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Kampfhund in Hohenlohe terrorisiert Nachbarn: Bürgermeister reißt Geduldsfaden

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Nach einer Attacke auf seinen Hund in Steinkirchen bei Braunsbach fürchten sich Anwohner vor einem American Staffordshire Terrier. Nun wollte der Bürgermeister ihn den Besitzern wegnehmen – doch das scheiterte. Warum?

Von Thumilan Selvakumaran

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Schon vor der Hundebiss-Attacke vor rund zwei Wochen in Öhringen schlug ein Fall im Kochertal unweit der Kreisgrenze hinter Künzelsau Wellen: In Steinkirchen fürchten sich Anwohner vor einem American Staffordshire Terrier – seit fast zwei Jahren. Nun wollte die Gemeinde den Kampfhund beschlagnahmen lassen – doch das scheiterte.

Nächste Hundeattacke in Hohenlohe: Das war passiert

Ein muskulöser Terrier steht knurrend an der Straße. Ohne Leine, ohne Herrchen. Es ist eine als Kampfhund gelistete Rasse. Das Garagentor ist auf. Der Vierbeiner kann sich frei bewegen und lokalisiert schnell seine Beute: den 37-jährigen Dominik Böse mit seiner Dackelhündin. Sie sind in der Jungholzhausener Straße in Steinkirchen bei Braunsbach unterwegs, als er die Gefahr erkennt.

„Ich habe meine Hündin auf den Arm genommen und wie ein Baby über dem Kopf gehalten.“ Der Terrier sei angerannt gekommen, immer wieder hochgesprungen und habe mehrfach versucht, den Dackel zu schnappen. Das Tier wurde am Schwanz verletzt. Dominik Böse wurde in die Lippe gebissen, hat mehrere Prellungen. Er habe mit Fußtritten versucht, sich zu wehren.

Für den Hund und seinen Besitzer gibt es erste Konsequenzen.
Für den Hund und seinen Besitzer gibt es erste Konsequenzen.  Foto: Philipp Schulze/dpa/Archivbild

Die Besitzerin des Kampfhundes und deren Partner seien herausgekommen, hätten versucht, das Tier zu stoppen. „Irgendwann lagen dann beide Besitzer auf dem Hund. Der hat sich dann losgerissen und ist Richtung Ort gelaufen.“ Das Tier habe weder Leine noch Halskette getragen, einen Maulkorb auch nicht. Böse wurde mit dem Krankenwagen ins Diak gebracht, an der Lippe genäht. Er stellte Strafanzeige.

Leinenpflicht, Maulkorb, Beschlagnahme: Was die Gemeinde Braunsbach gegen den aggressiven Terrier tut

Die Gemeinde müsse durchgreifen, fordert Böse. Der 37-Jährige ist nicht der einzige, der sich an den Bürgermeister gewandt hat. Mehrere Anwohner berichteten in den vergangenen zwei Jahren von Problemen mit Hund und Halterin, die den Terrier offenbar regelmäßig auch ohne Leine draußen führte. Die ganze Straße traue sich nicht mehr aus dem Haus. Die Halterin und ihr Partner seien auffällig, suchten offensiv Streit.

Die Polizei bestätigt auf Nachfrage den Sachverhalt. Gegen die Halterin werde wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt. „Ebenfalls wurde der Vorfall an die Gemeinde Braunsbach gemeldet, dort muss entschieden werden, wie weiter mit dem Hund verfahren wird.“ Aus polizeilicher Sicht sei der Hund bislang unauffällig gewesen – das war auch bei der Attacke in Öhringen der Fall. Aus kommunaler Sicht war er es nicht. Bürgermeister David Beck berichtet, dass er noch am selben Abend einen Anruf des Feuerwehrkommandanten erhalten habe, der in derselben Straße wohnt.


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Beck habe das Gespräch mit der Hundehalterin gesucht und sei zwei Tage nach dem Vorfall in Begleitung eines Polizisten zu ihr gegangen. „Ich habe ihr explizit den geltenden Leinenzwang erklärt“, so der Bürgermeister. Zudem habe er die Maulkorbanordnung überreicht. Eine Leinenpflicht gelte bereits. An einem Bußgeld sei man dran.

Kampfhund in Steinkirchen: Warum die Beschlagnahmung scheiterte

Inzwischen scheint beim Bürgermeister der Geduldsfaden gerissen zu sein: Er gab die Anordnung, den Hund zu beschlagnahmen. Eines Morgens stand ein Großaufgebot von Polizei, Tierheim und der Gemeinde bei der Halterin vor der Haustüre. Doch die Überraschung scheiterte: Hund und Halterin waren weg. Beck schließt: „Ich befürchte, dass sie jetzt untergetaucht ist und wir keinen Zugriff mehr auf den Hund haben.“ Er werde aber alles daransetzen, dass der Hund wegkommt: „Wir wollen unsere Bevölkerung schützen.“

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