In Deutschland finden jährlich mehr als 2500 Weihnachtsmärkte statt. Sie stehen in diesem Jahr überall im Zeichen von Sicherheitskonzepten. Absagen gab es aber bisher nur wenige. Betroffen sind dabei kleinere lokale Märkte. Dabei sind die Gründe oft vielfältig. In den Großstädten sind bisher keine Ausfälle. So gehen allein in Berlin über 60 Märkte über die Bühne. Auch die traditionsmärkte in Leipzig, Dresden, Nürnberg, Frankfurt, Köln und Hamburg finden statt.
Abwehrpoller für Heilbronner Weihnachtsmarkt: Kosten laufen aus dem Ruder
Die Kosten für den Heilbronner Käthchen-Weihnachtsmarkt laufen trotz Verkleinerung der Fläche aus dem Ruder. Die Stadt hinkt bei Erstellung eines Sicherheitskonzepts hinterher. Bleibt der sorgenvolle Ausblick auf den Pferdemarkt im Februar.
Weihnachtsmärkte gelten in Deutschland als besonders gefährdete Anschlagsziele, seit der Islamist Anis Amri am 19. Dezember 2016 mit einem gestohlenen Lastwagen auf den Berliner Breitscheidplatz fuhr und zwölf Menschen tötete. Der Anschlag von Taleb al-Abdulmohsen auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt im vergangenen Jahr mit sechs Toten hat die Sicherheitsdiskussion zusätzlich befeuert, auch in Heilbronn.
Am 23. Oktober hat der Gemeinderat beschlossen, 250.000 Euro in das Sicherheitskonzept für den Käthchenweihnachtsmarkt zu stecken, um die Zufahrtsmöglichkeiten auf dem Veranstaltungsgelände mit zertifizierten Abwehrpollern zu bestücken. Doch die Entscheidung wirft Fragen auf.
Sicherheit auf dem Heilbronner Weihnachtsmarkt: Hohe Kosten für geliehene High-Tech-Poller
Denn die in der Schweiz hergestellten Zufahrtssperren, die den Schutz vor Anschlägen mit Fahrzeugen garantieren sollen, sind nur geliehen und das inzwischen bereits zum dritten Mal in Heilbronn. Schon beim Lichterfest hatte die Heilbronn Marketing GmbH die zertifizierten High-Tech-Poller ausgeliehen – und für Gesamtkonzept rund 150.000 Euro ausgegeben. Beim Weindorf im September beliefen sich die Kosten auf rund 200.000 Euro.

„Das Heilbronner Ordnungsamt hat die zertifizierten Elemente empfohlen“, begründet HMG-Chef Steffen Schoch die Entscheidung. Bindend ist das nicht. „Vom baden-württembergischen Innenministerium gibt es keine inhaltlichen Vorgaben, wie Veranstaltungen zu schützen sind“, beklagt Schoch. In den Jahren zuvor hatte die Stadt bei Veranstaltungen Betonsperren und Lastwagen an den Einfahrtsstellen aufgebaut.
Heilbronner Stadtverwaltung hat Sicherheitskonzept in Auftrag gegeben
Die Stadtverwaltung hat inzwischen bei einem zertifizierten Planungsbüro ein allgemeines Sicherheitskonzept für Heilbronn in Auftrag gegeben, das zeigen soll, wie zentrale Plätze dauerhaft geschützt werden können. Wann das Konzept vorliegt und was es kostet, sagt die Stadt nicht. Deshalb wird die HMG für den Weihnachtsmarkt mit den genehmigten Zusatzgeldern erneut Zufahrtssperren leihen. Die Kosten liegen in diesem Fall bei mindestens 250.000 Euro.
Da der neue Schutz für den Käthchen-Weihnachtsmarkt ursprünglich gar mit 430.000 Euro veranschlagt war, wurde erstmals die Marktfläche verkleinert. Die Sülmerstraße fällt als Standfläche weg, dafür wird der Rathausinnenhof genutzt, genauso wie die Fläche am Käthchenhof. Dafür weicht der Wochenmarkt in den Bereich Hafenmarkt und Sülmerstraße aus. „Uns gelingt es, sämtliche Stände mit Verträgen auf der neu zugeschnittenen Fläche unterzubringen“, verspricht Schoch.
Warum kauft die Stadt Heilbronn keine eigenen Sperren?
Dabei wird längst die Frage nach einer nachhaltigeren Lösung laut – zum Beispiel den Kauf der Sperren. Das hätte den Vorteil, dass sie teilweise fest installiert und die mobilen Poller bei allen Festen verwendet werden könnten. Die Verwaltung wollte jedoch zunächst die Fertigstellung des Gesamtkonzepts abwarten. „Inzwischen gibt es die Teile wegen der hohen Nachfrage auch kaum noch am Markt“, sagt Steffen Schoch.
Auf die Frage nach vorausschauenderer Planung sagt der HMG-Chef: „Es ist für mich extrem schwierig und unangenehm, wenn ich die enormen Kostenexplosionen sehe.“ Die Stadt äußert sich auf Anfrage nicht.
Teure Sicherheitsmaßnahmen: Sorgenvoller Blick auf den Heilbronner Pferdemarkt
Bleibt der sorgenvolle Ausblick auf den Pferdemarkt, der bereits Ende Februar auf dem Riesengelände zwischen Harmonie und Oststraße stattfinden soll. Legt man die bisher aufgerufenen Kosten für die Sicherheit auf den Krämermarkt mit 300 Ständen, Funpark und Ausstellungsgelände um, kommt man leicht auf die Summe von 500.000 Euro. „Entweder wir führen den Pferdemarkt in kleinerem Rahmen durch, oder an anderer Stelle oder wir setzen mal aus, bis sich die Lage beruhigt“, schlägt Schoch vor.
„Der Pferdemarkt muss stattfinden“, hält Stadträtin Marianne Kugler-Wendt dagegen. Sie sieht die Stadt in der Pflicht. „Wir brauchen ein schnelles Konzept, das klar macht, welche Sicherheitsmaßnahmen wir brauchen und was diese kosten“, betont die SPD-Rätin.
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Stimme.de
Kommentare
Werner Würz am 31.10.2025 13:06 Uhr
Hallo,
wäre es nicht ratsam gewesen, sich Sperren mit anderen Städten zu teilen?
Für den Pferdemarkt wäre das bestimmt eine gute Möglichkeit.
Für die Weihnachtsmärkte wird das sicher schwieriger, da diese eben zahlreich durchgeführt werden.
Seither hat man sich mit LKW-Sperren beholfen.
Davon gibt es sicher genügend in der Stadt. Notfalls könnte man 2 LKW hintereinander stellen.
Ergänzend notfalls Polizeikrallen.
am 31.10.2025 08:04 Uhr
So weit ist es gekommen. Das Ziel einiger Irren ist erreicht. Kein Fest, keine Veranstaltung und keine öffentliche Veranstaltung soll mehr sicher sein. Alle Schutzsuchenden die vor Terror und Mord zu uns kamen und keine Tötungsabsichten haben sind ebenso die Leidtragenden.
Kein noch so gut zertifiziertes Sicherheitskonzept für Millionen Euro wird uns vor diesen einzelnen Wahnsinnigen schützen können wenn sie den Menschen die Ihnen Zuflucht gewähren ein Messer zwischen die Rippenbögen stecken wollen. Einzig das Gewissen der Verantwortlichen wird zu Lasten des Steuerzahlers geschützt um sagen zu können:“ Wir haben alles getan was in unserer Macht steht“.
Lasst uns warten bis sich die Lage beruhigt hat! Endlich einmal ein preiswerter Vorschlag eines Verantwortlichen. Ich hätte da ein paar andere Vorschläge gehabt und zwar schon vor 10 Jahren.
Übrigens profitiert die Auflagenstärke eines journalistischen Mediums ganz stark davon, wenn sie einen öffentlichen Diskurs in ihrer Kommentarspalte zu den üblichen Regeln zulassen würde. Und zwar Zeitnah und nicht durch einen halben Meter Anzeigen geschützt. Siehe die Welt. Dort freuen sich die Autoren über eine rege Beteiligung.
Jürgen Mosthaf
Thomas Gaukel am 30.10.2025 20:12 Uhr
Irgendwann muss man sich wahrscheinlich auch damit abfinden. Nachdem man Milliarden von Euro in Security in z.B. auf Flughäfen gesteckt hat, nur damit sich das präferierte Anschlags-Ziel dann auf Weihnachtsmärkte geändert wurde.....
Ob es sich dann lohnt, da weitere Milliarden von Euro reinzustecken, nur damit sich nach dieses Ziels Weihnachtsmärkte zu sichern, sich das präferierte Ziel dann auf andere Bereiche verschiebt in die man bisher noch keine Milliarden Euro zum Schutz investiert hat...