Fusion der evangelischen Kirchenbezirke Neuenstadt und Weinsberg

Region  Die Kirchenbezirke Weinsberg und Neuenstadt schließen sich zusammen und bereiten sich dadurch auf schlechtere Zeiten vor. Denn sowohl die Anzahl an Pfarrstellen als auch die Höhe der Kirchensteuereinnahmen dürften auf lange Sicht weiter abnehmen.

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Evangelische Kirchenbezirke Neuenstadt und Weinsberg schließen sich zusammen: Eine Fusion auf Vorrat

Die Dekane Traugott Mack (v.l.) und Matthias Bauschert blicken zuversichtlich in die Zukunft.

Foto: Katharina Müller

Auch wenn es nicht gerade eine Hochzeit aus Liebe ist, Vorteile bringt sie den Partnern allemal. Der Zusammenschluss der Evangelischen Kirchenbezirke Neuenstadt und Weinsberg rüstet sie für die Zukunft, die nicht sehr rosig aussieht – zumindest was die Pfarrstellen angeht.

Der Bezirk Neuenstadt verliert bis 2024 vier Stellen, 18 bleiben übrig, erläutert Dekan Traugott Mack. Ganz ähnlich sei die Situation im Nachbarbezirk Weinsberg. Hochrechnungen für 2030 ergeben, dass der neue Kirchenbezirk Weinsberg-Neuenstadt wohl nur noch 28 Pfarrstellen haben wird. Derzeit umfasst er 56 .00 Protestanten. Durch die frühzeitige Fusion, die seit 1. Januar vollzogen ist, haben die Kirchenbezirke jetzt genug Zeit zusammenzuwachsen, sagt Mack: „Es ist eine Fusion auf Vorrat“.

Gefeiert wird sie mit einem Gottesdienst am Sonntag, 26. Januar, um 15 Uhr in der Johanneskirche in Weinsberg mit Landesbischof Frank Otfried July. Der Grundsatz bei der Fusion lautet: „Keine Gemeinde soll schlechter gestellt sein als vorher“, so Mack. Beide Dekanstellen bleiben deshalb erhalten. Die Geschäftsführung übernimmt 2021, wenn Mack in den Ruhestand geht, der Weinsberger Dekan Matthias Bauschert. Auf Dauer könnte die Dekanstelle in Neuenstadt jedoch wegfallen, prophezeit Mack.

Langenbeutingen gehört nun auch dazu

Die Bezirke mit ihren jeweiligen Kirchengemeinden bleiben unverändert bis auf eine Neuerung: Der Langenbrettacher Ortsteil Langenbeutingen gehört seit 1. Januar nicht mehr zum Kirchenbezirk Öhringen, sondern wie Brettach zum Bezirk Weinsberg-Neuenstadt. Damit habe man sich etwas mehr an die kommunalen Grenzen angeglichen, erklärt Mack.

Evangelische Kirchenbezirke Neuenstadt und Weinsberg schließen sich zusammen: Eine Fusion auf Vorrat

Die evangelischen Kirchenbezirke Weinsberg und Neuenstadt fusionieren.

Foto/Montage: Dennis Mugler/Sibylle Schmid

Die neue Bezirkssynode konstituiert sich im März. Und sie wird auf jeden Fall eines: „Groß“, sagt Dekan Bauschert. Waren es bisher 70 Delegierte, sind es künftig doppelt so viele. Kein Bezirk soll den Kürzeren ziehen. Was den Haushalt angeht, wird künftig ein gemeinsamer erstellt, es gibt nur noch einen Bezirksrechner. Auch die Mitarbeitervertretungen beider Bezirke vereinen sich.

Selbstständig bleiben die Jugendwerke, die Diakonischen Bezirksstellen und die Bezirkskantorate. Das Zusammenwachsen soll ohne Zwang erfolgen, betont Mack. Denn die Bezirke müssten sich auch erst kennenlernen. Sie hatten bisher kaum etwas miteinander zu tun.

Zuschuss von der Landeskirche

Durch die Fusion gehe es aber jeder der 47 Kirchengemeinden besser oder zumindest gleich gut, meint Mack. Dass liege auch an einem Zuschuss der Landeskirche Württemberg von einer halben Million Euro. Bei einer späteren Fusion, wenn das Kirchensteueraufkommen geringer gewesen wäre, hätte es diese Zuwendung wohl nicht gegeben, vermutet der Dekan. Jetzt konnten damit etwa Kündigungen vermieden werden und eine Effizienzsteigerung sei möglich. Denn der Zusammenschluss soll kein Mittel zum Sparen sein. Noch nicht. Mitte der 2020er Jahre wird das voraussichtlich anders aussehen. Wenn dann der „Sparzwang“ kommt, habe sich der Kirchenbezirk lange genug darauf vorbereiten können, sagt Mack.

Durch mehr Finanzkraft könne man jetzt innovative Projekte angehen – zum Beispiel neue Formen der Gemeindearbeit aufbauen. Was das konkret heißt, sei aber noch nicht klar. Mack verspricht sich auch neue Impulse durch die Zusammenarbeit von nunmehr 44 Pfarrern.

 


Katharina Müller

Katharina Müller

Autorin

Katharina Müller kam Anfang 2019 zur Heilbronner Stimme und schreibt nun seit September für die Regionalredaktion. Sie kümmert sich um Themen im östlichen und nördlichen Landkreis.

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