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Landgericht Heilbronn
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Versuchter Ehrenmord? Mutmaßliche Täter und Opfer schieben sich gegenseitig Schuld zu

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Wegen der Familienehre sollen zwei Brüder versucht haben, ihren Schwager zu ermorden. Vor dem Landgericht Heilbronn schilderte das mutmaßliche Opfer den Angriff, die Angeklagten erzählen eine andere Version.


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Mit Messer und einem Schlüssel in der Faust sollen zwei Brüder am 18. Dezember vergangenen Jahres ihren Schwager in dessen Wohnung angegriffen und verletzt haben. Die Staatsanwaltschaft wirft den 33 und 29 Jahre alten Türken unter anderem gemeinschaftlich versuchten Mord vor. Motiv soll die Familienehre gewesen sein.

Im Streit mit seiner Frau soll das mutmaßliche Opfer deren Familie beleidigt haben. Bereits am Tag vor dem mutmaßlichen Angriff gegen den Schwager soll der Ältere der beiden das auf der Straße geparkte Auto des Geschädigten kaputt geschlagen haben.

Versuchter Ehrenmord? Mutmaßliche Täter und Opfer beschuldigen sich am Landgericht Heilbronn

Am Freitag, 11. Juli, sagte das mutmaßliche Opfer vor der Schwurgerichtskammer des Heilbronner Landgerichts aus. „Mir geht es gar nicht gut“, sagte der 33 Jahre alte gebürtige Türke. „Ich bin von meiner Familie getrennt worden, die ich liebe.“ Noch immer habe er Probleme mit den Nieren. Noch in diesem Monat habe er einen Termin bei einem Psychologen. Darüber hinaus werde er von der Familie der Angeklagten mit dem Leben bedroht. Demnach solle er seine Strafanzeige gegen die Brüder zurücknehmen.

Weil der Ehemann ihrer Schwester ihre Familie beleidigt haben soll, sollen zwei Brüder versucht haben, den Schwager zu ermorden. Sie müssen sich vor dem Landgericht verantworten.
Weil der Ehemann ihrer Schwester ihre Familie beleidigt haben soll, sollen zwei Brüder versucht haben, den Schwager zu ermorden. Sie müssen sich vor dem Landgericht verantworten.  Foto: Berger, Mario

Vom Angriff der Brüder am 18. Dezember sei er vollkommen überrascht gewesen. Sie hätten geklingelt, seine Frau habe die Türe geöffnet. „Der erste kam herein und hatte einen Schlüssel in der Hand“, so der Geschädigte. Die Faust sei geballt gewesen. Dabei habe die Spitze des Schlüssels zwischen den Fingern herausgeragt. „Dann kam die zweite Person hinein und zog ein Messer aus dem Hosenbund“, sagte der 33-Jährige.

Angreifer soll mit Schlüssel auf den Kopf des Geschädigten eingeschlagen haben

Während seiner Schilderung stand der Zeuge immer wieder von seinem Stuhl auf und gestikulierte ausladend, wie er angegriffen worden sei. Der Angreifer mit dem Schlüssel habe sofort seinen „Kopf festgehalten“. Damit meine er, er sei in den sogenannten Schwitzkasten genommen worden.

In dieser hilflosen Lage habe der Angreifer mit dem Schlüssel auf seinen Hinterkopf geschlagen. „Er hat meinen Kopf gelöchert. Meine Haare waren voller Blut.“ Gleichzeitig habe dessen Bruder seinen Rücken mit dem Messer verletzt, so das mutmaßliche Opfer.

Prozess am Landgericht Heilbronn: mutmaßliches Opfer berichtet von Angriff durch zwei Brüder

Seinen Kindern habe er es zu verdanken, dass er noch lebe. Sie hätten ihren Onkel mit dem Messer festgehalten, so der Geschädigte. Er habe sich aus dem Griff des zweiten Angreifers befreien können und versucht, die Türe zu öffnen. Das sei ihm zwar gelungen, seine Ehefrau habe die Türe aber wieder zugedrückt. Danach habe er die Türe noch einmal öffnen können und sei nach draußen gerannt.

Dabei habe er um Hilfe gerufen. Seine beiden Schwager seien ihm gefolgt. Auch draußen hätten sie ihn noch versucht, umzubringen. Durch seine Hilferufe seien aber Nachbarn aufmerksam geworden und nach draußen gekommen. Auch ihnen habe er zu verdanken, dass er noch lebe, so das mutmaßliche Opfer.

Ehefrau des mutmaßlichen Opfers macht von Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch

Zur Überraschung des Vorsitzenden Richters Martin Liebisch wollte die Ehefrau entgegen ihrer Ankündigung am ersten Prozesstag nicht vor Gericht aussagen. Sie machte als Familienangehörige von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch.

Die beiden angeklagten Brüder ließen dagegen ihre Anwälte deren Erklärung zur Sache verlesen. „Ich habe meinen Schwager geliebt wie meinen Bruder“, verlas Rechtsanwältin Sophie Bechdolf-Reif aus der Einlassung ihres Mandanten, der das Messer gehabt haben soll. Aber die Ehe zwischen dem Schwager und seiner Schwester sei schlecht gewesen. „Er hat begonnen, uns zu beleidigen. Mir bedeutet meine Familie alles“, so der ältere der Beschuldigten. Er habe auf das Auto seines Schwagers eingeschlagen.

Auch der Angeklagte, der den Schlüssel in der Faust gehabt haben soll, sprach von Beleidigungen gegen die Familie. Er sei darauf bedacht gewesen, den Streit nicht eskalieren zu lassen, verlas Rechtsanwalt Fabriz Volker.Die beiden Brüder erklärten über ihre Anwälte, dass ihr Schwager die körperliche Auseinandersetzung angefangen habe. „Er schlug ohne Vorwarnung in mein Gesicht“, so der Jüngere. Danach habe es Handgreiflichkeiten gegeben. Ein Messer habe er bei seinem Bruder nicht gesehen. Dass er selbst den Schwager mit seinem Schlüsselbund verletzt habe, könne in dem Getümmel passiert sein.

Brüder wurden kurz nach der mutmaßlichen Tat in Heilbronn von Polizeistreife verhaftet

Die beiden Brüder wurden bereits kurz nach der mutmaßlichen Tat verhaftet. Eine Polizeistreife, die zum Tatort in Heilbronn gerufen wurde, sah auf dem Weg dorthin in der Werderstraße zwei Männer. Die Beamten hielten die beiden an und stellten deren Personalien fest. Als einer der Polizisten Blut auf der Hand einer der Brüder sah, nahmen sie die beiden fest, berichtete ein Polizist im Zeugenstand. Er erinnerte sich daran, dass die beiden Männer außer Atem waren und sehr stark geschwitzt hatten.

Die beiden Brüder, die unter anderem wegen versuchten gemeinschaftlichen Mord an ihrem Schwager vor dem Landgericht Heilbronn stehen, wurden bereits kurz nach der mutmaßlichen Tat verhaftet. Eine Polizeistreife, die zum Tatort in Heilbronn gerufen wurde, sah auf dem Weg dorthin in der Werderstraße zwei Männer. Die Beamten hielten die beiden an und stellten deren Personalien fest. Als einer der Polizisten Blut auf der Hand einer der Brüder sah, nahmen sie die beiden fest, berichtete ein Polizist am ersten Prozesstag. Er erinnerte sich daran, dass die beiden Männer außer Atem waren und sehr stark schwitzt. 

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