Flohmarkt-Inspiration auf der Theresienwiese
"Wir sind selten mit einem genauen Plan hier, sondern schauen einfach, was es so gibt." Flohmarkt-Liebhaber kommen häufig ohne konkrete Idee und gehen mit einer Tasche voller neuer Schätze. Wann der nächste Flohmarkt auf der Theresienwiese in Heilbronn stattfindet.

Aysel Yalcin hat von ihrem Mann Ilyaz gerade einen eher ungewöhnlichen Strauß bekommen – aus Knoblauch. "Wir haben die sauren Gurken gesehen und gedacht, wir schauen mal, was es da noch so gibt", erzählt der Heilbronner, kaum dass er den dicht bedrängten Verkaufswagen mit polnischen Spezialitäten verlassen hat. Zum Zeitvertreib geht die kleine Familie gerne immer mal wieder auf den Flohmarkt auf der Heilbronner Theresienwiese. "Wir sind selten mit einem genauen Plan hier, sondern schauen einfach, was es so gibt." Einfach mal schauen, das scheint die Devise von vielen Besuchern an diesem Tag zu sein.
Schwacher Besuchertag beim Flohmarkt auf der Theresienwiese in Heilbronn

Samstagmittag, der Himmel ist bewölkt. Das ist schon besser als am Tag zuvor, als es ständig regnete, doch das unbeständige Wetter wirkt sich aus. Viele Standflächen bleiben an diesem Wochenende verwaist. Dazwischen tummeln sich zwar einige neugierige Käufer, doch im Vergleich zu anderen Monaten sind das heute auch weniger.
Es ist eine bunte Mischung an Anbietern. Da sind die Profis mit ihren Krämerständen auf der einen Seite und die Privatleute auf der anderen, die ihre Waren auch schon mal einfach auf dem Kies oder Asphalt ausbreiten. Ein junges Pärchen wühlt sich an einem Stand durch die Taschen, aber so richtig überzeugt sie erstmal keine. Ein Mann trägt einen großen Puttenengel davon. "Der ist für den Balkon", erzählt er im Vorbeigehen. Plastik, das wird halten.
Es gibt hier nichts, das es nicht gibt. Ein Händler hat ganze Armadas von Bananenkisten ausgebreitet, in denen sich Lesebrillen für einen Euro, die Packung Unterhemden für 3,50 Euros und jede Menge andere Schnäppchen finden.
Stand mit Werkzeugen
Schräg gegenüber wird Werkzeug feilgeboten. Silbern glitzern die unzähligen neuen Schraubenschlüssel in verschiedenen Größen auf. Haci Tas macht das seit zwölf Jahren nebenbei, das Leben ist teurer geworden, ein Zusatzgeschäft wichtig. "Ich mag selber gern Werkzeug, habe auch ein bisschen Ahnung davon und kann die Leute gut beraten", begründet der Leingartener seine Warenwahl. Es sind Restposten aus verschiedenen Städten, aber auch von der Eisenwarenmesse in Köln, die er anbietet.
"Wir sind froh, wenn das alles mal ausverkauft ist", gibt seine Frau Raziye Harman, mithilft, zu. Heute sei es ruhig. Viele Leute, aber wenige, die kaufen, und wenn, dann vorher viel darüber nachdenken und nach Rabatt fragen. "Früher hatten wir Stammkunden, aber die kommen nicht mehr." Das macht es nicht einfacher, doch besser ein bisschen Zusatzeinkommen als gar nichts. "Es wäre nur schön, wenn die Standgebühren nicht so hoch wären."
Verhandelt wird fast überall, zur Not mit Händen und Füßen. "Mama, Mama, schau mal", rufen zwei Mädchen entzückt, als sie sich durch einen ganzen Tisch voller Haarschmuck wühlen. "Wir haben fast nur Familien als Kunden, ein Reißverschluss für einen Euro, Knöpfe, alles, damit man schnell selber was reparieren kann", erzählt der Händler, als er seine Tische wieder abdeckt. Es hatte kurz geregnet, doch jetzt kommt die Sonne raus, und sofort kommen auch mehr Kunden. Frauen drängen sich dicht an dicht um einen Schmuckstand.
Ein junger Mann prüft eine Sit-up-Bank - und wird sie später nach Hause tragen. Valentina Baitinger hat bisher nur polnische Wurst in ihrer Tüte. "Oft komme ich wegen der her, die ist einfach lecker, aber hauptsächlich zum Schauen", erzählt die Eppingerin. Ab und zu gebe es interessante Sachen, da lohnt die weite Fahrt. "Bei uns gibt es keinen so großen Flohmarkt, in Sinsheim auch nicht."
Eigentlich geht Alois Heilig nur auf den Flohmarkt zum Verkaufen, wenn das Wetter passt. Für den Öhringer ist es ein Hobby, er hat Porzellan, Figuren, Schmuck und mehr dabei, manches aus der Familie, anderes aus Haushaltsauflösungen. Schon als Kind war Alois Heilig mit auf dem Flohmarkt, doch es sei nicht mehr dasselbe. "Die Leute wollen am liebsten alles geschenkt haben." Wie aufs Stichwort wühlt sich eine Frau durch eine Kiste mit Gläsern, ein Euro das Stück, 50 Cent, wenn es mehrere sind. Sie winkt ab und ihr Sohn übersetzt: "Sie dachte, die wären zu verschenken." Da muss der Öhringer grinsen.
Wann findet der nächste Flohmarkt statt?
Der nächste Flohmarkt auf der Theresienwiese ist am 18. und 19. August. Der am Gesundbrunnen macht Pause, solange das Freibad geöffnet hat.



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