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Antisemitismus-Vorwürfe gegen Moschee: Heilbronns Bürgermeisterin nach Besuch in der Kritik

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Im Gemeindezentrum St. Martinus in Heilbronn-Sontheim findet ein Fastenbrechen der Fatih-Moschee statt. Sie gehört der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) an, die im Verfassungsschutzbericht erwähnt wird.


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Der Ramadan ist seit vergangener Woche vorbei. Eine Veranstaltung zum Fastenbrechen Anfang März im katholischen Gemeindezentrum St. Martinus in Sontheim wirft Fragen auf. Veranstalter war die Fatih-Moschee Heilbronn. Sie gehört der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) an. An der Veranstaltung nahmen Kirchenvertreter, Mitglieder des Heilbronner Gemeinderats und Heilbronns Bürgermeisterin Agnes Christner teil.

Antisemitismus-Vorwürfe: Heilbronns Bürgermeisterin nach Moschee-Besuch in der Kritik

Milli-Görüs wird im Verfassungsschutzbericht des Landes erwähnt. Dort heißt es, die politische Agenda ihres 2011 verstorbenen Gründers Necmettin Erbakan weise antiwestliche und antisemitische Züge auf. Sie sei in weiten Teilen nicht mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung vereinbar. In einem Beitrag im Internet gedenkt die Fatih-Moschee öffentlich Erbakan.

Die Fatih-Moschee in Heilbronn gehört der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) an, die im Verfassungsschutzbericht erwähnt wird. Foto: Mario Berger
Die Fatih-Moschee in Heilbronn gehört der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) an, die im Verfassungsschutzbericht erwähnt wird. Foto: Mario Berger  Foto: Mario Berger

Heilbronner Moschee-Sprecher weist Antisemitismus-Vorwürfe zurück

Mit den Vorwürfen konfrontiert erklärt Abdulkadir Yildizli (35), Sprecher der Fatih-Moschee, dass man jede Form von Antisemitismus, Menschenfeindlichkeit und Abwertung anderer Religionen, Gesellschaften oder Bevölkerungsgruppen zurückweise. Aus den öffentlichen Beiträgen ließe sich keine ideologische Bindung ableiten. Sie dienten der Würdigung der Leistung und des Beitrags verstorbener Persönlichkeiten.

Christner verteidigt ihren Besuch beim Fastenbrechen. „Die Einschätzung und Bewertung aus dem aktuellen Verfassungsschutzbericht des Landes Baden-Württemberg ist mir bekannt“, sagt die 67-Jährige. Ebenso, dass die IGMG Gegenstand der öffentlichen und sicherheitsbehördlichen Diskussion ist. Ihre Teilnahme sei im Sinne des interreligiösen und gesellschaftlichen Dialogs erfolgt.


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Hausherr überrascht über Einschätzung des Verfassungsschutzes

Die Veranstaltung im katholischen Gemeindezentrum habe dazu gedient, Kontakte zu knüpfen, erklärt Hausherr Pfarrer Markus Pfeiffer. Die Einschätzung des Verfassungsschutzes hätte ihn völlig überrascht. Der Abend habe auch dazu gedient, Kontakte zu knüpfen, so der 59-Jährige. 

Der Journalist und Islamexperte Eren Güvercin sieht das kritisch. Für die IGMG sei der Austausch mit Politik und Kirchen wichtig für die politische Aufwertung der eigenen Organisation. „Dabei beherrschen sie die doppelte Kommunikation sehr gut. Sie kommunizieren in die deutsche Öffentlichkeit ganz andere Botschaften als in die eigenen Strukturen hinein“, sagt der 45-Jährige im Interview. 

Die Milli-Görüs-Bewegung wurde von Necmettin Erbakan 1960 in der Türkei gegründet. Der Verfassungsschutzbericht aus dem Jahr2024 weist darauf hin, dass laut Erbakans Ideologie gegenwärtig mit der westlichen Zivilisation eine „nichtige“, auf Gewalt, Unrecht und Ausbeutung der Schwachen basierende Ordnung dominiere. Dieses „nichtige“ System müsse durch eine „Gerechte Ordnung“ ersetzt werden, die sich ausschließlich an islamischen Grundsätzen ausrichte. 

Mitglied des Integrationsbeirates Heilbronn kritisiert Teilnahme

Der Neckargartacher Andreas Mayer (62) ist beratendes Mitglied des Integrationsbeirats Heilbronn. Dialog und Begegnung seien gute Möglichkeiten, gegenseitigen Vorbehalten zu begegnen. „Wenn es aber dabei in erster Linie darum geht, dem Islam eine zunehmende politische Bedeutung zu verschaffen und sehr stark für einen Verein geworben wird, der lediglich eine Minderheit der Heilbronner Muslime abbildet, halte ich das für kritisch“, sagt der ehemalige Kriminalbeamte beim Landeskriminalamt Baden-Württemberg.




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