Warum Alibaba für Klaus Gehrig schlimmer als Aldi ist

Heilbronn/Neckarsulm  Klaus Gehrig, Konzernchef der Schwarz-Gruppe, erzählte an der DHBW Heilbronn von den drängenden Themen bei Lidl und Kaufland - vom Online-Lebensmittelhandel über das Bio-Sortiment bis zum neuen Discounter Mere in Leipzig. Auch seine Nachfolge sprach er an.

Von Heiko Fritze

Warum Alibaba für Klaus Gehrig schlimmer als Aldi ist
Klaus Gehrig, Konzernchef der Schwarz-Gruppe, hat sich den Fragen von Professor Stephan Rüschen gestellt - und dabei kein Blatt vor den Mund genommen. Foto: DHBW

Klaus Gehrig nimmt kein Blatt vor den Mund. Offen antwortet er auf alle Fragen, die ihm Stephan Rüschen stellt. Zusammen mit dem Professor für Lebensmittelhandel an der DHBW Heilbronn hat sich der Konzernchef der Schwarz-Gruppe auf die Bühne gesetzt, um die vierten Retail Innovation Days der Hochschule zu eröffnen.

Dabei spart Rüschen mit seinen Fragen kein unangenehmes Thema aus. Etwa den Onlinehandel mit Lebensmitteln, aus dem sich Kaufland und Lidl ja wieder zurückgezogen haben. Klaus Gehrig rechtfertigt das mit den hohen Kosten - 250 bis 300 Millionen Euro im Jahr. "Wir waren gefühlt vom System her die Besten", sagt er. "Aber der Verlust war uns einfach zu viel. Lasst uns das dann machen, wenn wir stärker den Rücken freihaben - am Ende muss ja das operative Geschäft die Kosten erwirtschaften." Die Schwarz-Gruppe sei hier ein wenig von Über-Ehrgeiz getrieben worden, räumte Gehrig ein. "Wir hätten uns nur auf eine Stadt konzentrieren sollen, statt in immer mehr Märkten zu starten." Aber der Markt in Europa sei ja noch nicht verteilt. "Nicht der Schnellste wird erfolgreich sein. Man muss dran bleiben - aber da läuft uns nichts weg." Wobei auch klar sei: "Wir werden nie ein Amazon oder Alibaba werden."

Amazon und Alibaba bereiten Sorgen

Die beiden Onlinehandels-Riesen bereiten Gehrig gleichwohl enorme Sorgen. Sie seien auch der Grund, warum Lidl und Kaufland mit einem hohen Mindestlohn vorgeprescht seien - damit solle also nicht etwa die stationäre Konkurrenz geschwächt werden, betonte er. Demnächst werde das Einstiegsgehalt bei Lidl bei 2000 Euro liegen, kündigte der Konzernchef an. Diese Rahmenbedingungen müssten aber überall herrschen, forderte er - auch bei den Online-Riesen. "Amazon macht alles platt, wenn wir es zulassen", warnte Gehrig. "Unsere Politiker unterschätzen das. Und noch viel schlimmer ist Alibaba." Hier müssten unbedingt gleiche Wettbewerbsverhältnisse hergestellt werden.

Der ewige Kampf mit Aldi Süd

Andere Konkurrenten werden gelassener beobachtet. Etwa Aldi Süd: "Ich hatte schon Sorgen, als auch Aldi in das Geschäft mit Markenartikeln eingestiegen ist", räumte Gehrig ein. Aber weder beim Umsatz noch beim Ergebnis der Lidl-Filialen in der Region von Aldi-Süd habe es nennenswerte Rückgänge gegeben. "Wir brauchen Aldi", sagt Gehrig nun. Und zwar als Innovationstreiber: "Wenn es Aldi nicht gäbe, wäre auch Lidl eingeschlafen." Der russische Discounter Mere hingegen, der gerade in Leipzig seine erste Filiale eröffnet hat, ist aus Gehrigs Sicht noch nicht gefährlich. "Wir können nicht erkennen, dass er uns Umsatz gekostet hat", erzählt er. "Wir müssen ihn beobachten. Aber momentan sieht das nicht nach etwas Langlebigem aus."

Naturkostläden sind preislich "Apotheke plus"

Daher vergleicht der Manager weiter am liebsten Lidl mit Aldi. Auch bei Bio: Da seien die Mühlheimer schneller gewesen, während Lidl einen ersten Versuch abbrach. "Wir hatten keine Geduld. Das war ein Fehler", sagt Gehrig nun. Dabei seien Discounter nötig, um Bio-Ware in der breiten Masse der Käufer zu etablieren. Zumal die Preise der Naturkostläden unverhältnismäßig hoch seien. "Wenn man eine Apotheke als teuer bezeichnet, würde ich einen Bioladen Apotheke plus nennen."

Vertrag verlängert, Nachfolge besprochen

Und er selbst? Immerhin schon 70 Jahre alt, immer noch ohne Computer, nur mit Handy ausgestattet, bestätigt Gehrig, dass sein Vertrag als Chef des Konzerns verlängert worden ist. Die Nachfolge sei aber auch schon eingeleitet, ohne dass er Namen nennen wollte. Stellvertretend fungierten ja schon die vier Vorstandsvorsitzenden der Konzernsparten. Doch er werde gerne noch einige Jahre weitermachen. Schließlich sei er mit dem Job sehr zufrieden: "Wenn ich wieder auf die Welt komme: Ich mache das gleiche wieder. Ich würde den gleichen Inhaber aussuchen und die gleichen Führungspositionen." Nichts sei schließlich spannender als der Handel.

 


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