Stimme+
Fußball zur Resozialisierung 
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Sportfest in der JVA Heilbronn mit Timo Hildebrand: Wichtig für Psyche der Insassen 

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Der ehemaliger Nationaltorhüter Timo Hildebrand bringt Bundesliga-Flair in die JVA Heilbronn. Das alljährliche Sportfest ist für die Gefangenen ein besonderer Tag – und verfolgt einen speziellen Zweck.


Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

Ein Hauch von Bundesliga-Luft weht durch die Justizvollzugsanstalt Heilbronn, als Timo Hildebrand, ehemaliger Nationaltorhüter und Fußballidol, beim alljährlichen Sportfest zu Besuch ist. Vorbei am Rauschgifthund Balin, der heute auf Patrouille ist, da auch Verwandte und Familie der Insassen zu Besuch kommen dürfen und hohe Sicherheitsvorkehrungen herrschen, führt der Weg über den Hof zur Sporthalle, wo Hildebrand auf eine Gruppe gespannt wartender Insassen trifft.


Timo Hildebrand in JVA Heilbronn: Austausch mit Gefangenen beim Sportfest

Der ehemaliger Torwart des VfB Stuttgart gewährt einen offenen und ehrlichen Einblick in sein Leben und beantwortet Fragen, bevor es auf den Sportplatz zum Kicken geht. Organisiert wurde der Besuch von der DFB-Stiftung Sepp Herberger, die Resozialisierungsprogramme für Häftlinge anbietet, um ihnen durch die Kraft des Sports Hoffnung zu geben.

In der gemeinsamen Gesprächsrunde stehen nicht nur seine beruflichen Erfolge im Mittelpunkt, sondern auch die Zeiten, in denen es weniger rosig lief. „Ich war zweimal in meiner Karriere vereinslos für drei, vier Monate und habe trainiert, ohne zu wissen, ob ich jemals wieder Fußball spielen würde. Ich hätte mir das nie vorstellen können, als Deutscher Meister einmal ohne Verein dazustehen.“

Ein Auf und Ab seien diese Zeiten gewesen. „Aber genau das sind die Momente, in denen man weitermachen muss“, betont er. Auch habe er einmal mit dem Gedanken gespielt, alles hinzuschmeißen, gibt Hildebrand zu. „Letztendlich hat der Glaube an mich selbst überwogen. Niederlagen gehören dazu, egal, ob man Profisportler ist oder nicht.“ Es sei wichtig, zu lernen, damit umzugehen und weiterzumachen.

Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

Timo Hilfebrand gibt in JVA Heilbronn einen Einblick in sein Leben

Als Profisportler opfere man viel, habe nicht immer Zeit für die Familie und nur zweimal im Jahr frei. Auf der anderen Seite sei das Gehalt eine Art Schmerzensgeld. Als Person des öffentlichen Lebens gebe es viele, die über einen urteilen, ob in der Presse oder unter den Fans. „Man reift durch dieses Business. Innere Stärke ist dabei ganz besonders wichtig.“

Auf seine Zukunftspläne angesprochen, gibt der ehemalige Nationaltorhüter Einblick in sein „breites Portfolio“, das er sich aufgebaut hat. „Es war mir schon immer wichtig, auch andere Dinge im Leben als Fußball zu sehen.“ So hat der 45-Jährige beispielsweise vor drei Jahren ein veganes Restaurant in Stuttgart eröffnet. Außerdem ist er in der zivilen Hilfsorganisation Stelp aus Stuttgart aktiv und war bereits bei Auslandseinsätzen, etwa in der Türkei, vor Ort. Soziales Engagement sei ihm von seiner Mutter in die Wiege gelegt worden und ziehe sich bis heute durch sein Leben: „Meine Motivation ist, anderen etwas zurückzugeben und mein Netzwerk zu nutzen.“

Bei strahlendem Sonnenschein kicken der FC Union Heilbronn gegen Grün-Weiß.
Bei strahlendem Sonnenschein kicken der FC Union Heilbronn gegen Grün-Weiß.  Foto: Lina Bihr

Sportfest in der JVA Heilbronn: Fußballmannschaft des Gefangenensportvereins

Dann geht es auch schon los. Zweimal 30 Minuten spielt die Fußballmannschaft des Gefangenensportvereins Grün-Weiß gegen den FC Union Heilbronn. Spieler Yannick Roos erzählt, dass er mit seinem alten Fußballverein bereits in der JVA Bruchsal gegen Gefangene gespielt habe. „Es ging zur Sache, alle waren sehr motiviert.“ Die anfängliche Nervosität, in einem Gefängnis zu kicken, sei aber schnell verflogen. „Letztendlich geht es um Fußball.“

Zur Halbzeitpause – es steht 4:2 für den FC Union Heilbronn – hat es sich Karl Schuster (Name von der Redaktion geändert) in einem schattigen Plätzchen gemütlich gemacht. Seit zwei Jahren spielt der 29-Jährige bei Grün-Weiß als Fußballer. Den Kopf frei kriegen, sich auspowern, Adrenalin spüren – das bedeutet Fußball für ihn. Sport im Allgemeinen ist ihm wichtig. Bereits beim Wettkampf am Vormittag hat er den ersten Platz belegt: Klimmzüge, Reifendrehen und Co. standen auf dem Programm.

Sportfest in der JVA: "Wichtig für Psyche der Insassen" 

Auch Mitglieder der Bürgermeister-Mannschaft des Landkreises Heilbronn nehmen am Sportfest teil: Timo Frey, Bürgermeister von Bad Friedrichshall, Benjamin Krummhauer aus Lehrensteinsfeld, Thomas Csaszar aus Brackenheim sowie der ehemalige Bürgermeister von Obersulm, Tilman Schmidt, kicken mit. „Wir wollen Präsenz zeigen und den Gefangenen vermitteln, dass sie nicht einfach weggeschlossen sind, sondern trotz Vollzug an der Gesellschaft teilhaben“, erklärt Thomas Csaszar.

Die Fußballer geben alles: Am Ende steht es 7:7.
Die Fußballer geben alles: Am Ende steht es 7:7.  Foto: Lina Bihr

Wie wichtig das Sportfest für Gefangene ist, weiß Steffen Bechle, 1. Vorsitzender der Sportvereinigung Grün-Weiß Heilbronn. Es sei wie ein Sommerfest. Es werde nicht nur Sport getrieben, sondern auch gemeinsam gegessen. Außerdem seien Familienangehörige zu Besuch. „Es ist ein Tag abseits der Norm, wichtig für die Psyche der Insassen.“ Nur einmal habe das Sportfest in der Vergangenheit nach einem halben Tag abgebrochen werden müssen – wegen einer Auseinandersetzung zwischen zwei Häftlingen. Ansonsten werde das Angebot gut angenommen, und die Stimmung sei jedes Jahr aufs Neue schön und unbeschwert.

Am Ende steht es unentschieden – 7:7. „Fair haben alle gespielt“, loben die Bürgermeister. Auch für Anstaltsleiter Andreas Vesenmaier geht ein gelungener Tag zu Ende. „Ein bisschen wie bei einem Vereinsfest“, sagt er. Vor allem gehe es darum, die Zeit zu genießen. 




Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben