Sören Döffinger ist seit 2024 Bürgermeister in Mulfingen – zum damaligen Zeitpunkt der jüngste Amtsträger Deutschlands. Politisch aktiv ist der stellvertretende Landesvorsitzende der Jungen Union Baden-Württemberg seit vielen Jahren. Außerdem war er Zeitsoldat bei der Luftwaffe, studierte Politikwissenschaft und Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und arbeitete im Bereich Public Affairs bei der McDonald‘s Deutschland LLC.
„Erschreckend“: Mulfingens Bürgermeister spricht über Attacken und Beleidigungen
Hassnachrichten und eine Farbbomben-Attacke erschütterten Mulfingen im vergangenen Jahr. Was macht sowas mit einem Bürgermeister? Rathauschef Sören Döffinger spricht darüber.
Fast vier Monate ist es her, dass in der kleinen Gemeinde Mulfingen Hassmails auf Bürgermeister Sören Döffinger einprasselten und Farbbomben das Privathaus einer Rathaus-Mitarbeiterin besudelten. Der Anlass: eine Erhöhung der Kita-Gebühren. Immer wieder werden Amtsträger Opfer von Attacken und Beleidigungen – und das bei einem hohen Arbeitspensum, das wenig Pausen kennt. Wie hält man das aus?
Hassmails und Farbbomben in Mulfingen für Bürgermeister „erschreckend“
Was damals im September in Mulfingen geschah, sei „erschreckend“ gewesen, sagt Bürgermeister Döffinger im Stimme-Gespräch. „Mittlerweile ist das aber leider die Norm.“ Bis heute ist unklar, wer die Hassmails verfasst oder die Farbbomben geworfen hat – von einer Anzeige hatte das Rathaus abgesehen.
Mulfingen ist eine kleine Gemeinde mit knapp 4000 Einwohnern. „Da kennt man jeden“, sagt Döffinger. „Anfangs, als ich durch die Straßen gelaufen bin, habe ich mich unweigerlich gefragt: Könnte es vielleicht derjenige gewesen sein?“ Der Ärger in Mulfingen hat sich mittlerweile längst gelegt, sagt der Bürgermeister. Doch das Grundproblem bleibt.
Vater von Mulfingens Bürgermeister erhielt Morddrohung wegen Funkmast-Bau
Davon, dass etwas im Diskurs verrutscht ist und Debatten immer mehr verrohen, seien kommunale Amtsträger besonders betroffen, erklärte Klaus Holaschke, Eppingens Bürgermeister und Gemeindetags-Vizepräsident, kürzlich gegenüber der Stimme. Auch Döffinger nimmt das so wahr: Er könne „unterschreiben, dass die niedrigschwellige kommunale Ebene im Fokus von Angriffen“ sei.

Für Döffinger waren die Attacken in Mulfingen nicht die erste Eskalation, die er erlebt hat. Sein Vater, Bürgermeister in Assamstadt, habe 2021 eine Morddrohung erhalten – wegen der geplanten Errichtung eines Funkmasts. „Die Polizei bewachte damals unser Privathaus.“ Zu dieser Zeit studierte der 27-Jährige zwar in München, war aber dennoch oft in der Heimat und erlebte die Zeit mit.
Enthemmter Diskurs in sozialen Medien und Belastung: Warum Bürgermeister aufgeben
Döffinger glaubt, dass die Verrohung der Debatten insbesondere durch die sozialen Medien ausgelöst wird. Dort ist der CDU-Politiker seit Jahren aktiv. Er findet fast täglich eine Hassnachricht in seinem Postfach. „Früher am Stammtisch hatte jeder sein Korrektiv, da wurden Debatten geführt und ausgehalten – jetzt ist es nur noch ein Schwarz-Weiß.“ Mittlerweile würden Amtsträger, so empfindet er es, von vielen lediglich als Figuren wahrgenommen werden. „Dabei wird schnell vergessen, dass wir auch Menschen sind und Familien haben.“ Und womöglich auch, wie zehrend das Amt grundsätzlich sein kann.
Döffingers Tag beginne um 6:30 Uhr und endet fast täglich zwischen 23 oder 1 Uhr, wie er erzählt – sieben Tage die Woche. Laut ihm ist es ein recht übliches Pensum für Bürgermeister, selbst in kleineren Gemeinden. Das Privatleben müsse merklich zurückstecken. Dass das Amt und all der Stress auch überfordern können, zeigen immer wieder Krankschreibungen oder Rücktritte, wie zuletzt etwa in Löwenstein. Döffinger sagt: „Du gehst an diesem Beruf zugrunde, wenn du den nicht aus intrinsischer Motivation machst.“
Trotz Anfeindungen: Amt laut Mulfingens Bürgermeister „viel zu schön“
Hat er nach den Anfeindungen ans Aufgeben gedacht? Döffinger schüttelt den Kopf. „Das Amt des Bürgermeisters ist viel zu schön.“ Ihm gebe es viel zurück, etwas für seine Heimat zu tun. Dort zu wirken, wo es unmittelbar sichtbar ist.
Nach dem Aufruhr rund um die Erhöhung der Kita-Gebühren gab es übrigens nicht nur Wut. Döffinger erhielt Briefe von Müttern, die Verständnis für die Entscheidung des Gemeinderats gezeigt hätten – auch wenn sie diese ablehnten. „Das war ein ehrliches Statement und ein Diskurs, wie er sein sollte“, sagt Döffinger. „Das hat mich bestärkt.“
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