Kritische Stimmen nach Besuch beim Fastenbrechen der Heilbronner Fatih-Moschee
Heilbronns Bürgermeisterin Agnes Christner war Gast beim Fastenbrechen der Fatih-Moschee. Sie gehört zur Milli-Görüs-Bewegung, die im Verfassungsschutz erwähnt wird.
War es Unwissenheit oder eine bewusste Entscheidung, am Fastenbrechen der Fatih-Moschee im Gemeindezentrum St. Martinus in Sontheim teilzunehmen? Heilbronns Bürgermeisterin Agnes Christner (67), erklärt, sie habe gewusst, wie der Verfassungsschutz die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) einschätzt, mit der die Fatih-Moschee verbunden ist. Ihre Teilnahme bedeute nicht automatisch eine politische Unterstützung der Organisation oder ihrer ideologischen Positionen. Laut Verfassungsschutz weist der Gründer von Milli Görüs antisemitische und antisemitische Züge auf.
Kritische Stimmen nach Besuch beim Fastenbrechen der Heilbronner Fatih-Moschee
Abdulkadir Yildizli (35) ist Sprecher der Fatih-Moschee. Man stehe für Frieden, die Achtung des Völkerrechts und eine Zweistaatenlösung, erklärt er auf Nachfrage. Kritik an staatlicher Politik dürfe weder das Existenzrecht infrage stellen noch in Antisemitismus oder Feindseligkeit gegenüber Juden umschlagen. Das gemeinsame Fastenbrechen repräsentiere den gegenseitigen Respekt, gesellschaftliche Verantwortung und gelebten Dialog in Heilbronn.
Israelitische Religionsgemeinschaft Württemberg hält sich an den Verfassungsschutzbericht
Avital Toren von der Jüdischen Gemeinde Heilbronn war in der Vergangenheit von der IGMG eingeladen worden. Seit der Erwähnung im Verfassungsschutzbericht gehe die 84-Jährige nicht mehr hin. „Wenn die Verwaltungsspitze hingeht, ist das ihre Entscheidung, nicht meine.“ Eine Erklärung dafür habe sie nicht. „Ich möchte auch nicht nachfragen.“ Ein Sprecher der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg teilt auf Nachfrage mit, dass man sich an den Verfassungsschutzbericht halte. Muslimische Glaubensgemeinschaften, die dort mit Antisemitismus in Verbindung gebracht werden, besuche man nicht.

Über die Einschätzung des Verfassungsschutzes zeigt sich der Hausherr des Gemeindezentrum St. Martinus, Pfarrer Markus Pfeiffer (59), überrascht. „Ich habe nicht so tief recherchiert, um wen es sich bei der IGMG handelt.“ Das Treffen habe er als positiv empfunden.
Das ist durchaus nicht ungewöhnlich. Nach außen kommuniziere die Moschee ganz anders, als sie nach innen mit ihren Mitgliedern spricht, erklärt der Journalist Erol Güvercin (45) im Interview.
Insider erklärt, wie die Milli-Görüs-Bewegung denkt und handelt
Kritisch wird vor allem das öffentliche Bekenntnis zu Milli-Görüs-Gründer Necmettin Erbakan in sozialen Medien gesehen, der als glühender Antisemit gilt. „Welches Bild wird der Jugend vermittelt? Ein Bild der Demokratiefeindlichkeit. Das ist ein fataler Schritt, Teile der migrantischen Jugend zu integrieren“, sagt Erol Ünal von der Fachstelle Türkischer Rechtsextremismus beim Bund Alevitischer Jugendlicher in Deutschland.
Der 36-Jährige war etwa 15 Jahre Teil diverser türkisch-muslimischer Moscheegemeinden und hat in seinem Buch „Der Abtrünnige“ über die Praktiken diverser Moscheegemeinden geschrieben. „Erbakan wollte ein politisches und wirtschaftliches System, das ausdrücklich islamisch geprägt ist. Er war also ein klarer Gegner des säkulären Staatsmodells.“
Ex-Kriminalbeamter kritisiert fehlende Trennung zwischen Politik und Religion
Für den ehemaligen Kriminalbeamten Andreas Mayer aus Neckargartach, der viele Jahre beim Landeskriminalamt Baden-Württemberg war, ist die Besonderheit am Islamismus, dass er zwischen Politik und Religion nicht trennt. „Islam ist die Religion. Und Islamismus ist eine politische Ideologie, die den Staat und damit unsere ‚ungerechte‘ freiheitlich demokratische Grundordnung in eine ‚gerechte‘ islamische Ordnung umformen will.“
Ein eindeutig islamistisches Merkmal der IGMG sei, dass sie auf Bundesebene Verhüllungsseminare für Mädchen und junge Frauen anbiete. Dort gehe es um die die absolute Kopftuchtrage- und Körperverhüllungspflicht. „Das hat für mich nichts mit Integration, sondern mit Abgrenzung zu tun.“
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