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Kultur hinter Gittern
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„Resozialisierung statt Wegsperrknast“: Konzert in der JVA Heilbronn begeistert Häftlinge 

  
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Ein Konzert in der JVA Heilbronn brachte Musik hinter Gefängnismauern. Die Bürgerinitiative Strafvollzug erklärt, warum kulturelle Veranstaltungen wichtig für die Resozialisierung sind.

Die Bürgerinitiative Strafvollzug setzt sich für kulturelle Angebote in der JVA Heilbronn ein.
Die Bürgerinitiative Strafvollzug setzt sich für kulturelle Angebote in der JVA Heilbronn ein.  Foto: Berger, Mario

In der Justizvollzugsanstalt Heilbronn gehören kulturelle und freizeitbezogene Veranstaltungen zum festen Programm. So fand im vergangenen Jahr unter anderem ein Hoffest mit Punsch und Bratwurst, ein Sportfest in der JVA Heilbronn mit Timo Hildebrand sowie eine Theatervorstellung statt – und in diesem Jahr ein besonderes Konzert.

Rund 30 Gefangene bei Konzert in der JVA Heilbronn 

Rund 30 Gefangene durften gemeinsam mit Bediensteten und der Anstaltsleitung den Liedern von Simone von Racknitz-Luick und Gerhard Knoppek lauschen. Das Programm stand unter dem Motto „Total verliebt – Totally in love“ und war zweisprachig gestaltet: Eine Hälfte der Lieder erklang auf Deutsch, die andere auf Englisch.

Dass Kultur im Gefängnis kein überflüssiger Luxus ist, betont Hanspeter Hagen, Gründer der Bürgerinitiative Strafvollzug, die das Konzert mit organisiert hat. „Kulturelle Angebote können Impulse liefern, die den Zugang zu lange unterdrückten Emotionen ermöglichen und in Folge zu anderen Sichtweisen führen“, sagt er. Jeden Freitag ist Hagen mit einer Gruppe von ehrenamtlichen Mitstreitern in der JVA, um mit Gefangenen zu reden.

„Umgang mit Straffälligen prägt das gesellschaftliche Klima“

Auch Mehmet Yesilgöz, ebenfalls Teil der Initiative, betont die gesamtgesellschaftliche Verantwortung: „Der Umgang mit Schwachen, Kranken und nicht zuletzt auch Straffälligen prägt unmittelbar das gesellschaftliche Klima.“ Die Vorstellung, dass Kultur und Bildung zur Resozialisierung beitragen, habe es nie leicht gehabt. Dennoch dürfe es keinen „Wegsperrknast“ ohne Perspektiven geben – und dazu gehöre eben auch ein kulturelles Angebot.

Dass dieses gut angenommen wird, zeigte sich an jenem Abend deutlich. Während sich das Publikum zu Beginn des 90-minütigen Konzerts noch zurückhaltend zeigte, stieg die Begeisterung mit jedem Lied. Am Ende hallten hinter Gittern nicht nur Applaus, sondern auch Jubelpfiffe und Bravorufe.




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