„Wir machen auch Hauruck“: Gegner mit Eile der Entscheidung unzufrieden
Zahlreiche Gegner der Schließung der Ernsbacher Grundschule kommen zur Gemeinderatssitzung. Sie zweifeln die Argumente der Stadtverwaltung an.

Vor allem der Zeitpunkt der Entscheidung über das Ende der Ernsbacher Schule sorgt bei Gegnern für Kritik. Das wird in der Diskussion im Forchtenberger Gemeinderat am Dienstagabend deutlich: Nachdem die Gremien bereits seit September darüber sprechen, war die Verwaltung damit im Dezember an die Öffentlichkeit gegangen. Seither sind noch keine zwei Monate vergangen. Der relevante Stichtag sei der 31. Januar, erklärt Bürgermeister Michael Foss: Dann endet die Frist für einen Antrag beim Ausgleichsstock, den eine Gemeinde jährlich für nur ein Projekt stellen kann. Eigentlich wollte Forchtenberg den für das Feuerwehrgerätehaus stellen – ein Millionenprojekt. Weil es dafür aber noch keinen Finanzierungsplan gebe, seien die Aussichten auf Erfolg dafür gering, sagt Foss.
Termin wichtig für Förderantrag
Stattdessen könne der Antrag nun für den Umbau der Forchtenberger Grundschule gestellt werden – der ist nötig, wenn die Schüler aus Ernsbach auch dort unterrichtet werden sollen. Foss hält einen Erfolg des Antrags für gut möglich, wenn alle nötigen Entscheidungen stehen.
Foss betont: Das Ziel der Grundschulschließung sei, einer Hauruck-Aktion aus dem Weg zu gehen. Diese könne kommen, wenn die Ernsbacher Schule fortbestünde und dann aber Jahrgangsstufen zusammengelegt werden müssten. Die Ernsbacher Rätin Lara Spindler findet, das gehe zu schnell: „Wir machen auch Hauruck“, sagt sie – und hält die Arbeit der Eltern, die gegen die Schließung sind, für nicht ausreichend gewürdigt.
Arbeitskreis sammelt Argumente in 13-seitigem Dokument
In einem 13-seitigen Dokument erläutert dieser Arbeitskreis seine Standpunkte. In dem Schreiben, das der Redaktion inzwischen vorliegt, heißt es: „Wir sind gezielt davon abgewichen, Gegenstimmen in Presse oder Umgebung zu erzeugen.“ In dem Schreiben ziehen sie die Argumente der Stadt in Zweifel, bringen allerdings selbst kaum handfeste Argumente an. Die Arbeitskreisvertreter sind zahlreich zur Gemeinderatssitzung gekommen.
Thema Rektoren-Wechsel spielt keine Rolle mehr
Die Bürgerfragen öffnet die Foss an diesem Abend ausnahmsweise auch für Themen auf der Tagesordnung. Ein Bürger spricht den im Dezember noch als prominentes Argument herangezogene mögliche Wechsel auf dem Rektorenposten in Forchtenberg. Der spiele nun keine Rolle mehr. Bürgermeister Foss bedauert, dass er dieses Argument erwähnt habe. Das sei ein Fehler gewesen: Die Entscheidung über den Ruhestand sei eine persönliche Entscheidung der Rektorin. Davon dürfe keine Entscheidung des Gemeinderats abhängen. Dafür erntet er seufzende Stöhner aus dem Publikum.
Wie also geht es nun weiter mit dem Arbeitskreis? Eine Chance für weitere Ideen zur Ernsbacher Schule könnte eine Ablehnung des Ausgleichstock-Antrags sein – denn in den kommenden Jahren will Forchtenberg den für den Neubau des Feuerwehrgerätehauses stellen.
Zusammenhalt der Arbeitsgruppe weckt Hoffnung
Die Mitglieder des Gemeinderats und allen voran Ernsbachs Ortsvorsteher Werner Engel freuen sich über das Engagement der Eltern: Der Zusammenhalt und die Energie könne Ernsbach voranbringen. So könne die vom Arbeitskreis befürchtete sinkende Lebensqualität abgewendet werden.
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