Wie eine Weingenossenschaft aus der Region Heilbronn den internationalen Markt erobern will
Auf den Weinbergen am Heuchelberg und Stromberg gewachsen gewachsen, in Rheinland-Pfalz verarbeitet und schließlich auf dem internationalen Markt zu kaufen: Die Weingenossenschaft geht ab nächstem Jahr neue Wege.

"Wir freuen uns auf die Zukunft", sagt Bernd Kost. Der Geschäftsführer der Weingärtner Stromberg-Zabergäu (WGSZ) und Vorstandsvorsitzender Jürgen Conz sind zuversichtlich, was die Aussichten für die Weingenossenschaft betrifft.
Seit längerem zeichnet sich ab, dass sich die Genossenschaft angesichts der Herausforderungen im Weinbau und der Vermarktung ihrer Produkte zukunftsfähig aufstellen muss. Jetzt stehen Veränderungen an. Mit neuen Handels- und Vertriebspartnern sowie einem veränderten Vertriebskonzept will die WG neue Wege gehen.
"Wir können nicht weiter Geld investieren und auf Image hoffen": Weingärtner setzen auf Wandel
Bisher war die Württembergische Weingärtner-Zentralgenossenschaft (WZG) in Möglingen für den Vertrieb von rund einem Viertel der jährlichen WGSZ-Produktion zuständig, darunter die populäre Linie "Luisas Weinkost". Die Erzeugnisse wurden unter der Marke "Weinheimat Württemberg" im Lebensmittelhandel verkauft. Umsatz und Absatz aus den Kampagnen blieb jedoch hinter den Erwartungen der WGSZ zurück.

Zuletzt habe man zwischen drei bis vier Cent pro erzeugtem Liter für den Werbe-Etat bezahlt, sagt Jürgen Conz. "Wir wünschten uns eine kundenorientiertere Vermarktung im Lebensmittelhandel." Veränderungsvorschläge seitens der WG hätten zu keiner Übereinkunft mit der Zentralgenossenschaft geführt. "Wir können nicht weiter Geld investieren und auf Image hoffen", macht WGSZ-Chef Bernd Kost deutlich.
Neue Wege beim Weinbau: Internationaler Markt-Einstieg soll vorangetrieben werden
Um die Weichen für den neuen Marketing- und Vertriebsweg zu stellen, kündigten die Weingärtner schon 2020 den Vertrag mit der "Weinheimat" auf, zwei Jahre später mit der Zentralgenossenschaft. Die Kündigungen werden im Dezember dieses Jahres wirksam. Die WGSZ verfügt künftig freier über ihre Mittel, löst sich auch von bestimmten Fixkosten. Messeauftritte muss sie nun anders organisieren.
Einen neuen Handelspartner gibt es schon: Ab 2025 wird das gesamte WGSZ-Sortiment von Mack & Schühle vermarktet. Der Lieferant, Distributor und Produzent aus Owen/Teck (Landkreis Esslingen) bezeichnet sich als "dynamische Unternehmensgruppe", die auch international tätig ist und Standorte in Italien und den USA betreibt.
"Wir freuen uns, mit Mack & Schühle einen kompetenten Vertriebspartner gefunden zu haben", sagt Bernd Kost, der den Einstieg auf dem internationalen Markt vorantreiben will. Im Kerngebiet ist die WG bereits "gut unterwegs, der Markt außerhalb ist für die Zukunft noch wichtiger", sagt Jürgen Conz.
Wie es an den Standorten Brackenheim und Bönnigheim weitergeht
Mit dem neuen Vertriebspartner wolle man in Zukunft neue, innovative Weinkonzepte entwickeln, um einen großen "Beitrag zur Stärkung der Wahrnehmung Württembergs zu leisten", sagt Bernd Kost. Den Einkäufern müssten sich "immer mehr attraktive Unternehmen aus dem Genossenschaftsbereich zeigen, die das "Württemberger Regal national und international attraktiver machen. Es geht uns dabei nicht um Wettbewerb zu unserem bisherigen Dienstleister oder anderen württembergischen Genossenschaften."
Ein weiterer Eckpfeiler für die Zukunft der WG ist die Neuausrichtung der Standorte Brackenheim und Bönnigheim. Bekannt ist bereits, dass der Strombergkeller in Bönnigheim mit Flaschenabfüllung, Lager und Logistik aus betriebswirtschaftlichen Gründen stillgelegt wird. Der Brackenheimer Standort soll ausgebaut und zur einzigen Verkaufsniederlassung der Genossenschaft werden.
In der Region gewachsen – in Rheinland-Pfalz weiterverarbeitet und international verkauft
Durch die Zusammenarbeit mit Mack & Schühle lagert die WG den Vertrieb der Produkte aus. Die Erzeugnisse für Export und Lebensmittelhandel werden künftig in Rheinland-Pfalz weiterverarbeitet, abgefüllt und an die Handelspartner ausgeliefert. Mit dieser Dienstleistung fahre man günstiger als die Produktion an beiden Standorten aufrecht zuhalten, sagt Jürgen Conz. Die zentrale Traubenannahme, das Pressen und Keltern erfolgt in Brackenheim, dafür muss unter anderem die Traubenannahme perspektivisch ertüchtigt werden.
Die Geschäftsführer sind von dem neuen Weg für die Weingärtner überzeugt. "Auf diese Lösung haben wir hingearbeitet", sagt Jürgen Conz.
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