Mehr kostenloser Kompost für Hohenloher Bürger
Die Abfallwirtschaft des Hohenlohekreises forciert die Eigenverwertung von Grüngut und erweitert den Sammelplatz in Michelbach. Der dabei entstehende Naturdünger ist qualitativ sehr gut und kostet nichts. Deshalb ist er bei der Bevölkerung sehr beliebt.

Der Hohenlohekreis wird künftig mehr Grüngut in eigener Regie verwerten. Die Bevölkerung kann sich somit auf noch mehr kostenlosen Kompost freuen. Derzeit werden 1000 Tonnen pro Jahr selbst aufbereitet und Bürgern zur Verfügung gestellt. Bald sollen es 2000 bis 3000 Tonnen sein. Der Sammelplatz in Michelbach wird dazu erweitert. Auf der neuen Fläche können pro Jahr über 2000 Tonnen Grüngut zu Naturdünger verarbeitet werden, der auf Feldern oder in Gärten zum Einsatz kommen kann. Der Kreistagsauschuss hat das Konzept der Abfallwirtschaft (AWH) bei einer Gegenstimme beschlossen.
Bewährte Methode zur Verwertung des Materials
Um Grüngut zu Kompost zu verarbeiten, muss es für eine gewisse Zeit durchgängig auf 50 bis 70 Grad erhitzt werden, damit schädliche Mikrobakterien abgetötet werden. Im Fachjargon heißt dieser Prozess "Hygienisierung". Die AWH greift dabei auf eine Methode zurück, die modellhaft erprobt wurde, seit Jahren im Kreis angewendet wird und bei Experten und Behörden auf Zustimmung gestoßen ist. Diese "Hohenloher Wandermiete" wird aber nicht regelmäßig oder dauerhaft aktiviert, sondern nur dann, wenn zu viel Grüngut anfällt - die Menge also über dem Volumen liegt, das bei der Firma Hauke Erden in Öhringen vertragsgemäß zu Kompost verarbeitet und an Kunden verkauft wird. Die restlichen Mengen, die der Kreis eigens verwertet, können die Bürger kostenlos auf Grüngutplätzen mitnehmen.
Kompost ist so gefragt, dass es mitunter Streit gibt
"15.000 bis 18.000 Tonnen Grüngut fallen pro Jahr im Hohenlohekreis an", informiert Sebastian Damm, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft, die Kreisräte. "Die Tendenz war in den vergangenen Jahren stark steigend." Die Bevölkerung sei ganz wild auf den "Hohenloher Grüngutkompost", der auf diversen Sammelplätzen als Bodenverbesserer kostenlos ausgegeben werde. "Das Material ist so gefragt, dass es innerhalb weniger Tage weg ist und mitunter Streit entsteht, wer es denn mitnehmen darf", erklärt Damm. "Auch in puncto Qualität erreichen uns ganz tolle Rückmeldungen."
Investition macht sich schnell bezahlt
Laut Beschlussvorlage ist "die Nachfrage im kompletten Hohenlohekreis so groß, dass sie bei Weitem nicht gedeckt werden kann". Nun sorgt die AWH für Nachschub. Und kann damit im gleichen Atemzug die Entsorgungskosten senken. Zwar schlägt der Bau der Verwertungsfläche in Michelbach inklusive einer Erweiterungsfläche für die Aufbereitung von Reisig mit rund 490 000 Euro zu Buche. Doch diese Investition hat sich schon in fünf bis siebeneinhalb Jahren bezahlt gemacht, während der Betrieb der Eigenverwertung auf 30 Jahre angelegt ist.
Ausbau der Eigenverwertung ist auch im Sinne des Klimaschutzes
Nicht nur ökonomisch erkennt die Abfallwirtschaft "erhebliche Vorteile", auch die Effekte für den Klimaschutz seien "äußerst positiv". In der Konzeptbeschreibung heißt es: "Dadurch, dass die Bürger das Material selbst anliefern und im Gegenzug den Hohenloher Grüngutkompost kostenlos mitnehmen können, entfallen Transportkosten in nennenswertem Umfang. Diese werden so quasi von den Hohenlohern selbst übernommen, bei denen aber gerade keine zusätzlichen Fahrten und Kosten entstehen." Aus Sicht des Klimaschutzes bringe dieser "kleinste Kreislauf" einen doppelten Gewinn: Lkw-Transporte ins Öhringer Kompostwerk würden vermieden, während das hygienisierte Material helfe, die Bodenqualität im Landkreis zu verbessern.
"Hohenloher Wandermiete" bleibt bestehen
Die "Hohenloher Wandermiete" sei mit diesem Invest nicht "gestorben", sagt Damm. Sie bleibe ein "probates Mittel, um unkalkulierbare Übermengen abzustottern". Nur sei das Prinzip viel teurer als die Praxis der dauerhaften Eigenverwertung von Grüngut auf einer fest definierten Fläche: "95 Euro sind es pro Tonne bei der Wandermiete, über 80 Euro pro Tonne beim Transport ins Kompostwerk, und nur 30 Euro pro Tonne auf dem Sammelplatz in Michelbach."
2000 bis 3000 Tonnen pro Jahr: Mehr geht nicht
Voll und ganz auf die Eigenverwertung umzusteigen, würde freilich viel zu weit führen, betont Damm: "Das Konzept passt für 2000 bis 3000 Tonnen pro Jahr, aber nicht für 18.000 Tonnen." Allein mit dieser Menge könne die AWH pro Jahr einen sechsstelligen Betrag sparen.
Neuer Standort in Hohebach
Auch auf dem neuen Grüngut- und Reisigplatz in Hohebach wird es eine kleinere Fläche geben, auf der Grüngut zu Kompost verwertet wird, das Bürger kostenlos mitnehmen können. Die Kapazität reicht für 1000 Tonnen im Jahr, "500 Tonnen sind aber zunächst realistisch", sagt AWH-Chef Sebastian Damm. Der Platz liegt außerhalb des Ortes in Richtung Eisenhutsrot und soll 2022 betriebsbereit sein. "Wir sind mit dem Kreis darüber schon seit vier bis fünf Jahren im Gespräch", sagt CDU-Kreisrat Andy Kümmerle. Der Dörzbacher Bürgermeister freut sich, "dass ein idealer Standort gefunden wurde, der supertoll anzufahren ist". Die Baukosten liegenbei rund 700.000 Euro.
Der Platz in Hohebach ist ein weiterer Baustein im neuen Grüngutkonzept des Kreises. Weil die Umwelt- und Naturschutzauflagen verschärft wurden und immer mehr Grünabfälle wiederverwertet werden sollen, müssen Plätze umgebaut oder neu gebaut werden. 2014 gab es noch 30 Standorte, zwölf bis 15 werden übrigbleiben, die beaufsichtigt und zu festen Zeiten geöffnet sind.
Kommentare öffnen




Stimme.de
Kommentare