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Steuersenkung für Restaurants – Gastronomie im Raum Heilbronn atmet auf

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Seit Jahresbeginn gilt für Speisen der reduzierte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent. Gastronomen im Raum Heilbronn begrüßen den Schritt, geben die Entlastung aber nur teilweise weiter.


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Nach der beschlossenen Mehrwertsteuersenkung auf Speisen von 19 auf sieben Prozent zum 1. Januar 2026 herrscht in der Gastronomiebranche zunächst Aufatmen. Lange hatten die Wirte und ihre Lobbyverbände für die Steuererleichterung gekämpft, nachdem die Bundesregierung nach der Corona-Pandemie den alten 19-prozentigen Steuersatz zu Beginn des Jahres 2024 wieder eingeführt hatte.

Der Gaststätten-Verband Dehoga sprach nach dem aktuellen Beschluss der Bundesregierung von einem „Befreiungsschlag“ und von einer „überlebensnotwendigen Entscheidung“ für die Branche. Gäste, die sich nun auf durchgängige Preissenkung auf der Speisekarte freuen, könnten aber enttäuscht werden. Denn nur die wenigsten Gaststätten werden die Steuererleichterungen Eins-zu-eins umsetzen.      

Steuersenkung bringt der Gastronomiebranche spürbare Entlastung: Steigender Mindestlohn als Wermutstropfen

Für Thomas Rieck ist klar, dass er die Mehrwertsteuersenkung auf Speisen nicht komplett an seine Gäste weitergeben kann. „Natürlich war der Schritt gerade für die Speisegastronomie unheimlich wichtig. Wir haben jetzt eine Basis, auf der wir arbeiten können“, freut sich der Geschäftsführer von Riecks Hotel und Restaurant an der Linde in Neckarsulm. Der 52-Jährige gibt aber auch zu bedenken, dass in diesem Jahr der Mindestlohn steigen wird und die Wirte die Lebensmittel bisher beim Einkauf mit sieben Prozent und im Verkauf mit 19 Prozent versteuern mussten.

„Wir werden mit den Preisen etwas nach unten gehen, aber zwölf Prozent können wir nicht weitergeben“, macht Rieck klar. Die allgemeine Preisentwicklung wolle man genau im Auge behalten. Nach dem wechselvollen Jahr 2025 mit einem guten Frühling, dem schwachen Sommer und einem sehr guten Winter hofft der Gastronom nun auf ein „etwas stabileres 2026“.    

Nur noch sieben statt 19 Prozent Mehrwertsteuer in der Gastronomie: Die Neuregelung ist bundesweit zum Jahresbeginn in Kraft getreten.
Nur noch sieben statt 19 Prozent Mehrwertsteuer in der Gastronomie: Die Neuregelung ist bundesweit zum Jahresbeginn in Kraft getreten.  Foto: Stefan Sauer

Gastronomen setzen auf Preisstabilität und hoffen auf wirtschaftliche Erholung

„Wir schauen jetzt auf jeden Fall etwas positiver in die Zukunft“, betont Rame Shala, Chef des Wirtskeller St. Georg in Eppingen. Der Gastronom hofft, dass die Steuersenkung dafür sorgt, dass die Branche sich erholt. „Auf jeden Fall können wir jetzt die Preise stabil halten“, sagt Shala. Preissenkungen sehe er in seinem Restaurant vor allem bei den Hauptspeisen, beim täglichen Mittagstisch sei der Spielraum dagegen ausgeschöpft. „Wir müssen auch die Basis schaffen, dass wir wieder investieren können“, macht der langjährige Betreiber des Wirtskeller St. Georg klar. 

Von einem „dringend notwendigen Schritt, um Überlebensfähig zu bleiben“, spricht Rainer Mosthaf. Gerade in den vergangenen fünf Jahren seien die Kosten in der Speisegastronomie explodiert. „Bei einem weiteren Jahr wie 2024 und 2025 wären wir nicht überlebensfähig“, macht der Chef des Heilbronner Ratskellers klar. Die Alternative wäre bei dem hohen Personaleinsatz in der gehobenen Gastronomie Personaleinsparungen und die Konzentration der Öffnungszeiten auf den Abend gewesen. An Preissenkungen denkt er derzeit nicht. Zunächst stünde die Konsolidierung im Vordergrund.             

Die Culinary-Family-App haben Ergjan und Luiza Terzici mit der Rückkehr zur siebenprozentigen Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie zum 1. Januar 2026 eingeführt. Sie gilt für die Heilbronner Betriebe Restaurant, Biergarten und Winterzauber am Trappensee, das Café s’Schümli und die Eventlocation Weingut Amalienhof in Beilstein. Nutzer der App erhalten so Prämien, Extras, Vorteile und exklusive Angebote des Gastronomieunternehmens. „Damit wollen wir die Treue unserer Stammgäste und ihre Verbundenheit honorieren“, betont Ergjan Terzici.

Preisstabilität als Ziel – kreative Ansätze und digitale Kundenbindung gewinnen an Bedeutung

Das sieht Marcel Küffner ganz ähnlich: „Die Preise gehen nicht hoch, aber sie werden auch nicht stark sinken“, macht der Geschäftsführer des Parkhotels klar. „Die Schmerzgrenze ist erreicht, und die Gastronomen haben in den vergangenen Jahren auch viel auf die eigene Kappe genommen und nicht alle allgemeinen Preissteigerungen weitergegeben“, betont der Heilbronner Gastronom. In Teilbereichen könne er sich aber Preissenkungen auf der Speisekarte vorstellen. „Wir müssen aber auch in neue Ideen investieren“, unterstreicht Küffner.

Eine dieser neuen Ideen hat sein Kollegen Ergjan Terzici mit Beginn des neuen Jahres bereits umgesetzt. Er hat für alle seine Gastronomiebetriebe eine Culinary-Family-App eingeführt, mit der er einen Teil der Steuersenkung an seine Gäste weitergibt.  Mit der App erhalten seine Gäste Prämien, Extras und exklusive Angebote (siehe Hintergrund). Der Gegenwert der Prämien liege bei rund fünf Prozent. „Die ersten beiden Wochen sind erfolgsversprechend angelaufen“, freut sich Ergjan Terzici.




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