Morgens um 6 Uhr im Sportbad Neckarsulm
Für Sport ist es nie zu früh: Schon Minuten bevor das Sportbad Neckarsulm am Fuße der Weinberge öffnet, warten die ersten Schwimmer auf Einlass. Sie ziehen vor der Arbeit ihre Bahnen.

"Guten Morgen." Claudia Scherbaum-Rühl sitzt an der Kasse des Sportbads in Neckarsulm und grüßt jeden freundlich, der vorbeiläuft und mit seinem Chip am Drehkreuz eincheckt. Doch um die Zeit kommt oft nur ein Brummeln zurück. Es ist 6.02 Uhr und die ersten Schwimmer betreten mit voll bepackten Taschen das Bad am Fuße des Scheuerbergs. "Um die Zeit sind die meisten Leute noch nicht so redselig", sagt die Kassenleiterin und lacht. "Die meisten wollen einfach ihre Bahnen schwimmen."
Mario Maric und sein Arbeitskollege und Freund Mahmut Dogan tun das gerade. Zweimal die Woche kommen die beiden zur Badöffnung her, sind voll ausgestattet mit Handbrettern, Schnorchel und Flossen. "Wir schwimmen einfach gern und machen das, um uns fit zu halten", sagt Maric und posiert dann mit seinem Schwimmpartner gut gelaunt für das Zeitungsfoto.
Rettungsschwimmer Ivan Gaab ist eine Institution
Eine Institution in dem Bad ist Rettungsschwimmer Ivan Gaab. Wer regelmäßig hierher kommt, kennt den Mann in rotem Shirt, der immer freundlich grüßt und mit dem einen oder anderen Badegast ein paar Worte wechselt. Seit zehn Jahren arbeitet er hier, heute hat er Frühschicht, "das ist gut, denn dann kann ich abends noch selbst ins Training, zum Fußball", sagt er.
In dem vor zehn Jahren eingeweihten Bad herrscht eine ruhige, entspannte Atmosphäre, Wen man auch anspricht, die Leute antworten freundlich, genießen offensichtlich ihre Zeit in der großräumigen Schwimmhalle, von der aus man einen malerischen Blick auf die Weinberge hat. "Das ist wie Urlaub hier", sagt eine Schwimmerin und lacht, während sie kurz am Beckenrand pausiert. Nadine Wix sagt, sie komme extra aus Lehrensteinsfeld nach Neckarsulm, um vor der Arbeit hier ein paar Bahnen zu ziehen. "Das gefällt mir einfach."

Jugendliche trainieren viermal pro Woche ab 6 Uhr
Ob es ihnen auch jeden Morgen gefällt hier zu sein, wird nicht klar, denn die drei Jugendlichen, die SUN-Cheftrainer Paul Harloff heute betreut, haben keine Zeit, Pressefragen zu beantworten. Sie schwimmen schließlich nicht zum Spaß, sondern um sich zu verbessern. Meistens ist die Gruppe größer, doch in dieser Woche sind viele auf Sport-Exkursion mit ihrer Schule. Harloff macht nach jeder Bahn Ansagen für neue Übungen und gibt Techniktipps. Viermal pro Woche kommen die Jugendlichen während der Schulzeit hierher zum Frühtraining von 6 Uhr bis 7.30 Uhr. 14 Jahre und älter sind sie. "Die meisten sagen, dass sie danach fitter in der Schule sind", sagt Harloff. Aber ihm mache das frühe Aufstehen schon jedes Mal zu schaffen, schiebt er hinterher und lacht.

Andreas Ehrenfried kümmert sich um die Technik
Während die einen oben ihre Bahnen ziehen, stellt er unten sicher, dass alles passt: Andreas Ehrenfried ist einer der Haustechniker für die Neckarsulmer Bäder. Den Job macht er seit 30 Jahren, "ich bin zufrieden", sagt er. Und technisch sei die Ausstattung top, "was viel Besseres gibt es nicht". An diesem Morgen stellt ihn Claudia Scherbaum-Rühl jedoch vor eine Herausforderung, die er nicht sofort bewältigen kann. Die Kaffeemaschine im Eingangsbereich zeigt eine Fehlermeldung an, "Mahlwerk kalibrieren", heißt es da. Ehrenfried ist ratlos "na toll, das gibt es in dem Menü gar nicht", sagt er. Während Ehrenfried mit der Kaffeemaschine kämpft, verlassen die ersten Frühschwimmer wieder das Bad. Es ist 6.38 Uhr, das Outfit der meisten ist jetzt wesentlich schicker als zuvor. "Manche bringen auch ihren Anzug mit und ziehen ihn nach dem Schwimmen direkt an", sagt Claudia Scherbaum-Rühl. Es seien eigentlich immer dieselben Leute, die an immer denselben Tagen zum Schwimmen kommen, sie kenne die meisten.

Gegen 8 Uhr wird es laut
Inzwischen ist es kurz vor 8 Uhr, Im Foyer sitzen Sechstklässler mit Schulranzen und Sportbeutel und warten auf Einlass. Die meisten erwachsenen Schwimmer haben das Bad verlassen, nur drei Senioren sind noch im Wasser. Paul Harloff, der auch Lehrer am nahen Albert-Schweitzer-Gymnasium ist, und eine Kollegin holen die Kinder ab - zehn Minuten später ist eifriges Gewusel im Bad. Bis abends um 21 Uhr wird noch geöffnet sein, neue Schwimmer werden kommen und den Ausblick auf den Scheuerberg genießen, während sie ruhig ihre Bahnen ziehen.


Stimme.de
Kommentare