Kriminelle Kinder und Jugendliche im Raum Heilbronn: Täter mit Hang zur Gewalt
Die Zahl straffälliger Kinder und Jugendlicher ist im Bereich des Heilbronner Polizeipräsidiums rückläufig. Aktuell macht eine lose Gruppe junger Frauen auf dem Marktplatz Probleme. Eine von ihnen sitzt in Untersuchungshaft.
Zu den häufigsten Straftaten von Kindern und Jugendlichen in der Region gehören Diebstahl und Körperverletzungen. Das teilt das Polizeipräsidium Heilbronn mit Blick auf das vergangene Jahr mit. Die Straftaten von Minderjährigen hatten im Jahr davor einen Höchststand erreicht.
Aktuell fällt eine kleine Gruppe junger Frauen und Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren im Bereich des Heilbronner Marktplatzes mit genau solchen Taten auf. Die Polizei ermittelt; sie weiß, mit wem sie es zu tun hat. Die Beamten beschäftigt außerdem eine Schlägerei am Donnerstagabend in der Innenstadt. Eine 15-Jährige soll beteiligt gewesen sein. Auch sie sei für die Polizei keine Unbekannte, sagt Polizeisprecher Frank Belz. Die Ermittler hätten die jungen Frauen in der Innenstadt im Blick.
Polizei Heilbronn: Zahl der Delikte im Fünf-Jahres-Vergleich auf hohem Niveau
Die jungen Frauen sollen zum Teil in Heimen leben. Einige sind strafrechtlich in Erscheinung getreten, manche noch nicht, teilt Mareike Hafendörfer von der Staatsanwaltschaft Heilbronn mit. Die Behörde führt Verfahren gegen sie, teilweise wurde Anklage bei Gericht erhoben. Eine 18-jährige Hauptakteurin befinde sich in Untersuchungshaft. Verdacht: gewerbsmäßiger Diebstahl in mehreren Fällen und Wiederholungsgefahr.
Unabhängig von den jüngsten Vorkommnissen in der Heilbronner City stellt das Polizeipräsidium in seinem Zuständigkeitsbereich im Jahr 2024 sinkende Zahlen von tatverdächtigen Kindern und Jugendlichen fest. Auch Gewaltdelikte seien insgesamt rückläufig. Wenngleich sie sich im Fünf-Jahres-Vergleich auf einem hohen Niveau bewegen, erklärt Polizeisprecherin Petra Rutz.
Kriminalität in Heilbronn: Strafunmündige Kinder werden häufiger als früher angezeigt
Außerdem stelle die Polizei eine Tendenz zu gewalttätigerem Verhalten bei Minderjährigen fest. Sie beobachtet außerdem ein geändertes Anzeigeverhalten gegenüber Kindern. Insbesondere sogenannte Bagatelldelikte werden häufiger angezeigt als früher, sagt Rutz. Den Anzeigenerstattern sei dabei bewusst, dass unter 14-Jährige strafunmündig sind. Sie erhofften sich aber einen gewissen Erziehungseffekt durch das Einschreiten der Polizei.
Dass Kinder gezielt von Erwachsenen zu Straftaten angestiftet werden, ist dem Haus des Jugendrechts in Heilbronn seit Jahren bekannt. Es bearbeitet Fälle von kriminellen Kindern und Jugendlichen. „Zu beobachten ist das insbesondere bei Familien osteuropäischer Herkunft“, erklärt Rutz. Oft gehe es um den Diebstahl von Lebensmitteln für den täglichen Bedarf oder Kosmetik. Diese Vorgehensweise stelle aktuell aber keinen Schwerpunkt dar.
Jugendstrafrecht sieht Arrest, Gefängnis und erzieherische Maßnahmen vor
Das Jugendstrafrecht sieht zwar Arrest oder gar Jugendgefängnis vor. Im Vordergrund stehen aber zunächst Erziehungsmaßnahmen. Es gibt eine Vielzahl ambulanter Hilfen für junge Straftäter. Ob die greifen, hängt von den Eltern ab. „Grundsätzlich dürfen sie freiwillig entscheiden“, erklärt Hanna Berger von der Diakonischen Jugendhilfe in der Region Heilbronn. Jugendämter etwa könnten nur Druck ausüben, wenn eine Kindeswohlgefährdung vorliege. Berger kritisiert, dass Eltern nicht zur Mitwirkung verpflichtet sind.
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