Volkstrauertag: Ein Tag der Trauer und der Mahnung

Heilbronn  Bei der Gedenkveranstaltung am Hafenmarktturm legten Oberbürgermeister Harry Mergel, der Reservistenverband der Bundeswehr sowie Soldaten- und Kriegsopferverbände Kränze nieder. Der Appell an die Menschen lautete, weiter hart für den Frieden zu arbeiten.

Von Joachim Friedl
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Der Reservistenverband der Bundeswehr sowie Soldaten- und Kriegsopferverbände erinnerten mit Kränzen der Toten. Foto: Andreas Veigel

Bei einer besinnlichen Gedenkfeier wurde gestern Vormittag am Hafenmarktturm in Heilbronn der Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker gedacht. Für die Stadt Heilbronn legte Oberbürgermeister Harry Mergel einen Kranz nieder. Außerdem erinnerten der Reservistenverband der Bundeswehr sowie Soldaten- und Kriegsopferverbände mit Kränzen der Toten. Bei kaltem, sonnigem Novemberwetter war auch der jüdische Friedhof "Im Breitenloch" gut besucht.

Aus der Vergangenheit die richtigen Schlüsse ziehen

"Dieser Tag ist ein Tag der Trauer, aber er ist auch ein Tag der Mahnung zu Verständigung und Frieden", sagte Oberbürgermeister Harry Mergel. Es gelte, die vielen schrecklichen Ereignisse in Verantwortung für unsere Kinder und Kindeskinder sowie des Planeten nicht zu vergessen. Mergel appellierte an die Menschen, aus der schmerzvollen Vergangenheit die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Überschaubar war die Zahl der Menschen, die den Weg zum Hafenmarktturm gefunden hatten. Es waren überwiegend ältere Mitbürger. Hin und wieder blieben Passanten stehen und lauschten den Worten von Konrad Pflug, Vorstandsmitglied des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Bezirksverband Nordwürttemberg. "Angesichts der Tatsache, dass persönliche Erinnerungen in den Familien immer mehr verblassen, wird die geschichtliche Erinnerung immer wichtiger", bemerkte Pflug.

Dabei dachte er nicht an Helden und Heldentaten, sondern an die Entwicklungen, die zu Krieg und Gewalt führten. Mahnend forderte Pflug dazu auf, die Lehren der Geschichte ernst zu nehmen und den Herausforderungen rational, nachdenklich und überlegt zu begegnen: "Nationalistische Gedanken sind Verrat an den Opfern beider Kriege."

Frieden ist nicht selbstverständlich

Der Frieden ist für Konrad Pflug nicht nur dann in Gefahr, wenn politische Auseinandersetzungen in Feindseligkeit und Krieg enden, sondern auch dann, wenn er für selbstverständlich angenommen werde. Mit Sorge blickt er auf die Gegenwart, in der wieder auf nationale Größe gepocht werde, nationale Egoismen sich breit machten und es Leute gebe, die das Elend und das Leid von damals verharmlosten: "Wir müssen deshalb hart für den Frieden arbeiten."

Für Hans-Christoph Murmann (75) aus Beilstein ist der Volkstrauertag ein Tag des Gedenkens an seinen Vater, der in russischer Gefangenschaft während des Zweiten Weltkriegs gestorben ist. "Sehr viel" bedeutet auch Hans Damke (83) die Gedenkveranstaltung am Hafenmarktturm: "Ich bin jedes Jahr hier. Mein Vater liegt irgendwo vermisst", sagt der Heilbronner nachdenklich.

Im Endkampf schwer verwundet

"Mit 17 wurde ich im Endkampf am Oderbruch verwundet", erzählt Fritz Mauer (91) und sagte: "So eine Zeit darf nie wieder kommen." Der 77-jährige Bernd Schweitzer ist gekommen, "um den gefallenen Soldaten, die für unser Vaterland gekämpft haben", zu gedenken.

Musikalisch begleitet wurde die Gedenkstunde vom Männergesangverein Urbanus Heilbronn und der Musikvereinigung Böckingen. Zu Ende ging die Veranstaltung mit dem Lied "Ich hatte einen Kameraden" und dem Deutschlandlied sowie dem Glockenspiel vom Hafenmarktturm.


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