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Flüchtlingsunterkünfte
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"Wir haben nichts mehr" – Kapazitäten sind nahezu am Anschlag

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Der Stadt- und Landkreis Heilbronn sowie der Hohenlohekreis sehen der aktuellen Zunahme der Flüchtlingszahlen mit Sorgen entgegen. Sie haben kaum noch Möglichkeiten, die Menschen, die ihnen zugewiesen werden, unterbringen zu können.

Die Nutzung öffentlicher Hallen wie hier im Heilbronner Olgazentrum war lange tabu. Doch das bröckelt angesichts der sich weiter zuspitzenden Lage.
Foto: Archiv/Sawatzki
Die Nutzung öffentlicher Hallen wie hier im Heilbronner Olgazentrum war lange tabu. Doch das bröckelt angesichts der sich weiter zuspitzenden Lage. Foto: Archiv/Sawatzki  Foto: Sawatzki

Die Lage bei den Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge in der Region spitzt sich weiter zu. In den Unterkünften des Stadt- und des Landkreises Heilbronn gehen die Plätze für die Erstunterbringung zur Neige, und auch die Kommunen können kaum mehr Räumlichkeiten für die ihnen zugewiesenen Menschen zur Verfügung stellen. Im Hohenlohekreis wird eine Sporthalle wieder für die Flüchtlingsunterbringung vorbereitet.

Sollte sich an den Zugangszahlen nicht sehr schnell etwas ändern, sehen die Verantwortlichen dringenden Handlungsbedarf. Im Landkreis Heilbronn ist die Lage "sehr angespannt", sagt Michael Brand, persönlicher Referent von Landrat Norbert Heuser. "Wir gehen davon aus, dass ab November alle unsere derzeit vorhandenen Plätze belegt sein werden. Wir versuchen daher, unsere Aufbauvorhaben zu beschleunigen und alle Möglichkeiten zu nutzen."

Landkreis Heilbronn müsste auf Notunterkunft zurückgreifen

Der Kreis verfügt insgesamt über 36 Unterkünfte, von denen ihm nur die Sporthalle der Kreisberufsschule in Neckarsulm gehört. Alle weiteren Unterbringungsmöglichkeiten sind angemietet. "Händeringend", so Brand, sei man deshalb nach wie vor auf der Suche nach weiteren Immobilien, in denen Geflüchtete untergebracht werden können. Die Kapazitäten sind so gut wie am Anschlag, freie Plätze gebe es nurmehr vereinzelt. "Mitte Oktober können wir noch mit zwei weiteren Unterkünften starten. Zudem haben wir noch eine Notunterkunft, mit der wir dann in Betrieb gehen müssen", verdeutlicht Brand.

Die konkreten Zahlen zeigen, wie knapp die Ressourcen im Kreis aktuell wirklich sind: Von den insgesamt 1700 zur Verfügung stehenden Plätzen waren zu Wochenbeginn 1655 belegt. "Sollten die Zuweisungen vom Land weiterhin hoch sein, müssen weitere Notunterkünfte geschaffen werden", so Brand.

Hohenlohe nutzt Sporthalle und stockt Containeranlage auf

Zugewiesen werden dem Kreis derzeit überwiegend Menschen aus Syrien, Afghanistan und der Türkei. Zu gut 60 Prozent seien dies Familien, schätzt Brand. Auch in den vergangenen Monaten seien noch einige Familien gekommen. "Jedoch haben wir vom Land das Signal erhalten, dass in nächster Zeit überwiegend allein reisende Männer zugewiesen werden."


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Aktuell justiert der Hohenlohekreis nach: In Öhringen wird die Ochsenseehalle kurzfristig wieder als Flüchtlingsunterkunft hergerichtet und steht damit mindestens das kommende halbe Jahr nicht für Schulen und Vereinen zur Verfügung. Außerdem wird in Schwabbach eine zweite Unterkunft vorbereitet - eine Containeranlage mit 100 Plätzen. Insgesamt stehen dem Hohenlohekreis 763 Plätze zur Verfügung, die nach Angaben des Landratsamts zu 87 Prozent ausgelastet sind. Bezogen nur auf die Asylsuchenden ohne Menschen aus der Ukraine liege die Belegungsquote aktuell bei 99 Prozent.

Probleme spätestens ab November erwartet

"Wir haben nichts mehr", bringt der Eppinger Oberbürgermeister Klaus Holaschke die Situation in seiner Stadt auf den Punkt. Vorhandene Hallen seien allesamt durch Vereine und Organisationen belegt. In seiner Funktion als Vizepräsident des Gemeindetags Baden-Württemberg sieht Holaschke "dringenden Handlungsbedarf". Die Kommunen hätten kaum noch Spielraum: "Ab Oktober, definitiv aber ab November sehe ich da neue Herausforderungen auf uns zukommen."


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Der Stadt Heilbronn gelinge es aktuell "gerade noch, der ihr gesetzlich auferlegten Unterbringungsverpflichtung Rechnung zu tragen", sagt Claudia Küpper, Pressesprecherin der Stadtverwaltung, auf Stimme-Anfrage. Freie Kapazitäten "in nennenswertem Umfang" stünden nicht zur Verfügung. Die Stadt betreibt sieben größere Unterkünfte und hat gut 100 Wohnungen als Gemeinschaftsunterkünfte angemietet. Der erwartete Anstieg der Flüchtlingszahlen zum vierten Quartal könnte zu Engpässen führen, so Küpper.

Dies verschärfe sich zusätzlich, weil bleibeberechtigte Flüchtlinge durch den fortlaufenden Zugang schwerer eigenen Wohnraum fänden. Zurzeit wird nur die Turnhalle im Augärtle für die Unterbringung von Geflüchteten bereitgehalten. Die Nutzung weiterer Sport- oder Veranstaltungshallen sei aber "aktuell nicht vorgesehen und würde nur im äußersten Bedarfsfall in Betracht gezogen".

Kreis Ludwigsburg liegt im September über dem Plan

"Wenn die Zugangszahlen auf diesem Niveau bleiben oder weiter steigen, werden wir noch in diesem Jahr wieder Notunterkünfte benötigen", sagt auch der Landrat des Landkreises Ludwigsburg, Dietmar Allgaier. Dort wurden im September 290 Flüchtlinge aufgenommen - laut Landratsamt 79 mehr als bislang geplant und mehr als doppelt so viele als im Frühjahr.

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