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Flüchtlingsunterbringung: Städte und Gemeinden sind am Limit

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Bei der Flüchtlingsunterbringung steht vielen Landkreisen das Wasser bis zum Hals. Wie der Hohenlohekreis müssen auch andere auf Sporthallen zurückgreifen. Der Unmut in der Bevölkerung wächst. Ein Überblick über die Vorbereitung:

von dpa und Joachim Friedl
"Wohin mit den Menschen", werden sich manche Bürgermeister in Baden-Württemberg fragen. Vielen Landkreisen steht bei der Unterbringung das Wasser bis zum Hals.
"Wohin mit den Menschen", werden sich manche Bürgermeister in Baden-Württemberg fragen. Vielen Landkreisen steht bei der Unterbringung das Wasser bis zum Hals.  Foto: privat, dpa / Montage: HSt

Vielen Kreisen in Baden-Württemberg steht das Wasser bei der Flüchtlingsunterbringung bis zum Hals. Räume fehlen an allen Ecken und Enden, wie aus einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur hervorgeht. Bis Jahresende wird allgemein eine noch stärkere und schnellere Zunahme der Flüchtlingszahlen erwartet. Auch Proteste gegen die Aufnahme stehen mancherorts auf der Tagesordnung.

Laut dem Landkreistag gibt es mehrere Landkreise, die im Rahmen der vorläufigen Unterbringung auf Sporthallen zurückgreifen müssen. So die Landkreise Böblingen, Heilbronn, der Alb-Donau-Kreis, Rems-Murr-Kreis, Enzkreis und Schwäbisch Hall. Ein Überblick über die Vorbereitung auf den Herbst und Winter:

 


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In der Stadt Heilbronn sind bislang noch keine Turnhallen mit Geflüchteten belegt. Was den Landkreis Heilbronn betrifft, teilt das Landratsamt Heilbronn auf Anfrage mit, dass in der Turnhalle der Christian-Schmidt-Schule in Neckarsulm Geflüchtete untergebracht sind. Als nächstes würden die Flächen der früheren Spätregenmission in Beilstein genutzt, um weitere Menschen unterzubringen. Auch für diese Liegenschaft ist das Landratsamt zuständig. Ansonsten entscheiden die 46 Städte und Gemeinden eigenständig darüber, wo sie die Flüchtlinge unterbringen.

Wachsender Unmut aus der Bevölkerung

Im Hohenlohekreis werden aktuell eine Schulsporthalle in Trägerschaft des Kreises sowie eine Sporthalle in Trägerschaft einer Kommune für eine Flüchtlingsunterbringung vorbereitet beziehungsweise genutzt. In der vorläufigen Unterbringung des Landkreises sind 663 Personen untergebracht. Im September wurden dem Landkreis 67 Asylbewerber und vier Folgeantragsteller zugewiesen sowie 50 Schutzsuchende aus der Ukraine untergebracht. Im Januar 2023 waren es 44 Asylbewerber und acht Schutzsuchende aus der Ukraine.

 


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„Es zeigt sich ein wachsender Unmut von Angrenzern und Bewohnern betroffener Ortsteile. Der Protest kommt durch Anrufe, Schreiben, Flyer, Unterschriftenaktionen oder initiierte Bürgerbegehren zum Ausdruck“, sagte ein Sprecher.

Der Rems-Murr-Kreis betreibt eine Notunterkunft in einer Turnhalle, die zu einem Berufsschulzentrum des Kreises gehört. Zusätzlich fungiert eine weitere Turnhalle im Kreis als Ankunftszentrum für ukrainische Geflüchtete, wie eine Sprecherin mitteilte. Eine weitere Nutzung von Turnhallen sei nicht geplant. „Der Rems-Murr-Kreis schafft stattdessen mit Hochdruck neue Unterkünfte, um weitere Hallenbelegungen zu vermeiden und die derzeit belegten schnellstmöglich aus der Nutzung zu nehmen“.

 


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Der Kreis erlebe eine breite Akzeptanz durch die Bürger. Dennoch sei mitunter der Unmut der Bevölkerung gegen die Migrationspolitik der Bundesregierung spürbar. „Gegen die Geflüchteten selbst richtet sich diese Wut aber selten.“

Im Kreis Esslingen sind Flüchtlinge in Immobilien untergebracht, die der Kreis gemietet hat oder besitzt. Es sei davon auszugehen, dass die Unterbringung in Turnhallen aber nun erforderlich werde, so eine Sprecherin. „Es regt sich immer mehr Widerstand unter anderem in Form von Petitionen, Bürgerbegehren, Leserbriefen und im direkten Gespräch mit der Bürgerschaft.“

Auch der Landkreis Reutlingen bereitet sich auf weiter steigende Flüchtlingszahlen vor. Zunehmen werde vermutlich auch die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten. Für Turnhallen gibt derzeit keine konkreten Pläne, wie eine Sprecherin mitteilte. „In unserem Landkreis und darüber hinaus erleben wir einen Erschöpfungsgrad in unserer bereits vielfältig belasteten Gesellschaft.“ 

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