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Heilbronn

Interims-Recyclinghof in Böckingen eröffnet – endgültiger Standort noch unbekannt

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Der Unmut im Heilbronner Stadtteil hat sich durch die überarbeitete Lösung auf der Viehweide gelegt. Ein hoher Zaun und Videokameras sollen wilde Müllablagerungen an der Böckinger Viehweide verhindern. 


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Das Unbeugsame ist den Böckingern eigen und drückt sich schon in ihrem Spitznamen Seeräuber aus. Es tritt beispielsweise zu Tage, wenn sich die Bewohner von Heilbronns größtem Stadtteil von den Stadtoberen bevormundet oder übergangen fühlen.

Mit einer je nach Sichtweise humorvollen oder ungehörigen Plakataktion hatten mutmaßlich angefressene Bürger im vergangenen Spätsommer ihrem Unmut über die Recylinghofverlagerung auf die Viehweide und die wilden Müllablagerungen dort zum Ausdruck gebracht. „Böckinger Seeräuber gegen Heilbronner Behördenwillkür“, „Früher Parkplatz, heute Müllplatz“ oder „Gestank ist hier Stadtteilkompetenz“ war auf den professionell gestalteten Bannern zu lesen. 

Neuer Recyclinghof in Böckingen: Die ersten Kunden sind zufrieden

Am vergangenen Freitag gab es auf der Viehweide bei der Eröffnung des neuen, provisorischen und viel diskutierten Recyclinghofs keine Protestaktionen. Vielleicht lag es am frühlingshaft-sonnigen Wetter, vielleicht am Entgegenkommen der städtischen Verwaltung oder einfach am gelungenen Ergebnis.

Feuer frei für den geordneten Mülleinwurf: Sven Lehmann (Mitte) war einer der ersten Besucher auf dem Interims-Recyclinghof in Böckingen.
Feuer frei für den geordneten Mülleinwurf: Sven Lehmann (Mitte) war einer der ersten Besucher auf dem Interims-Recyclinghof in Böckingen.  Foto: Ralf Seidel

Eine der ersten Kundinnen ist Karin Störzbach. „Die neue Lage ist für mich optimal, ich wohne in der Nähe und habe kein Auto.“ Thomas Kuhn lobt die deutlich verbesserte Zufahrt im Vergleich zum vorherigen Standort in der Leonhardstraße und die vielen Parkplätze auf dem Gelände. Mehrere Kunden loben den Service durch die Mitarbeiter vor Ort. Als „sehr aufgeräumt und übersichtlich“ bezeichnet Wolfgang Eichler den neuen Recyclinghof. „Das war vorher ja eine echte Müllhalde hier.“

Heilbronner Verwaltung hütet bislang das Geheimnis um den endgültigen Standort 

An den freu zugänglichen Wertstoffcontainern war es immer wieder zu wilden Müllablagerungen gekommen. Die Sammlungen für Altkleider und Altglas sind in den neuen Recyclinghof integriert worden und damit fortan umzäunt und kameraüberwacht. „Damit sollte dieses Problem erheblich abnehmen“, ist Ralf Nullmeier, Zuständiger für die Recyclinghöfe bei den städtischen Entsorgungsbetrieben, überzeugt. 

„Die Lösung ist okay“, sagt Andreas Schnepf. Der Sprecher des Bezirksbeirats in Böckingen ist gespannt, wie es jetzt weitergeht. Denn auf der Viehweide soll der Recyclinghof maximal für die nächsten fünf Jahre beheimatet sein. Dann soll er seinen endgültigen, neuen Standort finden. „Ich kenne ihn inzwischen, darf ihn aber nicht nennen“, sagt Schnepf. Baubürgermeister Andreas Ringle hatte bereits im vergangenen November bestätigt, dass man „einen endgültigen Standort im Auge habe“, aber wegen „laufender Verhandlungen nichts sagen“ könne. Offenbar sind diese Verhandlungen inzwischen zu einem positiven Ende gekommen, dennoch gilt die Verwaltungs-Omerta weiterhin.

Verbesserte Kommunikation nach Plakataktion in Heilbronn-Böckingen

Gerade die mangelnde Transparenz des Entscheidungsprozesses war bislang schon einer der zentralen Kritikpunkte im Stadtteil. Die an der Viehweide ansässigen Vereine von Union Böckingen über den ESV Heilbronn und die Kletterer des Alpenvereins sprachen teils sogar von einem „Diktat der Stadtverwaltung“. Die ursprünglichen Pläne für den Interims-Recyclinghof sahen den Wegfall von 60 Parkplätzen vor. In der überarbeiteten Version blieb die Anzahl der Parkplätze nahezu gleich, da das ebenfalls wenig ansehnliche Glasfaserkabellager aufgelöst und das Grünschnittlager verlegt wurde. 

Zudem werden aktuell die Parkplätze auf der Viehweide neu eingezeichnet, um das Wildparken zu verhindern und Höhenbeschränkungen installiert, damit dort keine Lkws und Busse mehr parken. „Es ist ein klarer Fortschritt zur Situation zuvor erkennbar“, lobt Matthias Kern. Der Betriebsleiter der Gartenlaube lobt den Austausch mit der Verwaltung, der sich in Folge der Plakat-Protestaktion deutlich verbessert habe. Ein Aushängeschild bei der Ortseinfahrt sei der Recyclinghof zwar immer noch nicht, aber dank der Umzäunung und Hecke auch kein Schandfleck mehr. 

Verlauf des Radwegs und ÖPNV-Anschluss sind weiterhin unklar 

Unklar sei aber weiterhin, wie und wo der geplante Rad-Schnellweg entlang oder über die Viehweide führen soll. Eine Erschließung durch den Öffentlichen Personennahverkehr sei ebenfalls überfällig. Zehn Minuten zu Fuß sind es bis zur nächstgelegenen Bushaltestelle. Diese offenen Fragen gepaart mit dem geheimen neuen endgültigen Standort für den Recyclinghof – nicht ausgeschlossen, dass sich in absehbarer Zeit doch wieder die Unbeugsamkeit der Böckinger Seeräuber Bahn bricht. 




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