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Langenbrettach

Wie nachhaltig ist die Papiertasche?

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Auf diese Frage gibt der Langenbrettacher Unternehmer Volker Riedle eine differenzierte Antwort. Richtig genutzt seien Papiertaschen Plastiktüten überlegen, ist der Geschäftsführer von Riedle Bags überzeugt.

Graspapier ist eine nachhaltige Alternative zu klassischem Papier. Bei Riedle Bags setzt man verstärkt darauf.
Riedle
Graspapier ist eine nachhaltige Alternative zu klassischem Papier. Bei Riedle Bags setzt man verstärkt darauf. Riedle  Foto: Harry Zier

Wie nachhaltig sind Papiertüten? Bei dieser Frage scheiden sich die Geister. Es gibt zahlreiche Studien, die Papiertüten eine schlechtere Ökobilanz attestieren als etwa Plastiktüten - obwohl es sich bei Papier um einen nachwachsenden, recyclebaren Rohstoff handelt. Doch Papiertaschen bestehen nur selten aus dem kurzfaserigen Recyclingpapier, weil sie sonst zu schnell reißen würden. Um robuste Papiertaschen herzustellen, braucht man frische, längere Holzfasern. Diese sind rund drei Mal schwerer als normale Plastiktüten, entsprechend höher ist der Verbrauch an Material und Energie bei der Herstellung. Auch kommen dabei meist Chemikalien wie Natronlauge, Sulfite und Sulfate zum Einsatz.

 


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Einseitige Diskussion

"Das stimmt alles", sagt Volker Riedle. Der Geschäftsführer der Langenbrettacher Firma Riedle Bags begrüßt zwar, dass die Verbraucher für das Thema Nachhaltigkeit sensibilisiert seien. Ihn stört jedoch die Einseitigkeit der Diskussion, die oft mit dem Fazit endet, dass Papiertüten von der Ökobilanz her nicht besser als die Alternativen seien. Denn es komme immer auf den Einsatzzweck der jeweiligen Tüte an. Bei Einmal-Produkten wie etwa Bäckertüten stimme die Analyse, sagt Riedle. "Ich bin nicht damit einverstanden, dass für One-Way-Produkte Bäume sterben müssen", stellt er klar.

Riedle unterscheidet daher zwischen Papiertüten und Papiertaschen, wie sein Unternehmen sie seit 27 Jahren vor allem zu Werbezwecken herstellt. "Wir bauen unser Produkt für die Wieder- und Wiederverwendung", erklärt der Unternehmer. Eine Papiertasche schlage eine Plastiktüte in Sachen Nachhaltigkeit, wenn sie mindestens vier Mal verwendet werde, sagt Riedle. Ein Wert, den er häufig erreicht sieht. "In bestimmt 95 Prozent aller Haushalte gibt es eine kleine Ecke, wo besonders gelungene Papiertaschen gesammelt werden. Da wollen wir rein", erklärt er. Dann sei die Papiertasche bei der Nachhaltigkeit unschlagbar. "Das Material kommt aus der Natur und dorthin verschwindet es wieder", sagt Riedle. Papier sei recyclebar und kompostierbar.

 


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Nachhaltigere Alternativen

 Foto: Harry Zier

Schon seit vielen Jahren hat sich das Langenbrettacher Unternehmen Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben und ist mit zahlreichen Siegeln entsprechend zertifiziert. Sogar die Internetseite von Riedle ist CO2-neutral. Und der Geschäftsführer sucht stets nach umweltfreundlicheren Alternativen zum klassischen Papier. So lässt Riedle seit einiger Zeit neuartige Materialien wie Graspapier, Zuckerrohrpapier und Papier aus der Silphie-Pflanze verarbeiten. Diese Pflanzen wachsen in der weiteren Region und eignen sich aufgrund ihrer Eigenschaften gut für Papiertaschen. Und sie sind deutlich klimafreundlicher als Papier. "Für eine Tonne Papier braucht man 5000 Liter Wasser. Für eine Tonne Gras- oder Silphie-Papier nur sechs Liter", erläutert Riedle die Dimension.

Riedle reagiert auf die steigende Nachfrage

Die Nachfrage nach diesen Papier-Alternativen nehme rasant zu, sagt der Unternehmer. "Sieben von zehn Anfragen gehen in diese Richtung." Wo die Kunden aus der Wirtschaft früher schicke, glänzende Taschen gefordert hätten, stehe heute der Nachhaltigkeitsgedanke im Vordergrund, sagt Riedle. Deshalb baut er gerade eine ganz neue Linie unter dem Namen "Balance" auf, in der die Produkte aus den neuartigen Materialien gebündelt werden. "Dem Naturpapier gehört die Zukunft", ist sich der Unternehmer sicher.

Geschäfte laufen wieder gut

Vor der Zukunft ist Riedle nicht bange, nachdem die Auftragslage nach dem verheerenden Corona-Jahr wieder deutlich angezogen hat. Im vergangenen Jahr brachen dem Unternehmen die wichtigsten Standbeine weg: das Messe- und Eventgeschäft. Nun aber spürt Riedle einen Nachholbedarf bei seinen Kunden. Er habe auch viele Aufträge gewonnen, die die Unternehmen bisher nach Asien vergeben hätten. "Da hat ein Umdenken zugunsten lokaler Märkte eingesetzt", freut sich der Unternehmer, der aktuell zwölf Mitarbeiter beschäftigt. Einzig die anhaltenden Probleme in den Lieferketten machen Riedle etwas Sorgen. "Aber wir können noch liefern", sagt er.

 


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