finden
"Vergleichbar zu den Jahren 2015/2016 sind der hohe Zugang von geflüchteten Menschen sowie die Schwierigkeiten, rasch zusätzliche, geeignete Unterkünfte zu finden", so Agnes Christner. Absolut lägen die aktuellen Zugangszahlen jedoch deutlich über denen der Jahre 2015 und 2016, da zu der wieder deutlich steigenden Zahl der Asylbewerber noch der Zuzug beziehungsweise die Zuweisung Geflüchteter aus der Ukraine kommt.
Und während die Asylbewerber meist Einzelpersonen seien, kämen aus der Ukraine "überwiegend Familien, deren Kindern Zugang zu Schulen und Kindertagesstätten ermöglicht werden muss", verdeutlicht Christner. Anders als 2015/16 könne man heute aber "auf etablierte und funktionierende Strukturen sowohl bei der Stadt wie auch den Verbänden und anderen Unterstützungsstrukturen zurückgreifen".
Dennoch ist die derzeitige Lage prekär: Stand Donnerstag dieser Woche waren rund 1770 Personen in den Gemeinschaftsunterkünften des Landkreises vorläufig untergebracht, die vorhandene Kapazität damit nahezu ausgeschöpft. "Sollte keine weitere Unterbringungskapazität aufgebaut werden können, werden wir voraussichtlich im November an unsere Aufnahmegrenzen stoßen", verdeutlicht Landratsamtssprecherin Lea Mosthaf.
So ist die Lage im Hohenlohekreis
Auch wenn dort die Kapazitäten schwinden – im Sommer 2023 war der Hohenlohekreis bei der Erstunterbringung noch nicht am Limit. Die bestehenden und neu errichteten Sammelunterkünfte waren seit Frühjahr 2022 nie voll ausgelastet. Der Kreis konnte sogar so viel Puffer schaffen, dass die von sieben auf bald 15 ausgebauten Unterkünfte nie voll belegt waren. Vor allem für Ukrainer besorgte der Kreis zunächst viel mehr Plätze als nötig.
Ungenutzte Kapazitäten wurden seitdem wieder abgebaut oder für die Belegung mit Asylbewerbern genutzt. Und schon bevor ab September die Zahl der Zuweisungen wieder stieg, suchte der Kreis nach weiteren Unterkünften.
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