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Wenn das Wasser fehlt: Sportbad Neckarsulm ist bis 6. Januar geschlossen

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Schrubben, schrauben, schön machen: Einmal im Jahr ist das Hallenbad am Fuße des Scheuerbergs dicht. Dann schlägt die Stunde der Handwerker und Putzleute. 

Für Techniker Andreas Ehrenfried sind es lange Tage im Sportbad Neckarsulm. Das Wasser ist abgelassen, die jährliche Revision steht an.
Für Techniker Andreas Ehrenfried sind es lange Tage im Sportbad Neckarsulm. Das Wasser ist abgelassen, die jährliche Revision steht an.  Foto: Blass, Valerie

Akkurat zusammengeklappt stehen die Badeliegen in Reihe auf dem Podest am Becken des Sportbads Neckarsulm. Niemand liegt hier. Das Licht ist aus, kein Plätschern ist zu hören, nur die große Wanduhr tickt gemächlich vor sich hin. „Achtung“, signalisiert das schwarz-gelbe Absperrband am Beckenrand: „Hier ist kein Wasser drin!

2700 Kubikmeter Wasser fasst das Becken des Sportbads Neckarsulm 

Es ist Tag fünf der Revision im Sportbad am Fuße des Scheuerbergs. Am Freitag zuvor hat Techniker Andreas Ehrenfried die Anlage außer Betrieb genommen. Bis 21.30 Uhr zogen die Neckarsulmer Triathleten noch ihre Bahnen im hellblauen Wasser, gegen 22 Uhr begann Ehrenfried alles abzuschalten – ein Prozess, der sich bis 4 Uhr morgens hinzog. Bis alle Filter rückgespült, also gereinigt seien, dauere das eben seine Zeit. 2700 Kubikmeter Wasser flossen danach aus dem Becken über die Kanalisation ab, dreieinhalb Tage hat das gedauert. 

Unter dem hochgefahrenen Boden des Beckens tauschen die Handwerker ein defektes Teil aus.
Unter dem hochgefahrenen Boden des Beckens tauschen die Handwerker ein defektes Teil aus.  Foto: privat

Einmal im Jahr ist eine Revision angesetzt. „Jedes normale Bad macht das“, sagt Ehrenfried nüchtern. Nur so könnten Becken und Anlage gründlich gereinigt und von allen Rückständen befreit werden. Nur so sei es möglich, die Mechanik zu überprüfen und Ausbesserungen an Duschen und Toiletten vorzunehmen. Die Sorgfalt lohnt sich. An der Antriebswelle für den Hubboden im Nichtschwimmerbereich des Beckens haben die Handwerker eine kaputte Lagerschale entdeckt – Ehrenfried zeigt einen unscheinbaren Gummiring mit zwei Löchern. Dieser kleine Defekt hätte dazu führen können, dass der Hebemechanismus sich verklemmt und nicht mehr bedient werden kann, erklärt er: „Deswegen ist regelmäßige Wartung wichtig.“ 

Unter dem Boden des Beckens arbeiten Handwerker 

Drei Männer mit Stirnlampen kümmern sich um den Defekt. Dafür sind sie mit einer Leiter durch eine Luke unter den Hubboden gestiegen. Das, was sonst der Boden des Beckens ist, haben sie jetzt über sich. Der Beckenboden ist derweil auf Bodenniveau angehoben, man kann darauf laufen. Kurze Zeit später springt die Anzeige für die Beckentiefe von 0.00 m und „Baden verboten“ auf 2.00 m um. Die Reparatur an dieser Stelle ist beendet, in anderen Bereichen geht sie weiter. 

Fliesenleger Andreas Schilling bessert die Fugen in der Herrendusche aus.
Fliesenleger Andreas Schilling bessert die Fugen in der Herrendusche aus.  Foto: Blass, Valerie

An der steilen Treppe von den Duschen zum Becken ist ein Mann mit Verputzen beschäftigt, in der Herrendusche bessert Fliesenleger Andreas Schilling die Fugen aus. Der Boden werde in solch einem Gebäude wegen der dauernden Feuchtigkeit und der ständigen Reinigung deutlich mehr beansprucht als in einem Privathaus, erzählt er. Deswegen müsse man das alle zwei Jahre machen. Auch die Ameisenplage hoffen sie zu beseitigen, erzählt Betriebsstellenleiter Tobias Laux. Seit Monaten sind die Tierchen überall im und um das Sportbad unterwegs, ein Kammerjäger kümmert sich jetzt. Parallel zu den Handwerkern sind die Mitarbeiter damit beschäftigt, das Becken gründlich zu putzen. Verunreinigungen durch Schweiß, Kosmetika und Schwebestoffe werden einmal im Jahr manuell entfernt, die restliche Zeit reinigt nachts ein Saugroboter den Boden.

Andreas Ehrenfried und Tobias Laux inspizieren den Fortschritt bei den Instandhaltungsarbeiten.
Andreas Ehrenfried und Tobias Laux inspizieren den Fortschritt bei den Instandhaltungsarbeiten.  Foto: Blass, Valerie

Normalerweise ist die Revision im Sommer

Normalerweise hat das Sportbad seine jährliche Revision im Sommer, erzählt Laux. Weil in diesem Jahr erst kurz vor den Ferien der neue Außenbereich in Betrieb genommen worden ist, habe man die Maßnahme ausnahmsweise Richtung Weihnachtsferien verlegt. „Wir wollten den Leuten die Möglichkeit geben, das neue Angebot auch zu nutzen, statt gleich wieder zu schließen.“ Manche hätten sich über die Lösung beschwert: „Aber wenn man den Leuten die Hintergründe erklärt, haben sie Verständnis.“

Andreas Ehrenfried steht auf dem hochgefahrenen Beckenboden. Die Bahnen sind neu eingezeichnet.
Andreas Ehrenfried steht auf dem hochgefahrenen Beckenboden. Die Bahnen sind neu eingezeichnet.  Foto: Blass, Valerie

Aber nicht immer bekommt jeder mit, was gerade ansteht. Die kurioseste Geschichte habe er im Aquatoll erlebt, erzählt Andreas Ehrenfried. „Da war alles eingerüstet, die Becken waren leer und wir waren mitten in den Arbeiten.“ Plötzlich sei ein Senior mit Badehose frisch geduscht vor ihm gestanden. Er habe nichts von der Revision mitbekommen und sei einfach zu Umkleiden und Duschen gelaufen, als niemand im Foyer saß, um ihn aufzuhalten. 

Vier Tage dauert es, bis das Becken wieder voll Wasser ist 

Bis 23. Dezember sollen die Handwerker fertig sein, danach beginnt Ehrenfried, das Becken wieder mit Wasser zu füllen. Vier Tagen seien dafür angesetzt, erzählt er. Vier weitere Tage dauert es, das Wasser auf die normale Betriebstemperatur von 28 Grad zu heizen. Ab 7. Januar ist dann wieder für Schwimmer geöffnet.

Die Leinen, die sonst die Bahnen voneinander trennen, warten jetzt im Keller auf ihren Einsatz 2025.
Die Leinen, die sonst die Bahnen voneinander trennen, warten jetzt im Keller auf ihren Einsatz 2025.  Foto: Blass, Valerie

Im Laufe des Januars sind außerdem Tests im laufenden Betrieb angesetzt, erzählt Betriebsstellenleiter Tobias Laux. Man wolle ausloten, wie Anlage und Gebäude auf höhere Temperaturen reagierten und dabei die Energiedaten erfassen: „Bekommen wir bei 30 Grad Wassertemperatur eine Tropfsteinhöhle?“, nennt er als ein Beispiel. 

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