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Supermarkt und Drogeriemarkt sollen Attraktivität im Zentrum von Krautheim steigern

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Nachdem vor einigen Jahren der Penny-Markt in die Nachbargemeinde Dörzbach abgewandert ist, könnte Krautheim nun mit Rewe und Rossmann ein Coup gelungen zu sein. 

Ehemaliges Gärtnerei-Areal in Krautheim mit Jagsttalbahn-Trasse soll bebaut werden. Rewe und Rossmann haben Interesse.
Ehemaliges Gärtnerei-Areal in Krautheim mit Jagsttalbahn-Trasse soll bebaut werden. Rewe und Rossmann haben Interesse.  Foto: Tamara Ludwig

Es war ein harter Schlag für Krautheim, als der Discounter Penny im Jahr 2020 verkündete, den Standort Krautheim zugunsten eines neuen Marktes in Dörzbach aufzugeben. Ein Streit zwischen den Nachbarkommunen entbrannte (wir berichteten). Inzwischen haben sich die Wogen geglättet, die Versorgungssituation hingegen hat sich zugespitzt: Denn auch den Edeka-Laden in der Krautheimer Götzstraße (L1025) gibt es seit einiger Zeit nicht mehr. Übrig bleibt die Lidl-Filiale am Ortsrand. Nun könnte sich das Blatt für die Stadt wenden: Rewe und die Drogeriemarkt-Kette Rossmann wollen sich in Krautheim-Tal ansiedeln. Und zwar auf der Fläche der ehemaligen Schreinerei und Gärtnerei.

Pläne eines vorigen Investors für das Gelände in Krautheim haben sich zerschlagen

2021 gab es bereits Pläne eines Investors, dort ein Mehrfamilien-Wohnhaus, ein Seniorenheim sowie ein Gesundheitszentrum zu bauen. Doch diese Pläne haben sich zerschlagen. Nun könnte hier doch noch „etwas Großes entstehen“, wie Bürgermeister Andreas Insam in jüngster Gemeinderatssitzung betont. „Das ist eine große Chance für uns. Wir haben lange daran gearbeitet, das heute hier vorstellen zu können.“

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Und die Pläne offenbaren: Es steht noch einiges an Arbeit an, bis das Projekt tatsächlich Realität werden kann. Konkret geht es in der Sitzung zunächst um eine Änderung des Bebauungsplans „Kernstadt Südost“ mit der Ausweisung eines Sondergebiets für Einzelhandel. Das ist nötig, weil der Lebensmittelmarkt eine Verkaufsfläche von 1400 Quadratmetern, der Drogeriemarkt von 700 Quadratmetern erreicht und somit baurechtlich in die Kategorie „Großflächiger Einzelhandel“ fällt.

Vorteile des Vorhabens in Krautheim überwiegen laut einer Analyse

Eine in Auftrag gegebene Analyse der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung über die Auswirkungen des Vorhabens zeigt vor allem positive Faktoren auf: Eine brachliegende Fläche im Stadtzentrum werde genutzt, das Zentrum könne belebt und die Nahversorgung verbessert werden. Außerdem sei das Gebiet sowohl mit Pkw wie mit dem ÖPNV gut erreichbar. Negativ wird lediglich die geringe fußläufige Erreichbarkeit gewertet, da in Krautheim-Tal vergleichsweise wenige Menschen wohnen. Außerdem stelle die rückwärtige Lage einen Nachteil dar, weil der Markt von der Hauptverkehrsstraße kaum zu sehen sein werde.

Die Jagsttalbahn-Trasse führt quer über das Gelände. Das Niveau der dort geplanten Parkplätze soll an den Bahndamm angepasst, also angehoben werden.
Die Jagsttalbahn-Trasse führt quer über das Gelände. Das Niveau der dort geplanten Parkplätze soll an den Bahndamm angepasst, also angehoben werden.  Foto: Tamara Ludwig

Was das Gelände selbst angeht, gibt es für Krautheim einen altbekannten Haken: Die Jagsttalbahntrasse führt über das Grundstück. Nachdem man sich mit der Jagsttalbahn-AG nach jahrelangem Streit auf den Kompromiss geeinigt hat, die Trasse zwischen Dörzbach und Bahnhof Krautheim für einen möglichen Museumsbahnbetrieb zu erhalten, kann diese nicht entwidmet werden. Allerdings führt die Trasse quer über den geplanten Parkplatz für den neuen Einzelhandel. 130 Stellplätze sind hier vorgesehen.

Gesamtes Gelände im Zentrum von Krautheim-Tal soll angehoben werden

Lösen will die Stadt das Problem, indem sie das gesamte Gelände auf das Niveau des Bahndamms anhebt. Mit den Parkplätzen darüber greife man nicht in die Trasse ein, so der Plan, den Knut Gramlich vom Büro Gramlich und Partner aus Limbach vorstellt. Allerdings wird eine Stützmauer nötig, die inklusive Gebäudefassade um die acht Meter hoch wäre. Auf diese massive Wand würden Anlieger in der Altkrautheimer Straße künftig blicken. Das bereitet auch manchen Stadträten Sorge. 

Anwohner könnten auf acht Meter hohe Mauer schauen

Ulrike Hirn stört sich am Vergleich der Planer mit der Höhe eines Einfamilienhauses. „Das ist wie eine riesige Halle, da wirkt das ganz anders“, ist sie überzeugt. Eberhard Stauch ist der Meinung, es sei zu früh, um bereits ins Bebauungsplan-Verfahren zu gehen. Seiner Ansicht nach hätte man zuvor die betroffenen Anwohner und auch die Vertreter der Jagsttalbahn ins Boot holen sollen. Auf die Anwohner müsse man „nochmal ganz konstruktiv zugehen“, empfiehlt auch Thomas Dubowy und betont gleichzeitig, das Projekt sei „sehr wünschenswert für die Stadt“. Außerdem handele es sich um die einzige städtische Fläche, auf der ein solches Vorhaben möglich sei. „Wir sind darauf angewiesen, dass das ein gutes Ende nimmt“, ist Dubowy überzeugt. 

Wann dieses gute Ende erreicht ist und die ersten Einkäufe über die Kassenbänder rollen, lässt sich indes noch nicht exakt prognostizieren. Geht alles glatt, könnte zumindest das Bebauungsplanverfahren in etwa einem Jahr abgeschlossen sein. 

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