Corona-Hotspot Hohenlohe: Äußerste Vorsicht und viele Tests

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Das dynamische Infektionsgeschehen im Hohenlohekreis ist auf drei Ausbruchsherde zurückzuführen: das Würth-Logistikzetrum Gaisbach, der Kindergarten Röntgenstraße Öhringen und ein privates Fest in Zweiflingen. Die Mutation B 1.1.7 wurde nun auch im Kindergarten nachgewiesen.

Im Würth-Logistikzentren in Gaisbach kam es zu einem größeren Corona-Ausbruch. Die britische Mutante wurde bisher in drei Fällen nachgewiesen.
Fotos: Tscherwitschke
Im Würth-Logistikzentren in Gaisbach kam es zu einem größeren Corona-Ausbruch. Die britische Mutante wurde bisher in drei Fällen nachgewiesen. Fotos: Tscherwitschke  Foto: Tscherwitschke, Yvonne

Die Schicht bei Würth in Gaisbach ist zu Ende. Mit Masken im Gesicht laufen die Mitarbeiter zu ihren Autos auf dem Parkplatz. Übliche Vorsichtsmaßnahmen? Oder legen die Beschäftigten seit Bekanntwerden des massiven Corona-Ausbruchs in einem der vier Logistikzentren noch mehr Wert auf ihre Sicherheit? Klar ist: "Die Sicherheits- und Hygienemaßnahmen wurden nochmals erhöht", erklärt Würth-Sprecherin Sigrid Schneider auf HZ-Anfrage. Es herrsche "permanente Maskenpflicht auch an den Büroarbeitsplätzen im Logistikbereich".

Landrat Matthias Neth hat am Montag im Kreistagsausschuss erklärt: "Für den wahrscheinlichen Beginn des Ausbruchsgeschehens in dem Unternehmen haben wir derzeit einen Tag Ende Januar im Blick." Gibt es nähere Details dazu, was oder wer den heftigen Ausbruch im Logistikzentrum ausgelöst hat, in dessen Folge bislang drei von 46 Coronafällen in den Reihen der Mitarbeiter der britischen Mutante B 1.1.7 zuzuordnen sind?

Dazu äußert sich Würth nicht. Das offizielle Statement lautet am Dienstag: "Die Adolf Würth GmbH & Co. KG hat in allen Logistikbereichen ein strenges Sicherheits- und Hygienekonzept. Dazu gehören Temperaturmessungen an den Eingangspforten, eine ständige Maskenpflicht auf dem Logistikgelände und an allen Arbeitsplätzen innerhalb der Logistik, Trennwände aus Plexiglas sowie äußerst strenge Zugangsbeschränkungen in die einzelnen Logistikbereiche."


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Würth hat ein eigenes Testsystem etabliert

Infolge der jüngsten Coronainfektionen sei zudem ein eigenes Testsystem etabliert worden. "Dort werden alle Mitarbeitenden der Logistikzentren in einem rollierenden System mindestens einmal wöchentlich, in Schwerpunktbereichen mehrmals die Woche von ausgebildeten Ersthelfern mit Schnelltests getestet", so die Mitteilung.

Das Gesundheitsamt sehe derzeit keinen weiteren Handlungsbedarf, berichtet Schneider auf Anfrage der HZ. "Der Betrieb kann weiterlaufen." Norbert Heckmann, Sprecher der Geschäftsführung der Adolf Würth GmbH & Co. KG, erklärt: "Gemeinsam mit dem Gesundheitsamt werden wir alles tun, was nur irgend möglich ist, um einer weiteren Ausbreitung entgegenzuwirken." Die Gesundheit der Mitarbeiter habe oberste Priorität.

Britische Mutante auch in Kita nachgewiesen

Kein Lachen, kein Toben, kein Bringen, kein Abholen. Im Öhringer Kindergarten Röntgenstraße ist nach den Corona-Infektionen kein Betrieb. Foto: Yvonne Tscherwitschke
Kein Lachen, kein Toben, kein Bringen, kein Abholen. Im Öhringer Kindergarten Röntgenstraße ist nach den Corona-Infektionen kein Betrieb. Foto: Yvonne Tscherwitschke  Foto: Tscherwitschke, Yvonne

Komplett ruhig ist es im Kindergarten Röntgenstraße in Öhringen. Kein Licht ist hinter den großen mit Basteleien beklebten Fenstern. Kein Kind tobt im Garten auf dem eingeschneiten Piratenschiff. Zwölf Kindergarten- und drei Krippenkinder waren dort zur Notbetreuung angemeldet. Jetzt sind sie und die Erzieherinnen in Quarantäne. Auch das Öhringer Ausbruchsgeschehen hängt mit dem bei der Firma Würth zusammen. Nachdem dort die britische Mutante B.1.1.7 festgestellt wurde, werden die Öhringer Proben ebenfalls daraufhin untersucht. Mittlerweile ist auch hier ein bestätigter Fall dieser Mutante nachgewiesen worden.

Durch die vorliegenden Testgutscheine würden die Erzieherinnen regelmäßig getestet, erklärt Stadtsprecher Michael Walter. Da sowieso bereits nach strengem Hygienekonzept gearbeitet werde, das sich an den "Schutzhinweisen für die Betreuung in Kindertagespflege und Kindertageseinrichtungen während der Corona-Pandemie" verschiedener Verbände orientierte, seien keine weiteren Vorkehrungen notwendig. Walter sagt, der Stadt sei nicht bekannt, dass Erzieherinnen durch das Ausbruchsgeschehen verunsichert wären. Ihnen sei bewusst, dass sie einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung der Pandemie leisten. Die Motivation sei sehr hoch. Doch die Stadtverwaltung appelliere an alle Eltern, dass die Notbetreuung tatsächlich nur in Anspruch genommen werden solle, wenn dies zwingend erforderlich sei und die Betreuung der Kinder auf keine andere Weise sichergestellt werden könne.


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Mutation im Hohenlohekreis: Das war nur eine Frage der Zeit


Rentner-Ehepaar feierte in Zweiflingen

Und wie ist die Stimmung in Zweiflingen? Dort hat das private Fest eines Rentner-Ehepaars dafür gesorgt, dass sich Gäste vor allem aus der Gemeinde Bretzfeld angesteckt haben. Laut Landrat Neth waren bei der Geburtstagsfeier zehn Teilnehmer anwesend. Das hat in der Gemeinde - und im gesamten Hohenlohekreis - zu Diskussionen und Kopfschütteln geführt. "Man hat da kein großes Verständnis und alle, die sich auch noch nach so langer Zeit an die Regeln halten, sind da einfach nur sauer", weiß Bürgermeister Klaus Gross. Es zeige, dass an Lockerungen nicht zu denken sei. Das bedauere er mit Blick auf all jene, die dadurch finanziell hart betroffen seien und mit Blick auf die Kinder, die nicht in Kitas und Schule könnten. Und: "Als Verantwortlicher wird man langsam der mahnenden Worte müde, da hat man langsam auch keine große Lust mehr."

Das sind die neuesten Zahlen

Der Ausbruch bei Würth umfasst jetzt 46 Coronafälle bei der Firma selbst (37 Mitarbeiter leben im Kreis). Die Zahl der direkten Kontaktpersonen dieser 37 Fälle beträgt nun 82. Es sind 20 Menschen positiv getestet, die nicht dort arbeiten, aber Kontakt hatten. Der Ausbruch umfasst derzeit also 66 Fälle. Es wurde dreimal die Mutation B.1.1.7 nachgewiesen, weitere Ergebnisse stehen aus. Außer im Kindergarten Öhringen, für den seit Dienstag in einem Fall die britische Mutation nachgewiesen ist (14 Coronafälle, 52 Kontaktpersonen), sind nun auch Kinder im Kindergarten Bitzfeld positiv getestet. Insgesamt wurden am Montag 13 Neuinfektionen im Kreis gemeldet. Die Zahl der Todesfälle bleibt bei 101. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt jetzt bei 127,8. Im Öhringer Krankenhaus wurden elf Corona-Patienten behandelt, drei davon auf der Intensivstation, ein Verdachtsfall auf der Isolierstation.

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