Suedlink-Stromtrasse im Kreis Heilbronn: Arbeiten gehen jetzt tief unter die Erde
Für die Suedlink-Stromtrasse entsteht in Bad Friedrichshall ein neuer Schacht. In Züttlingen wird die Jagst untertunnelt. Ein Landwirt kritisiert: „Es gibt nach wie vor Probleme.“
Die Arbeiten an der 700 Kilometer langen Stromtrasse von Brunsbüttel bis nach Leingarten schreiten voran. Ziel ist, dass Ende 2028 Windstrom aus dem Norden in den industriereichen und damit energieintensiven Süden Deutschlands fließen kann.
Für das Milliarden-Projekt sind in der Region Heilbronn viele Arbeiten notwendig. Auf Hochtouren läuft derzeit die mit 1300 Metern längste Untertunnelung der Jagst zwischen dem Möckmühler Stadtteil Züttlingen und dem Neudenauer Teilort Siglingen.
100 Tonnen schwere Kabeltrommeln für Suedlinktrasse werden transportiert
Bereits im April und Mai sollen die ersten Kabel in die vorbereiteten Schächte eingezogen werden. Dazu müssen die bis zu 100 Tonnen schweren Kabeltrommeln vom Lagerplatz beim Heilbronner Hafen zu den einzelnen Baustellen transportiert werden. In Widdern, so Transnet-Projektsprecherin Louisa Oeltjenbruns, wird eine Transportplattform führerlos per Fernsteuerung navigieren müssen, weil der Schwertransport gar nicht durch die engen Gassen manövrieren könnte.
Auch in Oedheim und Neuenstadt werden die Kreisverkehre vorbereitet, damit die Gefährte passieren können. Ein „Abspulplatz“ für die 1,9 Kilometer langen Kabel wird zur Zeit zwischen den Neuenstädter Weilern Lobenbacher Hof und Buchhof gebaut. „Das sieht aus wie eine Autobahnraststätte“, sagt Landwirt Matthias Belz.
„Sieht aus wie eine Autobahnraststätte“: Landwirt beklagt Flickwerk
Vergangenes Jahr hatte es einigen Ärger gegeben, weil aus Sicht der Bauern Absprachen zu Wegen und der Wiederauffüllung der Grabungen nicht eingehalten worden seien. Mittlerweile seien immerhin die Entschädigungen geflossen, so Belz. „Es gibt aber nach wie vor Probleme.“ Feldwege seien „kaputt“, es gebe noch „viele Löcher und Stückwerk“. Die Kommunikation sei insgesamt schwierig, beklagt der Landwirt.
Auch über die Sprengungen am Schacht Kochendorf sei man nicht informiert worden. „Die Kollegen, die ihre Betriebe in der Nähe haben, berichten, dass die Hütte ganz schön gewackelt hat“, so Belz. Laut Transnet sei die Erstellung des Vorschachts mit rund 50 Metern Tiefe abgeschlossen. „Aktuell läuft die Umbauphase für das Hauptschachtteufen zum Erreichen des Niveaus von circa 200 Meter Tiefe“, teilt Louisa Oeltjenbruns mit. Weithin sichtbar ist das hierfür notwendige Teufgerüst mit einer Höhe von rund 40 Metern.
Suedlink-Bohrung in Möckmühl führt zu verschlammten Feldern
Durch die untertägige Verlegung auf 16 Kilometern Länge durch die Grubenbaue der Südwestdeutschen Salzwerke kann der Ballungsraum rund um Heilbronn mit seiner dichten Bebauung, den Gewerbeflächen, Gewässern und Autobahnen gut umgangen werden. Die Bohrungen, wie aktuell in Möckmühl, sind sehr aufwendig und werden von einer US-amerikanischen Fachfirma ausgeführt.
Immer wieder kommt es dabei vor, dass das für die Spülbohrung benutzte Tongemisch Bentonit austritt. Anfang Februar habe dies zu einer Verschlammung der Felder oberhalb des Möckmühler Plankenhofs geführt. Das Mittel sei aber im Hinblick auf seine Umwelteigenschaften zertifiziert, eine Gefahr bestehe nicht, so der zuständige Bau-Oberleiter Andreas Wetzel.
Uni Hohenheim: Wärme durch Suedlink-Kabel führt nicht zu Ertragsminderung
Für den Stromtransport werden im südlichen Zweig ab Würzburg bis zum Konverter Leingarten zwei Gleichstromleitungen verlegt. Die 15 Zentimeter dicken Kabel transportieren bei einer Spannung von 525 Kilovolt Strom mit einer Leistung von zwei Gigawatt. Dabei erwärmt sich das umliegende Erdreich.
Auf einem Versuchsfeld in Kochendorf hat die Uni Hohenheim ermittelt, wie sich das wärmere Erdreich auf das Wachstum und den Ertrag von Ackerpflanzen auswirkt. Nach den Erkenntnissen der Forscher bewirkt die leicht erhöhte Bodentemperatur sogar ein etwas schnelleres Wachstum, insgesamt könne man auf jeden Fall keine Schäden oder eine Ertragsminderung feststellen.
Problematisch könnten die bis zu 200 Tonnen schweren Transporte der Kabeltrommeln werden. „Die Straßen müssen dafür ausgelegt sein“, betont der für den Abschnitt Möckmühl zuständige Bau-Manager Raffael Böhm. Teilweise müssen Feldwege ausgebaut und mit Stahlplatten belegt werden.
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