Lebenshilfe Heilbronn-Franken: Schwimmkurs für Kinder mit Behinderung
Sechs Kinder mit geistiger Behinderung lernen mit einer Schwimmlehrerin im Soleo, sich an das Wasser zu gewöhnen. Der Kurs der Lebenshilfe Heilbronn-Franken stößt auf große Resonanz.
„Neeeein“, ruft der Junge durch die Halle des Soleo. Der Sechsjährige will nach dem Unterricht im Becken gar nicht mehr raus aus dem Wasser. Doch das spielerische Wassergewöhnen mit Schwimmlehrerin Marion Unruh ist vorbei. Weiter geht es erst beim nächsten der zehn Termine. Der Sechsjährige ist einer von sechs angemeldeten Kindern zwischen fünf und acht Jahren für den Schwimm- und Wassergewöhnungskurs für Kinder mit geistiger Behinderung, den die Lebenshilfe Heilbronn-Franken von Februar bis Mitte Mai organisiert.
Schwimm- und Wassergewöhnungskurs der Lebenshilfe Heilbronn-Franken: Kinder machen Fortschritte
Aufgeregt rennt der Junge durchs Becken, entdeckt das Wasser für sich. Motiviert versucht er die kleine Rutsche von unten hochzuklettern oder geht die Treppen auf der anderen Seite hinauf. Zu rutschen traut er sich aber nicht – noch nicht. Richtige Fortschritte habe er schon gemacht, berichtet Unruh. Anfangs habe er sich nur auf die ersten Treppenstufen des Beckens getraut oder die Beine vom Rand ins Wasser baumeln lassen.
An diesem Tag stürmt er von einem Beckenrand zum anderen, taucht mit dem gesamten Oberkörper ins Wasser, versucht seinen Vater nass zu spritzen und spielt mit den Schaumstoff-Brettern oder den Tischtennisbällen, die Unruh heute dabei hat. Ganz nah an der Wasseroberfläche soll er die kleinen Plastik-Bälle durch Pusten bewegen. Die Idee dahinter: Ohne zu merken mit dem Gesicht nah ans Wasser ran, vielleicht sogar mit dem Mund untertauchen und merken, dass das gar nicht schlimm ist, erklärt Unruh.

Sie führt mit solchen spielerischen Elementen die Kinder, die ganz unterschiedliche Vorerfahrungen mitbringen, im Heilbronner Soleo ans Wasser heran. „Jeder Fortschritt zählt“, sagt die Schwimmlehrerin. Aber auch das Einhalten von Regeln sollen sie erlernen, so Unruh.
Kinder mit geistiger Behinderung an Wasser gewöhnen: Lebenshilfe Heilbronn-Franken bietet Kurs erstmals an
Die Idee, erstmals einen solchen Schwimmkurs anzubieten, kam aus dem Vorstand der Lebenshilfe, erzählt Thomas Fick, erster Vorsitzender des Vereins. „Der Bedarf ist riesig“, erklärt er. Schon bei Kindern ohne Behinderung sei das schmale Angebot an Schwimmkursen ein Thema, führt er weiter aus, bei Kindern mit Behinderung müsse man aber noch niedrigschwelliger anfangen. Der Verein freue sich, diese „offensichtliche Lücke“ etwas zu füllen.
Der Kurs sei auf eine gute Resonanz und viel Nachfrage gestoßen. Für den Herbst ist eine zweite Auflage bereits organisiert, sagt Fick. Auch einen dritten Kurs könne man sich vorstellen, sofern sich eine geeignete Lehrkraft und ausreichend Finanzierung finden lasse.
Die ersten beiden Auflagen werden finanziert durch die traditionelle Weihnachtsspende der Belegschaft der Audi AG in Neckarsulm, die die Lebenshilfe mit einem Betrag berücksichtigt und der Aktion Menschen in Not. Die Hilfsaktion der Stimme-Leserinnen und Leser bedenkt die Lebenshilfe Heilbronn-Franken mit insgesamt 8000 Euro. Menschen in Not hat den Verein bereits in der Vergangenheit mehrfach mit Spenden bedacht.
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