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Hunde-Angriff auf Kind
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Nach Beiß-Attacke in Öhringen: Peta fordert Hundeführerschein – Behörden sind skeptisch

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Ein zwölfjähriges Mädchen wurde in Öhringen von einer Bulldogge schwer verletzt. Peta sieht die Schuld bei den Haltern und fordert die Einführung eines Hundeführerscheins. Die Behörden halten davon wenig.


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Ein zwölfjähriges Mädchen spielt in Öhringen mit anderen Kindern – plötzlich wird es von einer Bulldogge gepackt und schwer verletzt. Der Beiß-Angriff, der für das Tier und dessen Halter Konsequenzen hat, ruft jetzt Peta auf den Plan. Die Tierschutzorganisation fordert die Einführung eines Hundeführerscheins in Baden-Württemberg. Das Landratsamt Hohenlohe und das zuständige Landesministerium sind skeptisch.

Hunde-Attacke auf Kind in Öhringen: Peta fordert Hundeführerschein

Der schwere Beiß-Angriff in Öhringen sorgte überregional für Entsetzen: Ein Hund der Rasse American Bulldogg ist kürzlich auf ein spielendes Kind losgegangen, das zwölfjährige Mädchen musste mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik gebracht werden. Monika Pfau, Pressesprecherin der Stadt Öhringen, teilt auf Stimme-Nachfrage mit, die Behörde sei „sehr betroffen“ über den Vorfall.

Mittlerweile ist die Tierschutzorganisation Peta auf den Fall aufmerksam geworden – und sieht die Schuld bei den Haltern. In einer Mitteilung von Peta wird Fachreferent Björn Thun folgendermaßen zitiert: „Die wahre Ursache von Beißvorfällen ist in der Unwissenheit der Menschen zu suchen, nicht beim Tier.“

Laut Peta hätten viele Halter „Schwierigkeiten, das Verhalten, die Signale und die Körpersprache der Hunde richtig zu interpretieren und einzuschätzen“. Entsprechend fordere Peta die Landesregierung auf, den geplanten sogenannten Hundeführerschein in Baden-Württemberg „dringend umzusetzen“.

Landratsamt Hohenlohe sieht in Hundeführerschein „enormen bürokratischen Aufwand“

Wie steht das Landratsamt Hohenlohe zur Einführung eines Hundeführerscheins? Auf Stimme-Nachfrage zeigt sich Sprecher Sascha Sprenger skeptisch. „Ob die Einführung eines Hundeführerscheins zu einer signifikanten Senkung der Zahl solcher Fälle wie dem in Öhringen führt, lässt sich nicht seriös vorhersagen.“

Entscheidend sei aus Sicht des Landratsamtes vor allem, dass die bereits bestehenden Regeln, etwa ein Leinenzwang auf Spielplätzen, konsequent umgesetzt werden, so Sprenger. Zwar könne ein Hundeführerschein durchaus zu einem „bewussteren Umgang mancher Halter“ führen, gibt er zu. Andererseits würde dieser „einen enormen bürokratischen Aufwand sowie Kosten für Halter und Behörden verursachen“.

Das steckt hinter dem „Hundeführerschein“

Der Hundeführerschein sieht vor, dass künftige Halter bereits vor Aufnahme eines Hundes einen Theoriekurs absolvieren, in dem sie Fachwissen über eine tiergerechte Haltung und Aspekte wie Kommunikation und Bedürfnisse von Hunden erwerben. Danach folgt für Halter und Hund ein gemeinsames, obligatorisches Praxisseminar in einer Hundeschule. Der Nachweis soll sicherstellen, dass Hundehalter fachkundig mit dem Tier umgehen und dessen Signale richtig deuten. 2022 sollen sich die CDU und die Grünen in den Koalitionsverhandlungen auf den Hundeführerschein in Baden-Württemberg geeinigt haben. Bisher ist er noch nicht umgesetzt.

Ein Hundeführerschein könnte diesbezüglich schon zu einem bewussteren Umgang mancher Halter mit ihrem Tier führen, würde aber andererseits einen „enormen bürokratischen Aufwand sowie Kosten für Halter und Behörden verursachen“.

Hundeführerschein in Baden-Württemberg: Wie ist der aktuelle Stand?

Der sogenannte „Hundeführerschein“ ist immer wieder Gegenstand von Diskussionen. Seit Juli 2013 ist der allgemeine Hundeführerschein etwa in Niedersachsen verpflichtend. Auch die schwarz-grüne Koalition in Baden-Württemberg einigte sich 2022 in ihren Koalitionsverhandlungen auf eine Einführung. 

Zum aktuellen Stand rund um einen Hundeführerschein teilt ein Sprecher des Ministeriums für Ernährung, ländlichen Raum und Verbraucherschutz auf Stimme-Nachfrage mit: Die thematisch betreffenden Landesministerien stünden bezüglich eines Gesetzentwurfes zum Thema Hundehaltung „fachlich im Austausch“. Zu berücksichtigen seien allerdings „ordnungsrechtlich und verwaltungsrechtlich komplexe Fragestellungen“. 

Hundeführerschein: Baden-Württembergisches Ministerium verweist auf Bürokratie

Das Ministerium verweist darauf, dass sich die Landesregierung einen Bürokratieabbau als Ziel gesteckt hat. Dieser spiele bei der Bewertung „eine zentrale Rolle, da möglicherweise zusätzliche Regularien geschaffen würden, die zahlreiche Tierhalter betreffen und die insbesondere die Kommunen vor Ort umsetzen müssten“.

Zudem macht das Ministerium klar: „Auch ein Sachkundenachweis böte leider keine absolute Gewissheit, dass sich Tierhalter immer korrekt verhalten und könnte tragische Vorfälle wie in Öhringen oder Impulskäufe nicht hundertprozentig verhindern."

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