"Die Rolle des Lehrers wandelt sich"

Öhringen  Alexander Biller vom Öhringer Schulmöbelhersteller Hohenloher über digitale Schule.

Von Manfred Stockburger
"Die Rolle des Lehrers wandelt sich"

Während die Politik vergangene Woche in Berlin den Weg für den Digitalpakt Schule freigemacht hat, gab die Fachmesse Didacta in Köln einen Ausblick, wie das Lernen der Zukunft aussehen könnte. Mit dabei war der Öhringer Schulmöbelhersteller Hohenloher. Die Firma stellte ihr neues Raumkonzept Makerspace vor, das zeigen soll, wie Digitalisierung in der Schule sinnvoll umgesetzt werden kann. Stichworte sind hier fächerübergreifendes Lernen, phänomenbasiertes Ausprobieren, Robotics und Augmented Reality. Marketingleiter Alexander Biller erläutert das Konzept.

 

Mit dem Konzept für naturwissenschaftliche Räume greifen Sie ein Trendthema auf. Aber welche Rolle spielen Stühle in Physik oder in Bio?

Alexander Biller: Unterricht wird zukünftig fächer- oder gar jahrgangsübergreifend angelegt sein. Das bedeutet, dass vor allem in den Mint-Fächern eine flexible Einrichtung mit mobilen Stühlen und Tischen eine wichtige Rolle spielt. Unser Deckensystem beispielsweise ermöglicht die dazu benötigte Medienbereitstellung überall im Raum. Wenn man nun unterschiedlichste pädagogische Settings, wie Arbeiten in Kleingruppen, Großgruppen, Seminaranordnung oder Frontalunterricht umsetzen möchte, braucht es auch Stühle und Tische, die schnell und von Schülern eigenständig umgestellt werden können.

 

Müsste Hohenloher angesichts der Digitalisierung nicht eigentlich zum Software-Hersteller werden?

Biller: Software für Schulverwaltungen oder für interaktives Lernen gibt es wie Sand am Meer. Für uns sind die Schnittstellen entscheidend - und die beherrschen wir. Wir wollen Raumlösungen bereitstellen, die die Digitalisierung im Unterricht willkommen heißen. Und natürlich bauen wir auch Displays oder interaktive Beamer in unsere Tafelanlagen ein.

 

Welche Möglichkeiten haben Sie, interaktives Lernen durch Mobiliar zu unterstützen?

Biller: Indem wir die gesamte Ausstattung des Klassenzimmers flexibel und modular gestalten. Agiles und digitales Lernen braucht sich ständig anpassbare Lernräume, stets mit der Möglichkeit, die aktuellen digitalen Endgeräte wie Handys, Tablets, Displays, Dokumentenkameras anzudocken. Dies erreichen wir über Schnittstellen wie Strom, Ethernet, HDMI, WLAN und über die passenden Aufbewahrungsmöglichkeiten. Equipment für Coding und Robotics plus 3D-Drucker und Cutter sowie ausreichend Experimentiermaterial ergänzen die Ausstattung.

 

In Karlsruhe haben Sie das Konzept schon umgesetzt. Was sagen denn die Schüler zum Makerspace?

"Die Rolle des Lehrers wandelt sich"

Biller: Schauen Sie in die Augen der Schüler - die sagen alles. In der Ernst-Reuter-Schule werfen die Fachlehrer ihre Stunden für Informatik, Naturwissenschaften und Mathematik in einen Topf und gestalten einen fächerübergreifenden, phänomenbasierten Unterricht, der Spaß macht. Diese neue Art des co-kreativen Lernens begeistert; da hätte selbst ich wieder Lust in die Schule zu gehen. Die Schüler leben in diesem inspirierenden Raum selbstorganisiertes Lernen und tauchen selbstvergessen in ihre Projekte ein. Entscheidend für den Erfolg ist ein gutes medienpädagogisches Konzept.

 

Und die Lehrer? Gibt es da keine Berührungsängste?

Biller: Natürlich müssen die Lehrer bereit sein, ihre Einstellung und Arbeitsweise zu öffnen. Der Schulleiter der Ernst-Reuter-Schule hat es schön gesagt: Es ist eine Frage der Haltung. Klassische Unterrichtsmaterialien und Overheadfolien finden hier keinen Platz mehr. Unterrichtskonzepte müssen neu entwickelt werden. Die Rolle des Lehrers wandelt sich radikal - bisher war er Wissensvermittler, jetzt wird er zum Lernbegleiter und Ermöglicher. In einer digitalen Welt ist Wissen zu jederzeit verfügbar. Es geht deshalb darum, Kompetenzen zu entwickeln.

 

Spiegeln sich die neuen Ideen schon im Auftragseingang wider?

Biller: Wir haben den Hohenloher Makerspace und damit die neuen Ideen auf der Didacta erstmalig präsentiert. Das Interesse war enorm. Was das konkret an Auftragseingang bedeutet, können wir aber erst in den nächsten Monaten beantworten. Die Vorlaufzeit von Projekten beträgt im Normalfall drei bis 18 Monate. Im öffentlichen Bereich ist der Beschaffungsprozess recht langwierig. Wir sind guter Dinge, dass wir mit dem Hohenloher Makerspace einen Trend gesetzt haben und wir unserem Ruf als Innovationsführer in der Bildungsbranche gerecht werden.


Zur Person

Alexander Biller (42) ist Marketingleiter und zugleich einer der kreativen Köpfe des traditionsreichen Öhringer Schulmöbelherstellers Hohenloher, der seit 2014 zum Wangener Waldner-Konzern gehört. Mit dem Makerspace möchte das Unternehmen wieder ein eigenständiges Konzept vorantreiben. Vor allem in Öhringen beschäftigt das Unternehmen aktuell etwa 250 Mitarbeiter. 

 
 

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