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Bau der Suedlink-Stromtrasse: Kilometerlange Bohrung unter der Jagst im Kreis Heilbronn

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Rund um die Uhr wird in Möckmühl-Züttlingen an der 1300 Meter langen Suedlink-Stromtrasse gearbeitet. Spannend wird der Kabeltransport unter anderem durch Widdern. 


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An der Beleuchtung und dem Brummen der Generatoren ist die Suedlink-Baustelle oberhalb von Züttlingen auch nachts zu erkennen. „Wir arbeiten rund um die Uhr“, sagt der zuständige Baulos-Manager Raffael Böhm. Rund 150 Menschen sind im Baulager Möckmühl (Landkreis Heilbronn) stationiert. 

Teilweise kommen die in Hotels und angemieteten Wohnungen in der Umgebung untergebrachten Facharbeiter aus den USA und Großbritannien. Viel Muße, um den schönen Blick ins Jagsttal zu genießen, haben die Bohr-Experten aber nicht. Es geht darum, vor allem sicher und schnell zu arbeiten. 

Suedlink-Projekt: Erste Bohrung unter der Jagst ist schon fertig

Der erste Tunnel ist schon gegraben, beziehungsweise richtigerweise gebohrt. Wegen der teilweise schwierigen Geologie habe man sich in den süddeutschen Abschnitten der 700 Kilometer langen Kabeltrasse in vielen Abschnitten gegen die sonst übliche offene Bauweise per Grabung entschieden, erläutert Projektsprecherin Louisa Oeltjenbruns.

In einer HDD-Bohrung (Horizontal Directional Drilling) wird zunächst eine Pilotbohrung mit einem steuerbaren Bohrkopf durchgeführt. Und zwar von beiden Seiten: Auch oberhalb von Siglingen findet eine solche Bohrung statt. „Wir müssen die Straße, die Bahntrasse und die Jagst unterqueren“, sagt Bau-Oberleiter Andreas Wetzel. 

Damit die beiden Pilotkanäle aufeinander treffen, müssen die jeweils rund 700 Meter langen Bohrgestänge zentimetergenau aufeinander treffen. Dass das klappt, beweist die eine Bohrung, die schon fertig ist. 

Projektsprecherin Louisa Oeltjenbruns, Baulos-Manager Raffael Böhm und Bau-Oberleiter Andreas Wetzel (von links) am bereits fertig gestellten Kabelkanal. Im Hintergrund ist die Bohrmaschine zu sehen.
Projektsprecherin Louisa Oeltjenbruns, Baulos-Manager Raffael Böhm und Bau-Oberleiter Andreas Wetzel (von links) am bereits fertig gestellten Kabelkanal. Im Hintergrund ist die Bohrmaschine zu sehen.  Foto: Wittmer, Frank

An der Jagst zwischen Züttlingen und Siglingen wird gleich zweimal gebohrt

Im Abstand von rund 30 Metern findet gerade die zweite Bohrung statt. „In den Kabeln fließt Gleichstrom mit plus und minus, daher müssen wir einen Abstand einhalten“, erklärt Wetzel. Nach der Pilotbohrung wird der Kanal mit einem Räumwerkzeug aufgeweitet. Dann wird dass Kabelschutzrohr aus massivem Stahl an das Bohrgestänge geschraubt und rückwärts durch den Kanal eingezogen.

„Im Moment liegt hier nur ein Leerrohr“, so Wetzel weiter. Das kann sich aber sehen lassen: Fast baumdick ist die Röhre, die aus dem ersten Bohrloch herausschaut. Die Kabel, die erst nächstes Jahr eigezogen werden, sind dann immer noch 15 Zentimeter dick. 

Der Transport der 60 Tonnen schweren Kabeltrommeln wird spannend

1,9 Kilometer lang ist so ein Erdkabel. Die bis zu 100 Tonnen schweren Kabeltrommeln sind derzeit am Heilbronner Hafen gelagert. Spannend wird der Transport vor Ort. Die Kreisverkehre in Neuenstadt und Oedheim werden derzeit schon für die 180-Tonnen-Schwertransporte vorbereitet. Um durch die engen Gassen von Widdern zu kommen ist sogar ein ferngesteuerter Transporter ohne Führerhaus notwendig. 

Mit 1,3 Kilometern Länge ist die Bohrung unter der Jagst die längste auf der insgesamt 700 Kilometer langen Trasse. Auch unter dem Kocher bei Oedheim wurde schon durchgebohrt. Als letzte Unterquerung steht noch die Seckach an. „Das wollen wir nächstes Jahr angehen, wenn wir hier an der Jagst fertig sind“, stellt Raffael Böhm in Aussicht. 


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Spülmittel Bentonit tritt aus: Tongemisch gilt als unbedenklich

Immer wieder kann es vorkommen, dass das bei der Bohrung als „Spülmittel“ benutzte Tongemisch Bentonit austritt. Die Verschlammung zwischen Siglingen und Züttlingen Anfang Februar sei durch eine Störung mit Austritt der Spülsuspension zustande gekommen, erklärt Louisa Oeltjenbruns. Allerdings, darauf weisen die Projektverantwortlichen wie auch das Landratsamt Heilbronn hin, ist das Tongemisch Bentonit auf seine Umweltverträglichkeit hin zertifiziert. 

„Diese Störung besteht in kontrollierter Form weiterhin“, so Oeltjenbruns. „Es kommt jedoch zu keinen Spülungsverlusten.“ Vielmehr werde die Austrittsstelle als „kontrollierte Entlastung“ für die Bohrung genutzt. Die austretende Spülflüssigkeit sammelt sich in einem Pumpensumpf und kommt in den Spülkreislauf zurück.

Die Bentonit-Brühe wird vor Ort aufbereitet. Auch dafür laufen die Generatoren und muss mit Tanktransportern Wassernachschub über die Feldwege angeliefert werden. Wenn es bei der Bohrung erneut zu „Ausblasungen“ kommen sollte, wird der Schlamm aufgenommen. Die Stroh-Ballen dienen eigentlich als Lärmschutz, können bei Bedarf aber auch zum „Wischen“ benutzt werden. 

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