Stark im Trend liegt Padel, eine Mischung aus Tennis und Squash. Es gilt in Spanien und Schweden als zweitgrößte Sportart, in Portugal und Italien ist es ähnlich. Deutschland zieht nach. Der Tennisclub Schwaigern mit 300 Mitgliedern hat vor zehn Jahren den ersten Padelcourt in Württemberg gebaut, um den drohenden Mitgliederschwund zu stoppen.
Hoher Zulauf bei Tennisclubs in Region Heilbronn und Hohenlohe – „wir boomen wahnsinnig“
Die Tendenz bei den Mitgliederzahlen der meisten Tennisclubs von Heilbronn bis Hohenlohe geht nach oben. Der TC Flein baut eine Tennishalle für 1,2 Millionen Euro.

Der Tennisclub (TC) Flein befindet sich im Aufwind. „Als ich 2024 als Vorsitzender angefangen habe, waren es 316, jetzt sind es 400 Mitglieder, davon 145 Kinder und Jugendliche“, freut sich Heiko Lüdemann. Dass sie dem Verein treu bleiben, sei aber keine Selbstverständlichkeit. Den Bau einer 1,2 Millionen Euro teuren Zwei-Feld-Tennishalle, die auch von externen Spielern genutzt werden kann, sieht Lüdemann deshalb „als nachhaltige Investition in den Verein, die Gemeinde und den regionalen Tennissport“.
Als Vorsitzender des Württembergischen Tennisbunds, Bezirk A, ist der Fleiner außerdem für 163 Vereine von Heilbronn über Ludwigsburg bis Bad Mergentheim zuständig und weiß: „Die meisten haben Mitgliederzuwächse von zehn Prozent oder mehr.“
„Sinkende Mitgliederzahlen gehen schnell ins Existenzielle. Nicht nur wirtschaftlich, sondern auch in punkto Vereinsleben“, so Lüdemann. Großes Augenmerk liege auf der Nachwuchsarbeit. „Kinder und Jugendliche zu halten, steht und fällt mit den Gelegenheiten für den Sport und mit der Bereitschaft der Eltern, sich einzubringen.“
Viele Tennis-Hallenplätze kommerzieller Anbieter gibt es nicht mehr
Damit ihre Sprösslinge auch im Herbst und Winter Tennis spielen können, müssen Fleiner Eltern sie in die Hallen nach Weinsberg, Neckarwestheim oder Lauffen fahren. „Sonst besteht die Gefahr, dass die Kinder durch die Winterpause aufhören“, sagt Lüdemann. In den letzten 15 Jahren seien 20 Hallenplätze kommerzieller Anbieter verloren gegangen, die auch von Vereinen gebucht wurden.
Der Mitgliederzuwachs beim TC Flein sei nicht zuletzt den Plänen für den Hallenbau geschuldet. „Weil die Leute sehen: ,Hoppla, da tut sich was’.“ Finanziell zu stemmen ist so ein Projekt natürlich nicht alleine: Die Gemeinde hat eine Investitionskostenförderung von bis zu 320.000 Euro zugesagt und bürgt für den Kredit in Höhe von 575.000 Euro. Vom Württembergischen Landessportbund (WLSB) erwartet der Club rund 260.000 Euro.
Dass Tennis wieder im Kommen ist, spürt auch Wolfgang Ocker vom TC Grün-Weiß Ilsfeld: In den vergangenen drei Jahren sei die Mitgliederzahl um mehr als hundert auf 430 Mitglieder gestiegen. „Es zeigt sich, wie wichtig eine gute Vereinsstruktur und gute Jugendarbeit sind“, betont der Vorsitzende. Wesentliches Element beim TC Grün-Weiß seien die Kooperationen mit den örtlichen Kindergärten und Schulen.
Tennis boomt auch in Heilbronn
„Wir boomen wahnsinnig. In den letzten drei Jahren von 750 auf 950 Mitglieder, davon 350 Kinder und Jugendliche“, ist Heiko Hummel vom TC Heilbronn am Trappensee stolz. Auch insgesamt sieht der Vorsitzende bei Tennisvereinen eine Tendenz nach oben. An was es liegt, kann er nicht festmachen: „Daran, dass deutsche Tennisspieler wieder mehr Erfolge haben oder daran, dass manche Padel anbieten?“
Sein Verein gehöre mit 34 im Spielbetrieb gemeldeten Mannschaften zu den Top fünf der größten Clubs in Baden-Württemberg. Mit neun Außen- und drei Hallenplätzen stoße er jedoch platzmäßig an Kapazitätsgrenze. „Wir sind im Austausch mit dem TC Flein, um eventuell deren Halle zu nutzen“, sagt Hummel.
Hohenloher Kinder eifern eher Eltern statt Tennisstars nach
Steigende Mitgliederzahlen meldet auch die Tennisabteilung der TSG Hohenlohe in Öhringen. 338 waren es Ende 2021, mit 380 Mitgliedern schloss der Verein das Jahr 2025 ab. Was sind die Gründe? „Ein motiviertes Trainerteam, ambitionierte Ehrenamtliche und eine familiäre Vereinsatmosphäre“, sagt Erste Vorsitzender Thomas Kobold. „Alexander Zverev ist sicherlich ein Idol. In unserem Verein eifern Jugendliche aber eher den erfolgreich im Verein spielenden Erwachsenen nach, die sie live erleben können: Unsere Herren 30 spielen in der Württembergliga, die Damen I glänzen in der Verbandsliga.“
Reichen die Platzkapazitäten aus? „Wir würden gerne die Anlage um weitere Plätze erweitern. Leider sieht das der Bebauungsplan nicht vor“, bedauert Kobold. Zumindest konnten zwei Plätze mit einer Flutlichtanlage ausgestattet werden. „Somit ist das Spielen abends noch länger möglich.“
Neben sechs Außenplätzen verfügt der Verein über eine Tennishalle mit zwei Plätzen. „Die sechs Sand-Außenplätze sind von Frühling bis Herbst vom Nachmittag bis in die späten Abendstunden fast immer alle belegt“, so Kobold. Und: „Die zwei Hallenplätze reichen in der Herbst- und Wintersaison bei weitem nicht aus, um den Bedarf zu decken.“
Keine Förderung für Padelplätze in Öhringen
Was sagt er dazu, dass eine Gemeinde wie Flein für den Neubau einer neuen Tennishalle mit der Hälfte der Baukosten bürgt? „Grundsätzlich begrüßen wir die Unterstützung von Städten und Gemeinden, wenn der Verein nicht über die finanziellen Mittel verfügt. Leider hat der Gemeinderat der Stadt Öhringen unserem Verein jüngst kein grünes Licht für eine Förderung der Padelplätze gegeben, obwohl diese die Attraktivität der Stadt noch weiter steigern werden“, beklagt Kobold. „Bei uns stellt sich die Frage nach einer neuen Halle aktuell nicht, da eine Erweiterung aus baurechtlicher Sicht Stand heute nicht möglich ist. Dies bedauern wir.“
Konstant geblieben sind die Mitgliederzahlen in den vergangenen zehn Jahren beim Tennisclub Ingelfingen. Immer mehr Kinder und Jugendliche stoßen dazu. Der Grund: „Eine leistungsfähige Tennisschule mit ansprechender Vereinsinfrastruktur“, sagt Vorstand Klaus Schmidt. „Die TV-Idole Alcaraz, Sinner und Zverev sind ihre Vorbilder.“
Vor allem die Tennishalle werde immer stärker genutzt. Die Online-Buchung sei einfach und Spiele zu fast jeder Uhrzeit möglich. „Wir planen keinen Ausbau unserer Kapazitäten, haben aber in den letzten Jahren sowohl die Halle als auch die Plätze umfangreich renoviert, im Freien gezwungenermaßen durch starke Hochwasserschäden.“ Die Stadt Ingelfingen habe den Verein dabei spontan und umfassend unterstützt.
Padel liegt im Trend – Mischung aus Tennis und Squash
„Man muss etwas tun. Flein baut die Halle, wir haben Padel. Von vier Anmeldungen sind drei für Padel“, sagt der Vorsitzende Uwe Mewes. Beim Tennis kämen vor allem Kinder und Jugendliche neu dazu. „Beim Padel haben wir viele Spieler zwischen 25 und 50“ – eine Altersgruppe, bei der es in vielen Sportvereinen eine Lücke gibt. Aktuell sei der Bau eines zweiten, 85.000 Euro teuren Padelcourts geplant. Mewes: „Der erste ist permanent belegt, auch von externen Spielern.“
Auch die Tennisabteilung der TSG Hohenlohe in Öhringen hat mit dem Bau von zwei Padelplätzen begonnen. Kosten: rund 200.000 Euro. Im April oder Mai 2026 sollen sie fertig sein. Im Frühjahr 2025 wurde bereits ein Pickleball-Platz eingeweiht.
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