Wie das Hoffest der JVA Heilbronn Abwechslung in den Haftalltag bringt
Das Hoffest der JVA Heilbronn bringt nachweihnachtliche Stimmung hinter die Gefängnismauern. Wie Insassen diese Zeit erleben.
Jazzmusik ist auf dem Hof zu hören, der Duft von Bratwurst liegt in der Luft, und es wird alkoholfreier Punsch ausgeschenkt. Gefangene unterhalten sich unter strahlend blauem Himmel: Das Hoffest der JVA Heilbronn kommt gut an.
Es findet zum zweiten Mal in Folge statt, nachdem der Gefangenenbeirat die Initiative ergriffen hat. Es ist Teil eines breiten Angebots, das den Häftlingen in der Zeit zwischen den Jahren gemacht wird. Arbeitsbetriebe sind geschlossen. Seelsorger sind besonders gefragt. Es sei die „emotional aufgeladenste Zeit“ hinter Gittern, heißt es aus Reihen des Anstaltsbeirats.
„Es ist eine nette Abwechslung zum Haftalltag“, sagt Stefanie Hörter, stellvertretende Leiterin der JVA Heilbronn. Der Gefangenbeirat spiele eine wichtige Rolle, um Teilhabe zu fördern und demokratische Rechte auszuüben.
Hoffest der JVA Heilbronn: Saxophonist spielt, andere Häftlinge musizieren mit
Frieder Scheerer aus Crailsheim, der seit seinem elften Lebensjahr Saxofon spielt, ist auch dieses Jahr wieder dabei. Während er beim ersten Hoffest noch angespannt war, überwiegen heute die positiven Gefühle. „Es ist ein schöner Abschluss für Weihnachten – für Menschen, die es nicht so schön haben wie ich.“ Für den Musiker sei es ein Stück Weihnachten, anderen eine Freude zu bereiten.

An diesem Nachmittag musiziert er spontan mit anderen Insassen, darunter Paul Ried (Name von der Redaktion geändert). Ried hat ein Keyboard und eine Gitarre in seiner Zelle und spielte schon vor seiner Inhaftierung in einer Band. „Man vergisst den Knastalltag“, sagt er über die Kraft der Musik. Bücher und andere kreative Beschäftigungen hätten eine ähnliche Wirkung: Sie lenkten ab und ließen die Zeit schneller vergehen.
JVA Heilbronn: Feiertage hinter Gitter zu verbringen ist für Inhaftiere schwer
Markus Schönberger (Name von der Redaktion geändert), erster Vorsitzender des Gefangenenbeirats, freut sich über das Hoffest. „Es bringt uns alle mal wieder zusammen und sorgt für ein nachträgliches Weihnachtsgefühl.“ Die Feiertage hinter Gittern zu verbringen, sei besonders schwer, erklärt er. „Man stumpft ab.“
Doch nach zehn Jahren Haft – zwei stehen ihm noch bevor – habe er eine gewisse Routine entwickelt, im Gegensatz zu jenen, die nur kurze Zeit einsitzen. Zwei Herzinfarkte hat er in dieser Zeit erlitten. „Man lernt, das Leben mehr zu schätzen.“
Backen, Kochen, Tischkicker spielen: So lenken sich Insassen ab
Die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr seien die schwierigsten, bestätigt auch Paul Müller, der eigentlich anders heißt. Der 34-Jährige sitzt wegen Drogenhandels ein, darf aber in vier Wochen in Freiheit. „Man versucht, das Beste daraus zu machen, aber Freunde und Familie fehlen trotzdem“, sagt er. Das Hoffest empfindet er als etwas Besonderes: „Das wird nicht in jeder Justizvollzugsanstalt angeboten.“
Werner Klieb (Name von der Redaktion geändert) hebt hervor, wie viel Zeit die Insassen miteinander verbringen. „Wir kochen und backen zusammen.“ Für Silvester sei sogar eine dreistöckige Torte geplant. Auch mit Kartenspielen oder Tischkicker versuche man, sich abzulenken. Ab März wird er entlassen. Seine Ziele für das neue Jahr? „Abstinent bleiben, wieder auf eigenen Beinen stehen und meine eigene Firma gründen.“
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