Hunde-Attacke in Öhringen: Bulldogge soll bislang nicht auffällig gewesen sein
In Öhringen hat ein Hund der Rasse American Bulldog ein zwölfjähriges Mädchen schwer verletzt. Die Polizei ermittelt gegen den Halter, der Angriff des Hundes wird Konsequenzen haben.
Bei dem Hund, der am Sonntagvormittag in Öhringen ein zwölfjähriges Mädchen durch einen Biss in den Hals schwer verletzt hat, handelt es sich nach Angaben der Heilbronner Polizei um die Rasse American Bulldog. In ersten Medienberichten war von einer französischen Bulldogge die Rede – dies trifft laut Polizeisprecher Frank Belz allerdings nicht zu.
Anwalt Andreas Ackenheil aus Mainz ist auf Tierrecht spezialisiert und sagt, das hätte ihn auch sehr gewundert. Französische Bulldoggen mit ihren markanten Fledermausohren gelten als typische und kinderliebe Familienhunde. Bissvorfälle mit Kindern gebe es sicherlich auch, sagt Ackenheil, aber bislang habe er davon sehr selten gehört. Hunde der Rasse American Bulldog sind deutlich größer und schwerer, sie haben auch eine stärkere Bisskraft. Doch auch sie gehörten in Baden-Württemberg nicht zur Kategorie der Listenhunde, führt Ackenheil aus.
Hunde-Attacke in Öhringen: Vater des Mädchens wurde auch gebissen
Wie berichtet, war es am Sonntag gegen 11 Uhr in einem Garten in einem Öhringer Wohngebiet nahe des Krankenhauses zu dem Vorfall gekommen. Die Zwölfjährige spielte nach Angaben der Polizei mit Nachbarskindern auf einem Trampolin, als der Hund der Nachbarn in den gemeinsamen Garten gekommen sei. Ein Nachbarskind habe noch versucht, den Hund am Halsband zu greifen, „konnte aber nicht verhindern, dass das Tier auf die Zwölfjährige losging und in den Hals biss“, heißt es in einer Mitteilung der Polizei von Montag. Beim Versuch, die amerikanische Bulldogge von dem Kind fortzuziehen, sei auch der 43 Jahre alte Vater des Mädchens in die Hand gebissen worden. Das Kind erlitt schwere Verletzungen und wurde mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik gebracht. Angaben zur Art der Verletzungen macht die Polizei nicht.
Die Bulldogge sei ein sieben Jahre altes Weibchen, sagt Polizeisprecher Frank Belz. Nach ersten Erkenntnissen sei es beim aktuellen Halter bislang zu keinen Vorfällen gekommen. Der Angriff des Hundes wird Konsequenzen haben. Die Bulldogge muss ab sofort einen Maulkorb tragen und an die Leine genommen werden. Die Stadt habe eine entsprechende sofortige Auflage verfügt, teilte die Polizei mit. Außerdem werde der Hund von der Hundeführerstaffel der Polizei begutachtet. Dann müsse gemeinsam mit den Behörden entschieden werden, wie weiter mit dem Tier umgegangen werde, heißt es.

Ermittlungen nach Hunde-Angriff in Öhringen – Anwalt: Es stellt sich immer die Frage nach dem Auslöser
Ermittelt wird nun gegen den Halter wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung. Unklar sei bislang noch, warum das Tier plötzlich aggressiv wurde. Fachanwalt Ackenheil erklärt, in solchen Fällen sollte genau rekonstruiert werden, wie es dazu gekommen sei. Erst dann könne man letztlich weitere Entscheidungen treffen. Es stelle sich immer die Frage nach dem Auslöser.
Nach Hundeangriffen auf Kinder würden viele Halter aus einer Wut heraus dazu tendieren, das Tier einschläfern zu wollen. Das ist aus Sicht von Ackenheil aber nicht unbedingt gerechtfertigt. Unter Umständen sei es besser, sich einzugestehen, dass das Tier in den Händen eines erfahrenen Halters besser aufgehoben sei. Das Euthanasieren von Hunden sei nur im letzten Schritt angezeigt, wenn sich herausstelle, dass das Tier nicht sozialverträglich sei.
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