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Recyclinghöfe und Grüngutplatz in Hohenlohe müssen zeitweise schließen – das sind die Gründe

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In Hohenlohe werden zweitweise drei Recyclinghöfe und ein Grüngutplatz geschlossen. Das Problem liegt bei der Abfallwirtschaft Hohenlohekreis. Das sind die Hintergründe.

Der Grüngutplatz in Michelbach ist der größte im Kreis und seit gut sechs Jahren in Betrieb. Aus dem abgeladenen Material wird dort der kostenlose Hohenloher Grüngutkompost produziert. Im Juli muss der Platz eine Woche lang schließen.
Der Grüngutplatz in Michelbach ist der größte im Kreis und seit gut sechs Jahren in Betrieb. Aus dem abgeladenen Material wird dort der kostenlose Hohenloher Grüngutkompost produziert. Im Juli muss der Platz eine Woche lang schließen.  Foto: privat

Mit der jährlichen Pauschale der Müllgebühren ist auch die Nutzung der Grüngutplätze und Recyclinghöfe abgegolten. Dass diese Zahlung nicht nur die zwölfmalige Leerung des Restmülls umfasst, sondern viele weitere Zusatzleistungen beinhaltet, wird die Abfallwirtschaft Hohenlohekreis nicht müde zu betonen. Vor allem, nachdem die Müllgebühren von 2017 bis 2020 um satte 49 Prozent gestiegen sind.

Hohenloher Grüngutplatz und Recyclinghöfe schließen: Das sind die Hintergründe

Um jene Leistungen anzubieten, braucht es Personal. Doch davon gibt es bei der AWH derzeit viel zu wenig. Dies führt dazu, dass im Juli gleich vier Entsorgungsanlagen für jeweils eine Woche komplett geschlossen werden müssen, weil nicht genügend Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Dabei handelt es sich in drei Fällen um Plätze, die in den vergangenen Jahren mit hohem Kostenaufwand auf den neuesten Stand gebracht wurden und eigentlich noch mehr Service bieten sollten. Dass sie beaufsichtigt werden müssen, liegt in deren Struktur begründet.


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Denn nur so ist eine korrekte Annahme gesichert, nachdem auf den Plätzen zuvor immer wieder Schindluder getrieben wurde. Entweder luden die Anlieferer viel mehr Müll ab als die haushaltsüblichen Mengen oder der Abfall wurde nicht ordnungsgemäß getrennt - beziehungsweise auf den ersten Blick nicht ersichtlich, weil die Standorte mitunter recht wild aussahen. So oder so stiegen dadurch die Kosten.

Zu diesen Zeiten schließen die drei Recyclinghöfe und der Grüngutplatz

Deshalb zog die AWH die Reißleine und führte ab 2018 ein neues System ein. Nun aber nutzen für eine gewisse Zeit auch die besten Neuerungen nichts. Die Schwerpunkt-Recyclinghöfe in Öhringen und Bretzfeld müssen zeitweise geschlossen werden: der eine vom 15. bis 22. Juli, der andere vom 22. bis 28. Juli. Der normale Recyclinghof in Bieringen wiederum wird vom 29. Juli bis 4. August dichtgemacht und der Grüngutplatz in Michelbach vom 8. bis zum 14. Juli.

Die Verteilung der Schließzeiten sei so gewählt, dass "den Bürgern in erreichbarer Nähe vergleichbare Entsorgungsanlagen zur Verfügung stehen", beteuert die AWH. Und: "Der Wertstoffhof Stäffelesrain sowie die Erd- und Bauschutt-Deponie in Beltersrot haben durchgängig geöffnet." Hier kann man im Kreis die meisten Müllarten loswerden.

Geschlossene Recyclinghöfe in Hohenlohe: Wo gibt es zu wenig Fachkräfte?

Just im wichtigen Servicebereich der Recyclinghöfe und Grüngutplätze klafft bei der AWH die größte personelle Lücke, erklärt Sprecherin Anja Kohr. Wo mussten zuletzt sonst noch Leistungen oder Angebote wegen Personalmangels gekürzt oder gestrichen werden? Fehlende Kollegen oder nicht besetzte Stellen würden "sehr häufig von den bestehenden Mitarbeitern der AWH mit großem persönlichem Einsatz aufgefangen". Zu spüren gewesen sei die Personallücke bislang etwa an der Service-Hotline: "Bei hohem Anrufaufkommen dauert es länger, bis man einen persönlichen Ansprechpartner erreicht."

Aber: "Generell fokussieren wir uns bei Mitarbeitermangel auf die Kernaufgaben der AWH. Beispielsweise müssen dann die Teilnahme an Kinderferienprogrammen, Unterrichtsprogramme für Schulen oder Kindergärten, aber auch Vorträge rund um das Thema Mülltrennung in der Erwachsenenbildung leider zurückgestellt werden."

Das sind die Gründe für den Fachkräftemangel bei der Abfallwirtschaft

Wie gravierend ist der Fachkräftemangel? Ist er nur temporär oder längerfristig ein Problem? "Im Verwaltungsbereich stellen wir fest, dass es zum einen lange dauert, bis neue Mitarbeiter, die ja in den meisten Fällen von anderen Arbeitgebern wechseln und bis zu sechs Monate Kündigungsfrist haben, zur Verfügung stehen. Gleichzeitig sind es oft Quereinsteiger, die unser Team mit ihrem Können bereichern, jedoch entsprechend Zeit brauchen, um sich in das spezielle Thema Abfall einzuarbeiten." Auch auf den Recyclinghöfen und Grüngutplätzen sei "ein bestimmtes Serviceniveau unabdingbar".


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Die Mitarbeiter dort "sollten gerne draußen arbeiten, denn das tun sie bei Wind und Wetter ebenso wie in den heißen Sommermonaten, und körperlich dieser nicht immer leichten Aufgabe gewachsen sein." Gleichzeitig sei ein breites Wissen rund um die korrekte Mülltrennung notwendig. "Ein stets höflicher und verbindlicher Umgang mit Bürgern ist dabei das A und O." Nur: "Leider stellen wir immer häufiger fest, dass den Mitarbeitern der AWH von außen nicht die Wertschätzung entgegengebracht wird, die sie verdienen. Das schreckt viele potenzielle Interessenten ab. Gleichzeitig trifft uns derzeit ein hoher und zum Teil länger andauernder Krankenstand."

Da kommt es zur Unzeit, dass nach drei stabilen Jahren die Müllgebühren ab 2025 wieder steigen könnten. Wenn dann der gewohnte Service weiter leidet oder ganz ausfällt, könnte dies in der Bevölkerung zu wachsendem Unmut führen.

Neues System in der Abfallwirtschaft im Hohenlohekreis

2018 wurde die Entsorgung von Wertstoffen neu geordnet. Seitdem gibt es acht normale Recyclinghöfe, vier überwachte Schwerpunkthöfe und einen zentralen Wertstoffhof. Weil bis 2017 zu viel Bauschutt, Altholz und Sperrmüll auf den zwölf unbewachten Höfen abgeladen wurde, stellte die AWH das System um. Seitdem gibt es für jeden Haushalt eine Servicekarte mit jeweils zwei Wertmarken für Bauschutt, Altholz und Sperrmüll. Damit werden die zulässigen Mengen streng kontrolliert.

Die Zahl der Grüngutplätze wird seit 2014 reduziert. Damals gab es noch 30, zwölf bis 15 sollen übrig bleiben. Sie werden neu- oder umgebaut, um strengeren Standards zu genügend - und müssen deshalb ebenfalls beaufsichtigt werden.

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