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Babylotsin hilft Müttern in Öhringen nach Geburt – Zukunft des Projekts ungewiss

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Seit fünf Jahren unterstützt Babylotsin Catharina Kochendörfer Mütter nach der Geburt am Klinikum in Öhringen. Ab April wird das Projekt wegen fehlender Mittel pausiert – obwohl der Bedarf groß ist.


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Catharina Kochendörfer begleitet Frauen in einem ihrer verletzlichsten Momente: direkt nach der Geburt. Die 36-Jährige unterstützt als Babylotsin am Hohenloher Krankenhaus in Öhringen, vermittelt bei Bedarf an Beratungsstellen, hilft bei Krisen oder hört einfach zu.

Doch ab dem 1. April pausiert das erfolgreiche Präventionsprojekt auf unbestimmte Zeit. Denn die Finanzierung ist unsicher – obwohl der Bedarf steigt.

Babylotsin hilft am Hohenloher Krankenhaus – „ich war oft überrascht“

Kochendörfer, angestellt bei der Caritas Heilbronn‑Hohenlohe, ist seit fünf Jahren mehrmals pro Woche vor Ort und besucht Mütter auf der Station, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. „Ich will einen Raum schaffen, dass Frauen offen darüber reden können, wenn es ihnen nach der Geburt schlecht geht.“ Die Gründe reichen vom gesellschaftlichen Druck auf Mütter, schnell wieder körperlichen Idealen zu entsprechen, über psychische Belastungen, Überforderung bis hin zu Zukunftsängsten.

Die Stiftung „SeeYou“ hat vor fast 20 Jahren den Dienst „Babylotse“ in Hamburg ins Leben gerufen. Ziel ist, frühzeitig Belastungen zu erkennen, passende und wohnortnahe Hilfsangebote zu finden und Familien zur Inanspruchnahme zu motivieren. Mehr als 120 Projekte wurden in 13 Bundesländern aufgebaut. Babylotsinnen stehen für rund 20 Prozent der Geburten in Deutschland zur Verfügung. In Öhringen wurde das Angebot mit der Caritas Heilbronn-Hohenlohe initiiert.

„Ich war oft überrascht, wenn ich in ein Familienzimmer kam und der Vater zwar da war, sich dann aber herausstellte, dass die Mutter alleinerziehend sein wird.“ Eine Tendenz, die Kochendörfer in den letzten Jahren immer öfter beobachtet habe. Nicht immer sei auf den ersten Blick klar, dass Hilfsbedarf besteht. Ganz generell fehle dem Personal in Krankenhäusern für psychosoziale Beratung oftmals die Zeit.

Babylotsin in Öhringen macht „Arbeit aus Leidenschaft“

Kochendörfer hat mit mehr als 1500 Wöchnerinnen und Familien gesprochen, mehr als 700 von ihnen brauchten konkrete Beratung. „Ich mache diese Arbeit aus Leidenschaft“, sagt sie. Sie wisse aus eigener Erfahrung, wie es sich anfühlt, nach der Geburt niemanden zu haben. „Ich hätte mir damals ein Angebot wie dieses sehr gewünscht.“

Die 36-jährige Catharina Kochendörfer ist seit fünf Jahren Babylotsin am Hohenloher Krankenhaus in Öhringen. Das Projekt wird dort ab April trotz Bedarfs pausiert.
Die 36-jährige Catharina Kochendörfer ist seit fünf Jahren Babylotsin am Hohenloher Krankenhaus in Öhringen. Das Projekt wird dort ab April trotz Bedarfs pausiert.  Foto: privat

Die 36‑Jährige unterstützt am Klinikum in Öhringen auch vielen Familien mit Migrationshintergrund. Gibt es Sprachprobleme, hilft sie beim Ausfüllen von Anträgen, etwa für die Geburtsurkunde. Viele Begegnungen bleiben ihr im Gedächtnis. Etwa die mit einer jungen Frau, die glaubte, nie Kinder bekommen zu können. „Für sie war die Geburt ihres Babys wie ein Wunder. Sie war überglücklich.“ Kochendörfer vermittelte ihr kurzfristig eine Hebamme für das Wochenbett.

Babylotsin-Angebot in Öhringer Klinik – Präventionsprojekt wird ausgesetzt

Ab April wird das Angebot am Öhringer Klinikum auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Die Caritas Heilbronn-Hohenlohe teilt mit, sie sehe sich „vor dem Hintergrund eingestellter finanzieller Förderung und mutmaßlich anstehender weiterer Kürzungen“ dazu gezwungen. Die Finanzierungslücke könne sie aus Eigenmitteln nicht schließen. Das Babylotsen-Angebot in Bad Mergentheim sei 2026 hingegen gesichert.

Der Deutsche Caritasverband und die Stiftung „SeeYou“ haben die Bundesregierung dazu aufgefordert, eine gesetzliche Grundlage für die Finanzierung von Lotsendiensten in Deutschlands Geburtskliniken zu schaffen, teilt Friederike Rieg von „SeeYou“ auf Stimme-Nachfrage mit. Annette Wenk, Sprecherin der Caritas Heilbronn-Hohenlohe, sagt, dass es im Rahmen der Landtagswahl in Baden-Württemberg einen Austausch mit Politikern gegeben habe. „Wir hoffen, dass die neue Landesregierung für eine verlässliche Finanzierung sorgen wird.“

Dass politische Sparmaßnahmen immer wieder soziale Projekte treffen, bedauert Kochendörfer. „Gerade Prävention dämmt spätere hohe Kosten stark ein.“ Die 36-Jährige hofft, dass dieses Bewusstsein in der Politik ankommt – und dass das Babylotsen-Angebot am Hohenloher Krankenhaus finanziell gesichert und wieder aufgenommen werden kann. Ab April wird sie in einem anderen Bereich der Caritas in Heilbronn eingesetzt.

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