Ehemaliges Krankenhaus in Künzelsau: Einblicke in das verlassene Gebäude
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Vor zehn Jahren besiegelte der Kreistag die Schließung der Kliniken in Brackenheim und Möckmühl. Künzelsau folgte wenig später. Was wurde aus den ehemaligen Krankenhausgebäuden und wie hat sich die Gesundheitsversorgung vor Ort entwickelt?
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Ein weiß gefliester Raum, Edelstahltüren und -kanten. Kabel hängen von der offenen Decke im ehemaligen Krankenhaus Künzelsau herab, Lüftungsschächte und Rohre verlaufen sichtbar daneben. Trotz einzelner Glühbirnen ist das Licht schummrig. Jeder Schritt hallt leise durch den Raum, der eigene Atem ist deutlich zu hören.
In einem Horrorfilm würde spätestens jetzt die unheilsschwangere Musik anschwellen und man wüsste, gleich passiert etwas. Hier im ehemaligen Künzelsauer Krankenhaus kommt aber kein maskierter Mörder um die Ecke, sondern Ulrich Walter. Der erste Beigeordnete der Kreisstadt in Hohenlohe führt gerade eine Gruppe interessierter Bürger durch das Gebäude. Sie alle wollen wissen, was die Stadt hier für Pläne verfolgt, wie die Zukunft aussehen soll. Denn wie es hier früher aussah, das wissen die meisten noch ganz genau.
Führung durch ehemaliges Krankenhaus Künzelsau weckt Erinnerungen
Viele der mehr als 50 Interessierten, die sich für die Führung angemeldet haben, haben einmal hier gearbeitet. Deshalb ist diese vermeintliche Horrorfilm-Kulisse für sie kein Ort des Fürchtens, sondern einer, wo einst das Essen für hunderte Patienten, Beschäftigte und Gäste zubereitet wurde, wo gemeinsam gelacht und geschafft wurde. Ein Ort der Erinnerungen. An die Zeit vor der Schließung der Künzelsauer Klinik im Jahr 2019, die in der Stadt tiefe Narben hinterlassen hat.
Erster Beigeordneter Ulrich Walter erklärt einer Gruppe im Rahmen einer Führung, wie es im ehemaligen Klinik-Gebäude in Künzelsau weitergehen soll.
Foto: Tamara Ludwig
Deshalb werden die Pläne der Stadtverwaltung, das Krankenhaus zusammen mit dem angrenzenden Ärztehaus Medikün in einen breit aufgestellten Gesundheitscampus zu verwandeln, sehr positiv aufgenommen. „Es wäre eine Schande gewesen, das Gebäude abzureißen“, sagt eine Frau aus der Gruppe. „Die Zimmer sind noch immer schöner als in manch anderen Krankenhäusern“, ist eine andere Frau überzeugt. Ein Teilnehmer findet, es sei offensichtlich: „Der Zustand des Gebäudes wurde als marode bezeichnet und schlechtgeredet, um eine Rechtfertigung für die Schließung zu finden. Die war nicht notwendig, sondern schlicht politisch gewollt.“
Unter anderem folgende Angebote plant Künzelsau auf dem Gesundheitscampus Medikün
Im Erdgeschoss soll neben dem bestehenden Physiotherapiezentrum ein Inklusions-Café einziehen, außerdem eine große Radiologie-Praxis. Hier erweitert die bestehende Radiologie im Ärztehaus ihre Praxis von bisher rund 100 auf rund 550 Quadratmeter Fläche. Dadurch wächst auch das Angebot, man biete künftig die komplette Bandbreite der sogenannten Schnittbilddiagnostik. Dazu werde ein Ärztesitz aus Schwäbisch Hall nach Künzelsau verlagert, erläutert Bürgermeister Stefan Neumann. Läuft alles nach Plan, soll die Radiologie noch in diesem Jahr umziehen. Für die DRK-Rettungswache, die aktuell noch im Gebäude untergebracht ist, baut die Stadt ein neues Gebäude auf einer angrenzenden Parkfläche.
Im ersten Obergeschoss soll eine Hausarztpraxis einziehen, mit weiteren Fachärzten sei man in Gesprächen. Das physiotherapeutische Angebot soll erweitert werden, Frühförderstellen, Logopädie und Ergotherapie sollen Platz finden, ebenso wie ein Kindergarten speziell für Kinder von Eltern, die in Gesundheitsberufen arbeiten, mit entsprechenden Öffnungszeiten. Dafür wird auch draußen im Innenhof ein Spielbereich geschaffen.
Im zweiten Obergeschoss ist eine erweiterte Kurzzeitpflege mit 27 Plätzen vorgesehen, außerdem eine Praxisklinik mit einer ambulanten OP-Sektion für niedergelassene Vertragsärzte. Eingriffe könnten hier Dinge wie Leistenbrüche oder Narbenkorrekturen sein, erläutert die Stadt beim Rundgang durch das Gebäude. Weitere einzelne Räume sind für Beratungsangebote, wie Suchtberatung, geplant.
Auch die Kliniken in Brackenheim und Möckmühl waren von Schließung betroffen
Möckmühl sieht positive Entwicklung des Klinik-Areals
„Das gesamte ehemalige Krankenhaus-Areal wurde zwischenzeitlich von einem Investor erworben und überplant“, erklärt Möckmühls Bürgermeister Simon Michler. „Konkret ist vorgesehen, dass über den Betreiber Inter Pares zeitnah rund 100 Pflegeplätze entstehen. Ergänzend dazu sollen in zwei Bauabschnitten über 50 Wohnungen im Bereich Betreutes Wohnen realisiert werden.“
Darüber hinaus sei die Entwicklung eines neuen Wohnquartiers mit etwa 80 Wohneinheiten geplant, das unter anderem auch Wohnraum für Pflegepersonal schaffen solle. Streng genommen medizinisch geht es hier also nicht weiter, aber das Areal könne, so Michler, „einen wichtigen Beitrag zur sozialen Infrastruktur und zur Wohnraumentwicklung in Möckmühl leisten“.
Auch der Verlust des Möckmühler Krankenhauses wiegt schwer
Unabhängig von den positiven Perspektiven für das Areal und der weiterhin stabilen haus- und fachärztlichen Versorgung sei der Verlust des Krankenhauses aber nach wie vor „ein schwerer Schlag“ und habe zum Wegfall der stationären Versorgung „und zu einer grundlegenden Veränderung der medizinischen Versorgungsstruktur im nördlichen Landkreis Heilbronn“ geführt.
Zusätzlich musste Möckmühl 2023 die Schließung der Notfallpraxis verschmerzen. Vor diesem Hintergrund habe sich die Struktur der Gesundheitsversorgung seither deutlich verschlechtert. Gleichzeitig betont Michler das Positive: „Möckmühl verfügt weiterhin über eine sehr gute hausärztliche Versorgung sowie mehrere Facharztangebote direkt vor Ort. Zudem besteht mit der Rettungswache des DRK eine verlässliche Notfallstruktur. Beide Einsatzfahrzeuge sind rund um die Uhr verfügbar.“
Das ehemalige Krankenhaus Möckmühl. Auf dem Areal soll unter anderem ein Pflegeheim entstehen.
Foto: Gajer\, Simon
SLK-Sprecher Matthias Burkhardt resümiert: Man habe in Möckmühl ein zum SLK-Verbund gehörendes MVZ für Allgemeinmedizin sowie Kinder- und Jugendheilkunde. Zudem finde sich dort eine eigenständige chirurgisch-orthopädische Praxis sowie ein hochmoderner OP-Saal, der bei Bedarf niedergelassenen Ärzten für Operationen zur Verfügung gestellt werden könne. Hinzu kämen weitere Therapie- und Gesundheitsangebote.
Nachnutzung für Brackenheimer Klinik-Gebäude noch ungewiss
In Brackenheim befindet sich das alte Krankenhaus nach wie vor im Besitz der SLK-Klinken Heilbronn GmbH. „Die Stadt hatte bis Ende des vergangenen Jahres Teilflächen als Notunterkunft für Geflüchtete angemietet, die wir wieder frei gemacht haben“, sagt Steffen Heinrich, Pressesprecher der Stadt Brackenheim. „Für die vorübergehende Einrichtung einer Kita werden von uns derzeit noch Räume im ehemaligen Bettentrakt in Anspruch genommen.“
Gesundheitsversorgung in Brackenheim verschlechtert sich – aber nicht per se
Was die Zukunft des Areals angehe, sei man mit den SLK-Kliniken im Austausch. Das konkretisiert auch SLK-Sprecher Burkhardt nicht weiter. Er verweist jedoch auf andere Angebote, die man in Brackenheim unterhalte: „die geriatrische Rehaklinik, zudem ein orthopädisch-chirurgisches Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ)“. Das Gesundheitszentrum in Brackenheim ist darüber hinaus seit September 2020 in Betrieb und vereint den Rettungsstützpunkt des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), eine Praxis für Physiotherapie und die Psychiatrische Institutsambulanz, getragen vom Klinikum am Weissenhof, sowie den Pflegestützpunkt des Landkreises Heilbronn.
Über die Zukunft des früheren Brackenheimer Klinik-Gebäudes laufen noch Gespräche zwischen den SLK-Kliniken und der Stadt.
Foto: Berger\, Mario
Die Stadt bestätigt: „Die ambulante allgemein- und fachärztliche Versorgung in unserer Stadt können wir aktuell als gut bezeichnen.“ In den vergangenen Jahren seien dank des Engagements der handelnden Akteure in Kooperation mit der Stadt einige Praxisneugründungen und Nachfolgeregelungen gelungen. Allerdings habe die Schließung des Krankenhauses und zuletzt auch der Notfallpraxis 2025 „eine Lücke in die stationäre Versorgung und die Notfallversorgung der Menschen in unserer Region gerissen“, so Steffen Heinrich.
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