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Von Apoptose bis Immuntherapie – Mini-Studenten lernen: "Wie heilt man Krebs?"

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Der Wissenschaftler Dr. Timo Kehl stellte sich am Donnerstagnachmittag in Heilbronn wichtigen Kinderfragen rundum die Krankheit Krebs.

Wie heilt man Krebs? Diese Frage wurde bei der Kinder-Uni beantwortet.
Wie heilt man Krebs? Diese Frage wurde bei der Kinder-Uni beantwortet.  Foto: Arno Burgi (dpa-Zentralbild)

Studieren wie die Großen hieß es am Donnerstag wieder auf dem Bildungscampus in Heilbronn. Bei der vierten und letzten Veranstaltung der Kinder-Uni im laufenden Wintersemester ging es dieses Mal um das Thema „Wie heilt man Krebs?“. Rund 150 wissbegierige Kinder besuchten die Vorlesung, die am Nachmittag von Dr. Timo Kehl gehalten wurde. Der Leiter der Biologischen Sicherheit arbeitet sonst eigentlich am Deutschen Krebsforschungsinstitut in Heidelberg – und beschäftigt sich daher jeden Tag mit der wichtigen Frage.

Zu Besuch bei der Kinder-Uni in Heilbronn – Biologe klärt: "Wie heilt man Krebs?"

Schnell ist klar: Von der Krankheit selbst haben viele der jungen Studierenden schon einmal gehört – einige Acht- bis Zwölfjährigen kennen sogar nahestehende Menschen, denen ein solches Schicksal widerfahren ist. Immer wieder werden im Verlauf der Vorlesung Kinderhände in die Luft gereckt; es fallen Sätze wie: „Mein Opa hat auch Krebs“. Und dann natürlich die drängende Frage: „Muss er jetzt sterben?“

Nein – nicht unbedingt, erklärt der Krebsforscher. Denn es gibt ja gleich mehrere Behandlungsmethoden. Doch um zu verstehen, wie sie funktionieren, hilft es auch zu wissen, wie ein gesunder Körper funktioniert. Von Apoptose bis zur Zellteilung fallen Begriffe, die sicher sogar vielen Erwachsenen unbekannt sind. Aber dafür ist Kehl ja da.

Von Apoptose bis Zellteilung: Kinder lernen über Krebsbehandlung

Der Biologe erklärt den Kids in etwa einer Stunde anschaulich, wie aus jungen, fitten Körperzellen schädliche Krebszellen entstehen können. Nach der Vorlesung wissen die kleinen Studenten deshalb ganz genau, was es mit der geheimnisvollen Apoptose auf sich hat. Diese sorgt nämlich normalerweise dafür, dass defekte Zellen „einfach in die Luft gesprengt werden“, wie Kehl den programmierten Zelltod beschreibt – unter kollektivem Raunen versteht sich.

Hin und wieder können im menschlichen Körper jedoch auch Fehler passieren „wie bei den Hausaufgaben eben auch.“ Werden solche fehlerhaften Zellen geteilt, kommt es zu sogenannten Mutationen. „Sowas kennt ihr vielleicht von Superhelden“, erklärt Kehl – nur eben, dass die mutierten Zellen im menschlichen Körper echte „Schurkenkräfte“ entwickeln können. So können sie sich zum Beispiel unsichtbar machen – der „Immun-Polizei“ fällt es dann besonders schwer, die mutierten Zellen aufzuspüren und zu zerstören. Außerdem sollen diese Krebszellen besonders hungrig sein. Dadurch wachsen sie auch schneller. Noch dazu setzen die Schurkenkräfte den so wichtigen Apoptose-Knopf einfach außer Gefecht. Somit vermehren sie sich so lange ungebremst, bis sie „Riesen-Zellhaufen“ bilden, die meistens als knüppelige, harte Geschwüre zu ertasten sind. Als Kehl erklärt, dass der Begriff Tumor aus dem Altgriechischen kommt und schon tausende von Jahren alt ist, erfüllt ein erstauntes Raunen den Vorlesungssaal.

 „Bekomme ich schneller Krebs, wenn ich kein Obst und Gemüse esse?“

Fleißig Notizen machen sich einige der Mini-Studenten auch als der Krebsforscher die vier Behandlungsmethoden vorgestellt. Bei der Strahlentherapie sorgt die Vorstellung, dass ein Laserstrahl durch den menschlichen Körper geschickt wird, für den entsprechenden Wow-Effekt im Vorlesungssaal. Selbst über Chemotherapie und die moderne Immun-Therapie wissen die Kleinsten schließlich genauestens Bescheid. Dennoch erklärt Kehl auch: „Selbst, wenn alle Therapieoptionen angewendet werden, heißt das nicht, dass alle Schurkenkräfte gebannt sind.“ Prävention sei deshalb wichtig. Durch gesunde Ernährung und Sonnenschutz zum Beispiel. Ein Junge stellt die wichtige Frage: „Bekomme ich schneller Krebs, wenn ich kein Obst und Gemüse esse?“

Wer kein Fan von Brokkoli und Spinat ist, kann aber aufatmen. Selbst Kehl sei kein großer Grünzeug-Liebhaber, ein bisschen davon müsse dann aber doch auf dem Teller landen. „Ausgewogene Ernährung“ ist das Stichwort, das übrigens auch in einem kurzen Quiz zum Abschluss abgefragt wird. Auf rund 20 glückliche Kids, die die Fragen richtig beantworten konnten, warten zum Schluss noch die heimlichen Stars der Veranstaltung – und zwar als Körperzellen in Plüschtierform.

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