City-Seilbahnen in Heilbronn und Stuttgart – wer baut schneller?
Unnötig oder wegweisend? Die Diskussion um Heilbronns Seilbahnprojekt ist in vollem Gang. Die Branche erhofft sich von der geplanten Anbindung des KI-Parks Ipai ein Referenzprojekt. Doch Stuttgart könnte Heilbronn noch überholen.
Beim Bürgerempfang am Dreikönigstag hat die Stadt Heilbronn zuletzt aktuelle Bilder des Seilbahnprojekts gezeigt. Das Rathaus will sie noch nicht veröffentlicht sehen und hält sich auch ansonsten bedeckt. Etwa zur Frage, wann die geplante Seilbahn mit fünf Haltestellen und 4,7 Kilometern Länge fertig sein soll, um die Innenstadt über den Bildungscampus mit dem neuen KI-Park Ipai in Neckargartach zu verbinden.
Auffällig: Die Seilbahn wurde beim Empfang als wegweisendes Mobilitätsprojekt in den Kontext von Heilbronns Auftritt als Europas Umwelthauptstadt 2027 gerückt. Dass sich bis dahin die Gondeln bewegen, wäre sehr ambitioniert. Einen offiziellen Zeitplan gibt es noch nicht, wohl aber einen Gemeinderatsbeschluss pro Seilbahn und die Unterstüztzung des Landes.
City-Seilbahn: Branche hofft auf Heilbronn als Referenz
Die Branche und insbesondere der Verband Deutscher Seilbahnen setzt auf Heilbronn und hofft darauf, dass das Konzept urbaner Seilbahnen in Deutschland endlich über das Stadium der Absichtserklärungen hinauskommt. Möglicherweise aber gondelt Stuttgart Heilbronn den Rang ab.
In der Landeshauptstadt konkretisieren sich Pläne, das Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) im Norden der Stadt über eine Seilbahn an den Verkehrsknoten Pragsattel, eine viel frequentierte Stadtbahnhaltestelle, anzubinden. Das Krankenhaus liegt auf einem Hügel über Weinbergen, erschlossen über eine chronisch überlastete Straße, die auch in ein benachbartes Wohngebiet führt.

„Ein Krankenhaus muss gut erreichbar sein“, sagt RBK-Geschäftsführer Mark Dominik Alscher im Gespräch mit der Stimme. „Es geht um die Gesundheit der Menschen.“ Und um die Belange der Mitarbeiter, die, wie Alscher berichtet, nur deshalb mit dem Auto zur Arbeit fahren, weil die „letzte Meile“ mit dem Bus zum Arbeitsplatz so lästig ist.
Seilbahn in Stuttgart: Robert-Bosch-Krankenhaus drückt aufs Tempo
Das Krankenhaus hat auf eigene Kosten eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Nach Einschätzung der Experten käme eine Seilbahn an dieser Stelle gerade recht, heißt es in der Studie, die unserer Redaktion vorliegt. „Die Kombination aus Mitarbeitendenverkehr, Patienten- und Besucherströmen sowie die Entlastung von derzeitigen Stau- und Parkproblemen spricht für ein starkes tägliches Fahrgastpotenzial.“

Es würden keine Wohngebäude überflogen. Das ist bei solchen Projekten immer ein wichtiger Punkt. Auch in Heilbronn wird als ein Vorteil gehandelt, dass die Strecke vor allem über Gewerbegebiete führen würde. In Stuttgart favorisieren die Fachleute des Büros Ropeway Project Group eine Trasse mit zwei Stationen, insgesamt 500 Meter lang, also deutlich kürzer als in Heilbronn. Die Kosten werden auf knapp 17 Millionen Euro geschätzt. Für Heilbronn gibt es keine Kostenschätzung. Einen Anhaltspunkt liefert das eben eröffnete Seilbahnprojekt C1 bei Paris. Es ist bei vielen technischen Parametern mit Heilbronn vergleichbar und kostete 138 Millionen Euro.

Auch wenn Stuttgart große finanzielle Probleme hat: RBK-Chef Alscher hofft, dass die Studie Schwung in die Sache bringt. „Wir wären auch bereit, eine Spendenaktion zu starten“, sagt er. Wenn der politische Wille da sei, könnte die Realisierung „eine Sache von Monaten“ sein. Das Krankenhaus baut derzeit im großen Stil Wohnungen für Mitarbeiter neben der Klinik. Fertigstellung: 2027. „Das“, so Alscher, „wäre ein denkbares Ziel.“ Und Stuttgart wäre in dem Fall wohl schneller dran als Heilbronn.
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