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Betriebsstart am 1. Oktober: Das erwartet die Patienten im neuen Hohenloher Krankenhaus

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Kurze Wege sind das A und O. Alle Abläufe orientieren sich an den Bedürfnissen der Patienten. Das genaue Leistungsspektrum steht erst im Januar 2027 fest. Klar ist: Die vertraglich garantierte Bauzeit wurde überschritten. Dafür sorgte auch ein massiver Wasserschaden. Jetzt muss geklärt werden: Wer ist für was verantwortlich? Wer muss was bezahlen?  

Der Neubau des Hohenloher Krankenhauses in Öhringen soll bis 25. Juli so weit fertiggestellt sein, dass sich die Bürger beim Tag der offenen Tür ein erstes Bild von dem Gebäude machen können. Der Betrieb soll am 1. Oktober starten.
Der Neubau des Hohenloher Krankenhauses in Öhringen soll bis 25. Juli so weit fertiggestellt sein, dass sich die Bürger beim Tag der offenen Tür ein erstes Bild von dem Gebäude machen können. Der Betrieb soll am 1. Oktober starten.  Foto: Reichert, Ralf

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Seit einer Woche steht fest: Der Betrieb im Neubau des Hohenloher Krankenhauses in Öhringen (Hohenlohekreis) startet am 1. Oktober. Am 25. Juli können die Bürger einen ersten Blick in das Gebäude werfen: Dann wird es einen Tag der offenen Tür geben, bevor das Klinikmanagement die Sommerferien für den Umzug und Testläufe nutzt.

Was erwartet die Patienten in dem dreigeschossigen Bau in der Kastellstraße? Die federführende BBT-Gruppe bestätigt die bisherigen Pläne, nachdem es zuletzt immer wieder bauliche Verzögerungen und offene Fragen bezüglich der Klinikreform gegeben hat. „Im Erdgeschoss befindet sich das Diagnostik- und Ambulanzzentrum: neben der interdisziplinären Notaufnahme ist hier die radiologische Diagnostik mit MRT, CT und konventionellem Röntgen konzentriert“, schreibt Sprecherin Ute Emig-Lange. Direkt angedockt sei die „internistische Funktionsdiagnostik mit EEG, Herz-Echo, ERCP, Sonographie und Endosonographie“.

Das erste Obergeschoss sei ganz auf operative Eingriffe und deren Überwachung sowie die Intensivmedizin ausgerichtet: „Mehrere moderne Operationssäle, dazu das Herzkatheterlabor und die Überwachungsstation für Herzinfarkt- und Schlaganfallpatienten, liegen in enger Verbindung nebeneinander.“ Hinzu kämen vier Kreißsäle für die Geburtshilfe. Das zweite und dritte Stockwerk sei ganz der Pflege der stationären Patienten gewidmet. „Im Neubau wird es nur noch Ein- oder Zweibettzimmer geben. Alle Patientenzimmer haben große Fenster für viel Tageslicht und verfügen jeweils über ein eigenes Bad mit Dusche und WC.“

Von Beginn an betonte die Klinikleitung, das Krankenhaus sei „komplett um die Bedürfnisse der Patienten geplant“ worden. Kurze Wege seien das A und O. Daran hat sich nichts geändert, auch wenn der Betriebsstart nun eineinhalb Jahr später erfolgt, als beim Spatenstich Ende März 2022 verkündet worden war. Immer wieder kam es während der Bauzeit zu Verzögerungen. Es gab Lieferengpässe wegen Materialknappheit, der Handwerkermangel verschärfte die Lage weiter, für manche Gewerke die passenden Firmen zu finden, war schwer. 

Der Bundestag hat die Reform der Klinikreform am 6. März beschlossen. Die Bundesländer haben etliche Verbesserungen durchsetzen können, sie sind weiterhin für die Krankenhausplanung zuständig. Es soll mehr Ausnahmen und Übergangsregelungen geben: vor allem für kleinere Kliniken im ländlichen Raum. Die Hohenloher Krankenhaus gGmbH verhandelt seit Monaten mit dem Sozialministerium. 

Bis 15. November konnten die Kliniken melden, was sie anbieten wollen. Im Zentrum stehen 61 Leistungsgruppen, die das Land den Krankenhäusern zuweisen wird. Nur so ist eine Abrechnung mir den Krankenkassen möglich. Am 1. Januar 2027 sollen die Leistungsgruppen final verteilt werden. Die Hohenloher Krankenhaus gGmbH hat mehr oder weniger das bestehende Leistungsspektrum geltend gemacht. Dies umfasst die Innere Medizin, die Chirurgie, die Intensiv- und Notfallmedizin sowie die Gynäkologie und Geburtshilfe. Außerdem soll der altersmedizinische Bereich – also die Geriatrie – ausgebaut werden.

Ein wichtiger Baustein des Gesamtkonzepts sind verstärkte Kooperationen mit den umliegenden (und größeren) Krankenhäusern in Heilbronn, Bad Mergentheim und Schwäbisch Hall, die mehr und speziellere Leistungen vorhalten. Grundsätzlich bleibt die Öhringer Klinik ein vollwertiges Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung.

Hinzu kam, dass die Firma Vamed, hauptverantwortlicher Generalübernehmer des gesamten Bauprozesses, in finanzielle Schieflage geriet. Zwar wurde versichert, dass sich dies nicht negativ auf das Öhringer Klinikprojekt auswirke und der neue Krankenhaustrakt vernünftig zu Ende gebaut werde. Nur: Genauso wichtig ist, was in den fünf Jahren nach der Übergabe passiert. So lange hat die BBT-Gruppe Ansprüche auf Gewährleistung, wenn etwas kaputt gehen sollte. Alles ist vertraglich fixiert und garantiert. Genauso wie die maximalen Baukosten von 100 Millionen Euro sowie die Bauzeit. Letztere ist auf jeden Fall klar überschritten worden. Was dies für Vamed bedeutet? Unklar. Zuletzt wurde beteuert, dass die Baukosten eingehalten würden. Etwa indem Pläne nochmals angepasst und Sparpotenziale in medizinisch unbedenklichen Bereichen gehoben wurden.

Im Dezember folgte eine Hiobsbotschaft. Die BBT-Gruppe meldete einen massiven Wasserschaden. Damit war klar: Der geplante Betriebsstart am 1. März ist dahin. Und deutliche Mehrkosten sind dadurch wohl nicht zu vermeiden. Dann hörte man lange nichts mehr vom Klinik-Management. Auch auf mehrmalige HZ-Anfragen war zu den genauen Gründen und den Reparaturen nichts zu erfahren. Bis am 6. März eine Pressemitteilung veröffentlicht wurde, in der stand, dass die Folgen des Wasserschadens fast vollständig behoben seien. Klar herauszulesen war ferner, dass immer noch „letzte Baumaßnahmen“ anstünden und man einen „verlässlichen Fahrplan“ bis zur finalen Übergabe anstrebe.  

Auch wenn offiziell nichts nach außen dringt, dürfte klar sein, dass die aktuellen Verhandlungen zwischen der BBT-Gruppe und Vamed äußerst heikel sind. Wer ist für was verantwortlich? Wer muss was bezahlen? Diese Fragen bergen viel Konfliktstoff. Das gilt wohl nicht nur für den akuten Wasserschaden, sondern auch für den bereits davor verschleppten Bauprozess. Nach aktuellem Stand wird der Neubau „spätestens im zweiten Quartal“ übergeben: also zwischen April und Juni. 

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