Stimme+
Förderanträge sind raus

Viel vor: So soll der Dorfplatz in Widdern-Unterkessach zum Schmuckstück werden

   | 
Lesezeit  2 Min
audio Anhören
Erfolgreich kopiert!

Unebenheiten, wenig Grün und nur gelegentliches Programm: Der Ortschaftsrat in Widdern-Unterkessach möchte mit konkreten Plänen das Potenzial des Dorfplatzes am alten Rathaus nutzen.

Unterkessachs Ortsvorsteherin Dorit Ewers und Widderns stellvertretender Bürgermeister Günter Vogel mit den Plänen zur Neugestaltung des ehemaligen Ortskerns.
Unterkessachs Ortsvorsteherin Dorit Ewers und Widderns stellvertretender Bürgermeister Günter Vogel mit den Plänen zur Neugestaltung des ehemaligen Ortskerns.  Foto: Hagmann, Daniel

Buntes Laub, Blick in die Natur und eingefasst von Gebäuden, die schon allerlei Historisches erlebt haben. Der Platz am alten Rathaus in Widdern-Unterkessach verströmt gerade im Herbst eine beruhigende und charmante Atmosphäre. Dabei wird umso erkennbarer: Das 500 Quadratmeter große Areal an der ehemaligen Volksschule auf der anderen Straßenseite der Kirche und nur wenige Meter von Hörchers Bauernladen entfernt verfügt über viel ungenutztes Potenzial.

„Bereits vor der Corona-Zeit hatten wir für den Dorfplatz Umgestaltungspläne. Mit dem neuen Gemeinderat seit vergangenem Jahr und dem neuen Ortschaftsrat treiben wir das Projekt nun voran“, berichtet Ortsvorsteherin Dorit Ewers. Im vergangenen Frühjahr hat sich eine Gruppe interessierter Bürger getroffen, um Ideen zusammenzutragen. Schließlich war klar: Bis Ende September muss der Antrag fertig sein, um für die Maßnahmen Zuschüsse aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) des Landes Baden-Württemberg zu erhalten.

Widdern-Unterkessach: Auch Programm, wenn Kessachtal-Gasthaus geschlossen ist

Ewers betont: „Schon jetzt findet eine Belebung des Platzes statt.“ Das Gasthaus zum Kessachtal in Widdern-Unterkessach ist seit diesem Jahr renoviert und verströmt mit 45 Innenplätzen und einer Außenbewirtung heimeliges Ambiente. „Allerdings erfolgt der Betrieb im Ehrenamt. Derzeit ist einmal im Monat geöffnet“, berichtet Ewers. „Und wir wollen hier auch etwas bieten, wenn die Gaststube nicht geöffnet hat.“

Die Heroldsbude beim Dorfzentrum in Widdern-Unterkessach soll mit öffentlichen Toiletten ausgestattet werden.
Die Heroldsbude beim Dorfzentrum in Widdern-Unterkessach soll mit öffentlichen Toiletten ausgestattet werden.  Foto: Hagmann, Daniel

Dringend anzugehen ist der Untergrund. „Der Boden auf dem Platz ist total uneben. Wenn hier Veranstaltungen wie die Dorfweihnacht stattfinden, wird das Areal zur gefährlichen Stolperfalle“, erläutert Günter Vogel, der als stellvertretender Bürgermeister derzeit die Aufgaben des erkrankten Widderner Verwaltungschefs Kevin Kopf erledigt.

Pflanzen und wasserdurchlässige Pflastersteine auf dem Dorfplatz in Unterkessach

Angedacht ist, klimafreundliche Pflastersteine zu verlegen, die wasserdurchlässig sind und den Niederschlag versickern lassen. Ewers: „Unser Fokus liegt auf Ökopflaster, das auch die Wärme nicht speichert.“ Der Platz soll damit nicht nur sicherer, sondern auch umweltfreundlicher werden. Im Rahmen eines Studentenprojekts sind zudem kürzlich einige gute Ideen entstanden, wie man auch den Stadtkern von Widdern selbst aufwerten kann.

Darüber hinaus soll eine neue Bepflanzung die Aufenthaltsqualität erhöhen. Dazu soll es Hecken und natürliche Beschattung geben. Dorit Ewers berichtet: „Wir wollen Pflanzentöpfe und Sitzgelegenheiten installieren. Einen Überblick haben wir uns in der Interessensgruppe schon verschafft. Wenn es an die finalen Detailplanungen geht, holen wir noch einen Landschaftsplaner mit dazu.“

Widdern-Unterkessach: Öffentliche Toilette und mehr Verweilzeit

Auch alte, kaum genutzte und wenig attraktive Gebäude, die stellenweise schon Rost angesetzt haben, gilt es, ins neue Bild des Platzes zu integrieren. „Die sogenannte Heroldsbude gegenüber des Rathauses, am Eingang des Platzes, macht nicht viel her. Hier soll eine öffentliche Toilette reinkommen, die auch dann nutzbar sein wird, wenn das Kessachtal-Gasthaus geschlossen hat“, sagt Ewers.

Entwicklungsprojekt Ländlicher Raum (ELR)

Das ELR existiert in dieser Form seit 1995. In den vergangenen 30 Jahren hat das Land Baden-Württemberg Mittel in Höhe von 2,3 Milliarden Euro für die vier FörderschwerpunkteInnenentwicklung/Wohnen, Grundversorgung, Arbeiten sowie Gemeinschaftseinrichtungen bereitgestellt. Das Geld floss in 35.000 Projekte. In Unterkessach hat die Förderung bereits öffentliche Arbeiten wie die Renovierung des Bürgerhauses unterstützt. Zudem gab es Zuschüsse für private Vorhaben, zum Beispiel beim Umbau einer Scheune zum Einfamilienhaus. hag

Günter Vogel erklärt: „Natürlich soll der Platz im Rahmen von Veranstaltungen wie dem Maibaumfest von der Feuerwehr Unterkessach, dem Museumsfest und dem Weihnachtszauber die Menschen anziehen. Aber er soll auch dauerhaft – ohne ungewöhnlichen Anlass – zum Treffen und Verweilen einladen.“ Immerhin liegt Widdern-Unterkessach am Grünkernradweg. Der Platz soll dann zur Rast einladen. Und auch in der Widderner Nahversorgung soll sich einiges tun: Die Pläne für eine bald entstehende Filiale des Discounters Netto werden immer konkreter

Widdern-Unterkessach: Mit neuem Dorfplatz zu mehr Veranstaltungen?

Dorit Ewers: „Wichtig ist uns auch die Möglichkeit, eine Bühne aufzustellen. Wenn wir erstmal andere räumliche Gegebenheiten haben, können daraus wieder frische Ideen erwachsen. Wie zum Beispiel Sommerpartys und andere Veranstaltungsformate, die es derzeit in Unterkessach nicht gibt.“ Mit der Bewilligung des eingereichten ELR-Antrags rechnet Vogel im Mai 2026. Das Gesamtvolumen des Projekts liegt bei rund 200.000 Euro. Im nächsten Sommer soll es dann an die Feinplanung gehen. Günter Vogel: „Unser Ziel ist, dass Funktionalität und Schönheit des Platzes Hand in Hand gehen.“ 

Klar ist schon jetzt: Mit einer Fertigstellung zum Jubiläumsfest für 1.050 Jahre Unterkessach wird es nichts mehr. Ortsvorsteherin Dorit Ewers: „Das feiern wir am 12. und 13. September 2026 auf der Festwiese. Falls es aber wenige Wochen später mit dem Platz-Einweihungsfest hinhauen sollte, feiern wir gerne noch einmal.“

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben