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Versuchter Ehrenmord
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Abhörprotokoll der Polizei vor Heilbronner Gericht: Wegen Stolz und Ehre sollte Blut fließen

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Im Prozess gegen sieben Angeklagte vor dem Heilbronner Landgericht unter anderem wegen mutmaßlich versuchten Ehrenmordes haben weitere Zeugen ausgesagt. Eine Nachbarin sprach von ihrer Angst vor den Freunden der Beschuldigten.


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Einen „richtig lauten Knall“ habe eine 44 Jahre alte Zeugin am 9. September 2024 gehört. So erinnert sie sich an den Abend, als mindestens die sieben Angeklagten vor dem Heilbronner Landgericht vermummt und mit Schlagwerkzeugen, Springmesser und Pfefferspray bewaffnet gegen 21:13 Uhr versucht haben sollen, die Wohnungstür der Familie Erg. einzuschlagen, um Vater und Sohn der Familie zu töten.

Laut Staatsanwalt Michael Koch sei das Motiv für die Tat die Wiederherstellung der Familienehre gewesen. Weil der Sohn der Familie Erg. mit der Schwester des Hauptangeklagte E. an diesem Tag spazieren war.

Möglicher Ehrenmord-Prozess am Heilbronner Landgericht: Zeugin hat Angst vor Freunden des Angeklagten

„Ich dachte, ein Auto sei irgendwo dagegen gefahren“, schilderte die Nachbarin im Zeugenstand vor der zweiten Großen Jugendkammer. Daraufhin habe sie aus dem Fenster geschaut und gesehen, wie mehrere offenbar Jugendliche davonrannten.

Angst habe sie vor den Freunden der Angeklagten, so die Nachbarin im Zeugenstand. Weil der Freund ihrer Tochter im März von den Kumpels der Angeklagten „krankenhausreif geschlagen“ worden sei. Sie verstehe diese Gewalttat im Zusammenhang damit, dass auch ihre Tochter vor Gericht aussagen soll.

Laut Zeugin habe der Angriff auf ihren Freund nichts mit ihrer Zeugenaussage zu tun

Bei ihrer Vernehmung am Dienstag konnte die Tochter allerdings inhaltlich nicht viel beitragen. Auch sie habe einen lauten Knall, Geschrei und Jubel gehört. Gesehen habe sie aber nichts. Dass ihr Freund  zusammengeschlagen worden sei, hat nach Ansicht der 17-Jährigen nichts mit dem Prozess zu tun. „Es ging um Eifersucht“, sagte sie.

Bereits Stunden vor dem Überfall auf die Heilbronner Wohnung der Familie Erg. hatte der Angeklagte E. offenbar den Sohn der Familie Erg. beim Silcherplatz geschlagen und ein Video aufgenommen, auf dem der Geschädigte auf Knien sagen musste, er sei der größte Hurensohn, der je auf die Welt gekommen ist.

Gesehen hat das ein 30 Jahre alter Mann, der zufällig vorbeigekommen ist. Der Angeklagte habe den Kopf des knieenden Opfers mit beiden Händen festgehalten und mit dem rechten Knie „ziemlich stark gegen den Kopf geschlagen“. Der Zeuge habe gesagt, er solle aufhören. „Ich bin Kurde. Bei mir ist die Familie ganz oben“, habe der Angeklagte E. darauf geantwortet.

Aussage vor Heilbronner Landgericht: Zeuge meldet sich nach Stimme-Artikel bei Polizei

Wenig später habe sich die Situation aufgelöst. Der Angeklagte E. sei davongefahren. Der Mitangeklagte T., der bereits beim Silcherplatz dabei gewesen sein soll, sei mit dem Opfer weggegangen. T. soll E. im Vorfeld der Tat über den Spaziergang des Geschlagenen und Gedemütigten mit der Schwester informiert haben. Der 30-jährige Zeuge hatte sich bei der Polizei gemeldet, nachdem er einen Stimme-Artikel über den Vorfall gelesen habe. 

Für E. war die Sache damit aber offenbar nicht erledigt. Er wollte sich mutmaßlich für den Spaziergang mit seiner Schwester blutig rächen. Zumindest geht das aus dem Protokoll einer polizeilichen Innenraumüberwachung des Fahrzeuges des Vaters des Angeklagte T. hervor, mit dem der Beschuldigte unterwegs war. Bei der Abhöraktion gegen den Vater von T. ging es mutmaßlich um den Verdacht auf Drogengeschäfte.

Polizei-Abhörprotokoll ausgewertet: Von Baseballschläger und Machete soll die Rede gewesen sein

Demnach wollten E. und T. mehrere Leute zusammenrufen. Von 13 bis 15 Leuten war die Rede. Auch die Namen anderer Angeklagten sind offenbar gefallen. „Es wurde mehrfach formuliert, dass auch der Vater dafür bluten muss“, sagte im Zeugenstand der Polizeibeamte, der die Abhörmaßnahme ausgewertet hatte.

Jeder solle sich bewaffnen. Von Baseballschläger und Machete soll die Rede gewesen sein. Davon, dass viel Blut fließen werde, jeder 100 Prozent geben müsse, ein Messer haben und stechen solle, so der Polizist. Um „Ehre und Stolz“ sei es gegangen und darum, dass sie sich rächen wollten für das, was der Sohn gemacht hat.

Beim Überfall an der Wohnungstüre kam die Familie mehr oder weniger mit dem Schrecken davon. Sie stemmten sich gegen die Tür, die durch die Tritte der Angreifer teilweise aus den Angeln gehoben wurde.

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