Heilbronn diskutiert Partnerstädte: Clovis als Kandidat, Noworossijsk auf Prüfstand
Freie Wähler stellen Anfrage zu einer möglichen Städtepartnerschaft mit Clovis in Kalifornien. Debatte um das russische Noworossijsk dürfte wieder aufflammen.

Einer innigen Verbindung geht manchmal ein zufälliges Zusammentreffen voraus. Vielleicht auch im Fall einer möglichen siebten Partnerstadt für Heilbronn. Herbert Burkhardt, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Gemeinderat, hatte seinen früheren Polizeikollegen Dieter Bertsch beim Einkaufen getroffen. Der wiederum hatte Drew Bessinger im Schlepptau, seines Zeichens Stadtrat in Clovis im US-Bundesstaat Kalifornien.
Nach der Stationierung als Soldat der Stadt verbunden geblieben
Als US-Soldat war Bessinger Ende der 70er Jahre in Heilbronn stationiert, hat nach seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten den Kontakt aufrechterhalten und war immer wieder zu Besuch in Deutschland. Aus seiner politischen Funktion heraus, hatte er bereits eine offizielle Anfrage an die Stadt hinsichtlich einer denkbaren Partnerschaft gestellt, allerdings wohl keine Antwort erhalten.
Burkhardt nahm sich nun des Themas an, stellte eine Gemeinderatsanfrage an die Stadtverwaltung. „Unser Antrag ist völlig ergebnisoffen formuliert. Es geht erst einmal nur darum, zu prüfen, ob Clovis ein geeigneter Kandidat sein könnte“, erklärte Burkhardt. Von Größe und Struktur her, sei die Stadt mit Heilbronn vergleichbar.
Die Partnerschaft mit Noworossijsk ist seit längerem umstritten
In der Anfrage der Freien Wähler wird auch die derzeit umstrittenste Partnerstadt Heilbronns thematisiert: „Die Partnerschaft mit der russischen Stadt Noworossijsk solle auf den Prüfstand gestellt werden“, heißt es darin. Seit Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine ruht die Partnerschaft mit Noworossijsk. Die Stadt am Schwarzen Meer war im Jahr 2019 der jüngste Zuwachs im Kreise der Partnerstädte gewesen. Im Oktober vergangenen Jahres hatte die Junge Union Heilbronn gefordert, die Partnerschaft zu beenden. CDU-Fraktionssprecher Thomas Randecker unterstützte die Initiative der Nachwuchsorganisation allerdings nicht. Man müsse Brücken erhalten, „Gespräche mit den Menschen erlauben“. Ein Jahr zuvor war er noch anderer Meinung gewesen: „Wir sollten die Partnerschaft nicht nur ruhen lassen, sondern ganz aufgeben.“
Oberbürgermeister Harry Mergel verschob eine endgültige Entscheidung: „Die Partnerschaft mit Noworossijsk ist eine noch junge Verbindung, die bisher nicht viel Zeit hatte, zu wachsen. Wie die Zukunft dieser Partnerschaft aussehen soll, werden wir zu gegebener Zeit entscheiden“, erklärte das Stadtoberhaupt im Oktober. Burkhardt plädiert für ein Ende der Partnerschaft, nicht nur aus politischen Gründen: „Für private Besuche ist die Stadt schwer erreichbar und kaum jemand spricht Russisch.“ Die Bundestagsabgeordneten Alexander Throm (CDU) und Michael Link (FDP) hatten die Kontakte nach Russland einst angestoßen.
Politische Gegensätze blieben beim Jubiläumsbesuch außen vor
Die langjährigste Partnerschaft Heilbronns mit dem französischen Béziers feierte im vergangenen Jahr ihr 60-jähriges Bestehen, ist aber spätestens seit dem Amtsantritt des vom Rassemblement National unterstützten Bürgermeisters Robert Ménard im Jahr 2014 politisch zumindest heikel. Dennoch reiste eine Heilbronner Delegation um Mergel zum Jubiläum nach Südfrankreich. Vor Ort wurden die Gemeinsamkeiten und Parallelen betont, die unterschiedlichen politischen Grundhaltungen blieben im Hintergrund.
Im August 2024 waren letztmals neue potenzielle Kandidaten für Städtepartnerschaften ins Spiel gebracht worden. CDU-Stadtrat Thomas Aurich schwebten Meran in Südtirol und Las Palmas auf Gran Canaria vor. In diesen beiden Fällen hat sich aus der bloßen Erwähnung bislang jedoch noch keine innigere Verbindung ergeben.
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