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Neue Beratungsstelle für Essstörungen und selbstverletzendes Verhalten eröffnet

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Das Projekt trägt den Namen "MaVie", was im Französischen so viel bedeutet wie "mein Leben". Erst vor kurzem haben zwei Sozialpädagoginnen ihre Arbeit in der Beratungsstelle aufgenommen. Aktion Mensch und die Arbeiterwohlfahrt stützen das Projekt.

von Julian Ruf
Berit Hiddeßen, Stratos Goutsidis, Marie-Teresa Keicher und Judith Weyhing-Müller (von links) vor dem Eingang der Beratungsstelle in der Bismarckstraße.
Berit Hiddeßen, Stratos Goutsidis, Marie-Teresa Keicher und Judith Weyhing-Müller (von links) vor dem Eingang der Beratungsstelle in der Bismarckstraße.  Foto: Ruf, Julian

Direkt an den Heilbronner Bismarckplatz angrenzend, genauer gesagt, in der Bismarckstraße mit der Hausnummer 6, liegen die Räumlichkeiten der neuen Beratungsstelle für Essstörungen und selbstverletzendes Verhalten. Das Projekt trägt den wohlklingenden Namen "MaVie", was im Französischen so viel bedeutet wie "mein Leben". Erst vor kurzem haben zwei Sozialpädagoginnen ihre Tätigkeit in der Beratungsstelle in vollem Umfang aufgenommen. Hier wird völlig kostenfrei informiert und beraten. Was gesprochen wird, unterliegt der Schweigepflicht. Niemand wird zur Beratung gedrängt, betonen die Verantwortlichen.

 


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Die Pforten sind offen

Die Lage der Beratungsräume ist kein reiner Zufall, der Standort wurde bewusst gewählt, da er im nahen Umkreis von gleich drei Heilbronner Gymnasien liegt. Denn die Beratungsstelle richtet sich hauptsächlich an Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 13 und 27 Jahren, die aus dem Heilbronner Stadt- und Landkreis kommen. "Unsere Türen stehen aber für alle offen. Keiner wird bei uns abgewiesen, ganz egal welchen Alters", sagt Marie-Teresa Keicher. Die Diplom-Sozialpädagogin fungiert zusammen mit ihrer Kollegin Judith Weyhing-Müller als Ansprechpartnerin in der neuen Beratungsstelle.

 


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Auch Eltern, Angehörige oder Freunde von Menschen, die Symptome einer Essstörung oder selbstverletzendes Verhalten zeigen, können sich in der Bismarckstraße zum Umgang mit diesen psychisch bedingten Auffälligkeiten beraten lassen. Sämtliche Gespräche finden unabhängig von Geschlecht, Religion oder Herkunft und auf Wunsch auch anonym statt. Fachkräfte, Lehrer und Ärzte können sich bei "MaVie" informieren und Rat holen, um ihren betroffenen Schützlingen zu helfen. "Wir gehen momentan aktiv auf die Schulen und deren Sozialarbeiter zu, um dort die Sensibilität für unsere Themen zu verbessern und Kontakt aufzubauen", so Weyhing-Müller.

Essstörungen sind Lösungsversuche

"Leidet ein Mensch unter einer Essstörung, dann liegt es vorwiegend an mangelnder seelischer Gesundheit", erklärt Keicher. "Die Anzahl der Jugendlichen, die sich selbst verletzen oder an einer Essstörung leiden, nimmt ständig zu." Tatsächlich müssen seit Corona mehr Jugendliche aufgrund von Magersucht oder Bulimie behandelt werden, wie aus Daten der Krankenkasse DAK hervorgeht. Essstörungen sind oft unbewusste Lösungsversuche für tiefer liegende seelische Probleme und dienen als Ausweg für verdrängte Gefühle und Bedürfnisse. "Nur auf das Körpergewicht zu schauen, macht bei einer Essstörung wenig Sinn. Es gibt viele Symptome", so Keicher weiter.

Selbstverletzendes Verhalten kann hingegen als eine Art Überlebensstrategie bezeichnet werden, bei der die Betroffenen sich zum Beispiel durch das Schneiden mit scharfen Gegenständen von seelischem Druck befreien. Dieser Druck und die daraus resultierenden negativen Gefühle können durch ein einmaliges negatives Ereignis ausgelöst werden, aber auch durch Stress in der Familie, im Freundeskreis oder in der Schule.

 


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Trägerschaft ist gesichert

Die Beratungsstelle wird finanziell von der Arbeiterwohlfahrt getragen und zusätzlich durch Fördergelder der "Aktion Mensch" unterstützt. "Wir sind auch auf Spenden angewiesen", sagt Stratos Goutsidis, Geschäftsführer des Heilbronner Kreisverbandes der Arbeiterwohlfahrt (Awo). "Diese Beratungsstelle ist für uns eine Herzensangelegenheit", sagt er. "Es ist wichtig und auch notwendig, dass in Heilbronn so ein Angebot gemacht werden kann", fügt Berit Hiddeßen hinzu, die bei der Awo für Beratung und Hilfsangebote zuständig ist. "Der Betrieb der Beratungsstelle ist für die nächsten fünf Jahre gesichert", sagt sie.

Erreichbarkeit

Jeden Mittwoch zwischen 14 und 17 Uhr wird eine offene Sprechstunde in der Bismarckstraße angeboten. Die Beratungsstelle ist montags und donnerstags zwischen 9 und 11 Uhr und mittwochs zwischen 14 und 17 Uhr telefonisch unter der Nummer 07131 8993052 zu erreichen. Über den Heilbronner Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt ist die Beratungsstelle auch in den sozialen Medien vertreten. Die Vermittlung in weiterführende Hilfen, Vor- und Nachsorge bei Klinikaufenthalten und die Vernetzung von Hilfsangeboten gehört ebenfalls zu den Angeboten der Beratungsstelle. Beratungen im Einzelsetting sind möglich.

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