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Hohenlohekreis braucht dringend neue Unterkünfte

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Weitere 100 Plätze für Geflüchtete entstehen in Schwabbach. Der Bedarf bleibt groß.

Die Containeranlage im Öhringer Industriegebiet Im Sichert und die Seniorenanlage in Pfedelbach sollen bald schon bezogen werden können.
Foto: Yvonne Tscherwitschke
Die Containeranlage im Öhringer Industriegebiet Im Sichert und die Seniorenanlage in Pfedelbach sollen bald schon bezogen werden können. Foto: Yvonne Tscherwitschke  Foto: Tscherwitschke, Yvonne

Die Situation bei der Unterbringung der Flüchtlinge spitzt sich zu: Erst wurde bekannt, dass die Öhringer Ochsenseehalle kurzfristig wieder als Flüchtlingsunterkunft hergerichtet werden muss und damit mindestens das kommende halbe Jahr nicht für Schulen und Vereine zur Verfügung steht. Nun wird in Schwabbach eine zweite Unterkunft vom Landkreis vorbereitet: In der Nähe der umgebauten Gewerbehalle in der Schwabbacher Moosbachstraße wird eine Containeranlage mit 100 Plätzen entstehen.

Zweite Unterkunft ganz in der Nähe

Darüber informierte Mike Weise vom Landratsamt Hohenlohekreis den Gemeinderat. Das Grundstück, aktuell eine Wiese in der Maybachstraße/Ecke Hofgartenstraße, werde auf drei Jahre angemietet - mit der Option, zweimal den Vertrag verlängern zu können. Der Sicherheitsdienst, der für das Gebäude in der Moosbachstraße zuständig ist, werde auf den zweiten Standort ausgeweitet und ebenfalls rund um die Uhr im Einsatz sein.

Im Winter wächst Druck

Den Sommer über sei es relativ ruhig gewesen, sagt Weise. Doch nun gehen die Zahlen steil bergauf. Statt im Schnitt 35 Personen pro Monat seien es nun 49. Vergangenen Montag seien weitere 18 Menschen angekündigt worden. Damit muss der Hohenlohekreis 67 Personen unterbringen. "Dass es unter dem Monat Zuweisungen gibt, das hat es lange nicht mehr gegeben", sagt Weise. Er geht von weiter steigenden Zahlen aus und rechnet mit 70 bis 80 Zuweisungen im November und Dezember. Das bedeutet: "Wir brauchen weitere Unterkünfte, damit wir nächstes Jahr 1000 Plätze haben." Damit wäre der Kreis wieder bei Zahlen wie bei der großen Flüchtlingswelle 2015.

Danach entspannte sich die Lage wieder. Zur Erinnerung: 2021 hatte der Landkreis sechs Unterkünfte, vor eineinhalb Jahren waren es acht Einrichtungen, nun sind es 15. Die Seniorenanlage Pfedelbach und die Container in Öhringen sollen Ende des Jahres in Betrieb gehen.

So zeigt sich die Belegungssituation im Hohenlohekreis durch Asylsuchende und Schutzsuchende aus der Ukraine, Stand 22. September: In Neuenstein leben 85 Personen, in Künzelsau sind in sechs Unterkünften 243 Personen, in Kupferzell 100, in Krautheim sechs, in Niedernhall in zwei Unterkünften 99 Personen, in Dörzbach zehn, in Bretzfeld 57 und in Öhringen 41.

Es fehlen fast 300 Plätze

Damit stehen 763 Plätze zur Verfügung, das entspricht einer Auslastung von 87 Prozent. Bezogen nur auf Asylsuchende (ohne Ukrainer) liegt die Belegungsquote aktuell bei 90 Prozent, erklärt die Pressestelle des Landratsamtes. Mike Weise betont: "Damit haben wir kaum noch die Möglichkeit, auf religiöse und sonstige Besonderheiten Rücksicht zu nehmen." Im ehemaligen Krankenhaus in Künzelsau werden so nicht mehr nur ukrainische Familien, sondern alle Nationalitäten untergebracht. Am stärksten vertreten sind in den Unterkünften des Landkreises für Asylsuchende Menschen aus Afghanistan (125) und Syrien (120). Gerechnet werde mit einem Platzbedarf von sieben Quadratmetern pro Person (inklusive der anteiligen Gemeinschaftsräume). Es sei möglich, auf vier Quadratmeter zu verdichten, so Weise.

Kommunen suchen ebenfalls

Aber nicht nur der Landkreis ist für die Erstunterbringung dringend auf der Suche nach weiteren Objekten. Auch für die Städte und Gemeinden wird es zunehmend enger. In den Anschlussunterkünften der Stadt Öhringen wohnen aktuell 93 Flüchtlinge, darunter auch Ukrainer, erklärt Sprecherin Monika Pfau. Durch den Bezug der drei Öhringer Hoffnungshäuser konnten einige Flüchtlinge die Anschlussunterkünfte verlassen. Darüber hinaus sind aktuell 57 ukrainische Flüchtlinge in städtischen Mietwohnungen untergebracht.

In der Gemeinde Schöntal seien bislang alle zugewiesenen Geflüchtete in Wohnhäusern untergebracht, teilt Bürgermeister Joachim Scholz mit. Die Verwaltung habe Standorte für Container ermittelt, die im Gemeinderat geprüft werden. Für die sollen dann die Bauanträge eingereicht werden - und die Bürger früh informiert. "Wie viele Menschen noch zu uns kommen werden ist derzeit nicht abschätzbar", so Scholz.

Erfüllte Quoten

Ende des Jahres müsste Öhringen noch 21 Flüchtlinge (also Nicht-Ukrainer) in die Anschlussunterbringung aufnehmen. Davon sind bislang schon 15 Personen in den nächsten Monaten zur Zuweisung terminiert. Bis Jahresende könnten rein rechnerisch noch sechs Menschen zugewiesen werden. Bei der Unterbringung der Schutzsuchenden aus der Ukraine habe Öhringen rein rechnerisch seine Zuweisungsquote weitgehend erfüllt, sagt Monika Pfau. Es könne aber jederzeit passieren, dass der Landkreis die Quote erhöhe.

Die Stadt bemühe sich, im Austausch mit dem Landkreis und dem Land die Entwicklung im Auge zu haben. "Dass es keine einfache und langwierige Aufgabe ist, ist allen bewusst", sagt Monika Pfau. Wohnungsgeber könnten sich gerne bei der Gebäudemanagement-Abteilung im Stadtbauamt melden.

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