Schockanrufe und künstliche Intelligenz-Angriffe: Neues Labor kämpft für Cybersicherheit
"Der Mensch ist bei Cyberangriffen größtes Einfallstor", warnt ein IT-Experte. Ein neues Lernlabor mit Beteiligung der Hochschule Heilbronn will dagegen vorgehen.

Die Zahl der Straftaten im Bereich Cyberkriminalität steigt Jahr für Jahr. Das größte Einfallstor: der Mensch. Bei mehr als 70 Prozent aller Cybersicherheitsvorfälle spielt er eine entscheidende Rolle.
Hier setzen das Fraunhofer IAO, die Hochschule Heilbronn und die Fraunhofer Academy mit einem neu gegründeten Lernlabor an: Bei der Eröffnungsveranstaltung am 3. Juni haben Interessierte die Möglichkeit, IT-Sicherheit selbst zu erleben.
Experte befürchtet: Cyberangriffe werden durch KI zunehmen
Heiko Rossnagel, Leiter des Teams Identitätsmanagement am Fraunhofer IAO, befürchtet, dass Angriffe durch Künstliche Intelligenz zunehmen werden. Das gelte nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Privatpersonen.
Schockanrufe, Enkeltrickbetrüge oder die Masche, sich am Telefon als falsche Polizisten auszugeben und Geld zu fordern, werden durch KI automatisiert ablaufen, warnt er. „Für so etwas braucht es keine große Programmierkunst, sondern nur etwas kriminelle Energie."
Für Cyberangriffe braucht es "nur etwas kriminelle Energie"
Künstliche Intelligenz sei ein zweischneidiges Schwert: Auf der einen Seite sei sie hilfreich, aber auf der anderen Seite schädlich, wenn sie von den falschen Leuten angewandt wird. Sowohl mit Blick auf ihr Schadenspotenzial als auch auf ihren Nutzen stehe man erst am Anfang, so Rossnagel. Denkbar wäre es laut dem Experten, sie einzusetzen, wenn es bereits zu einem Cyberangriff gekommen ist. Beispielsweise in Form eines Assistenten, der dann beratend zur Seite steht.
Im neuen Lernlabor wird es verschiedene Erlebnis-Demonstratoren geben, die in kontrollierter Umgebung zeigen, was passiert, wenn beispielsweise auf einen gefährlichen Link in einer sogenannten Phishing-Mail gedrückt wird. „Und wie schnell das geht, wenn sich eine Schadenssoftware verbreitet. Innerhalb von Millisekunden geht dann nichts mehr."
Im neuen Lernlabor für IT-Sicherheit wird es Weiterbildungsangebote geben
Am eigenen Leib einen Cyberangriff zu erleben, ohne, dass wirklich was passiert, schaffe einen bleibenden Eindruck und schärfe das Risikobewusstsein. Gleichwohl weiß der Experte, der über umfangreiche Erfahrung aus nationalen und internationalen Forschungsprojekten verfügt, dass es damit nicht getan ist. Deswegen wird es im neuen Lernlabor für IT-Sicherheit künftig auch Weiterbildungsangebote, unter anderem für Firmen und ihre Mitarbeiter, geben. „So wollen wir unseren Beitrag leisten, Unternehmen in der Region sicherer zu machen.“
In der Eröffnungsfeier am 3. Juni von 16.30 bis 19.30 Uhr berichtet unter anderem Professor Andreas Kurtz von der Hochschule Heilbronn von den Erfahrungen der Hochschule, die im November 2022 selbst Opfer eines Cyberangriffs geworden ist. Daniel Lorch, Erster Kriminalhauptkommissar der Kriminalpolizeidirektion Esslingen, stellt in einem Vortrag die Perspektive der Kriminalpolizei bei Cyberangriffen dar.
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