Abriss der Heilbronner Waldschänke: Trauer und Unverständnis am Bauzaun
Der Abriss der Heilbronner Waldschänke hat begonnen. Wer sich am Bauzaun und in sozialen Medien umhört, stößt auf viel Unverständnis. Eine Sache scheint die Menschen besonders zu stören.

Der Jogger unterbricht seinen Lauf, legt die Hände an den Bauzaun und blickt auf die Reste der Heilbronner Waldschänke. "Es ist ein Trauerspiel", sagt er ungefragt. Mauerreste, sich stapelnde Balken und Geröll, am Rande ein Bagger: Seit dieser Woche ist das Ende des einst beliebten Ausflugslokals für alle sichtbar eingeläutet. Noch steht ein Teil der Vesperstube, die über die Jahre immer mehr verfallenen Lauben im Biergarten sind verschwunden.
Mit dem Trauerspiel meint der Jogger nicht den aktuellen Anblick. "Dass bei dem Zustand ein Abriss unumgänglich war, ist ja für jeden ersichtlich gewesen. Aber dass die Lokalität ersatzlos gestrichen wird..." Der Heilbronner unterbricht. Seinen Namen will er lieber nicht nennen, zu viel hat er beruflich mit der Stadt Heilbronn zu tun. Und die sieht er in der Mitschuld. "Es handelt sich um einen Kulturverlust, und das in so einem schönen Naherholungsgebiet." Dass man dafür kein Geld in die Hand genommen habe, versteht er nicht. "Eine Lösung hätte sich doch finden lassen." Wobei ein Neubau in dieser geschützten Lage nicht möglich gewesen wären, sondern nur Veränderungen im Bestand. Allenfalls mit dem Licht-Luft-Bad, ebenfalls im Köpfertal, gebe es in Heilbronn noch Vergleichbares.
Waldschänke bot Erfrischung in der Natur
Radfahrer Tilo Deigner schlägt in dieselbe Kerbe. Klar, im städtischen Umfeld gebe es noch Biergärten. Aber hier draußen, mitten in der Natur? "Es ist schade drum. Jetzt hier auf einer schönen Terrasse ein Radler trinken, das wär's." So muss Deigner ohne Stärkung weiteradeln, auf einer seiner Runden kommt der Ilsfelder häufiger an der Waldschänke vorbei.

Dass sich eine im Raum stehende Rettung durch den Gastro-Investor Wolfgang Scheidtweiler letztlich zerschlagen hat, kommentiert er so. "Man muss sich halt zusammentun, damit man so etwas erhält." Dem Ilsfelder fällt ein anderes Lokal ein, das ähnliches bietet: die Obere Olmühle im Bottwartal bei Prevorst. Die liegt aber auf einer seiner anderen Routen.
Erinnerungen an Feste in der Waldschänke
Trauer und Unverständnis über das Ende der Waldschänke herrscht auch in der Facebook-Gruppe "Historische Bilder aus Heilbronn". Einer schreibt: "Ich bin traurig, enttäuscht, dass die Stadt es nicht fertigbringt, da wieder etwas aufzubauen." Gruppenmitglieder schildern zudem ihre Erinnerungen. "Ich liebte es dort als Kind, denn ich bekam manchmal eine Wurst und danach ein Eis. Ich habe im Wald gespielt, während mein Vater sein Schorle weiß/süß trank und danach heimgetorkelt ist."
Ein anderes Gruppenmitglied erinnert sich an "Schnittlauchbrot aus dem Holzofen" und an Silvester 1977 in der Waldschänke - "bei Eis und Schnee". Und weiter: "Es war eine wichtige Station bei Exkursionen im Stadtwald." Sollte es solche Ausflüge heutzutage noch geben, so werden Spaziergänger und Co. bald keine Reste des Lokals mehr sehen, sondern Bäume. Denn die Fläche wird bepflanzt.
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