Polizei Heilbronn wirbt bei Schülern mit Projekt für mehr Respekt
Die Stuttgarter Krawallnacht war der Impulsgeber. Mit ihrem präventiven Projekt "Warum immer ich?" will die Polizei Heilbronn jungen Menschen zeigen, dass die Beamten auch nur ihren Job machen und nicht aus Willkür handeln.

Geplünderte Geschäfte, eine verwüstete Innenstadt und gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen jungen Menschen und der Polizei: Ein gutes Jahr ist es her, als die Ausschreitungen in der Landeshauptstadt als Stuttgarter Krawallnacht für Schlagzeilen sorgten. Könnte so etwas auch in Heilbronn passieren?
Auch wenn Hans Becker, Polizeipräsident der Stadt, diese Frage zunächst verneinen würde, wie er sagt, ist er dennoch vorsichtig. Der Großteil der Täter in Stuttgart sei ermittelt, aber das Problem damit nicht gelöst worden. Seit Jahren würde die Polizei einen Rückgang an Respekt ihr gegenüber feststellen. Ob bei Einsätzen auf der Straße oder in den sozialen Medien.
Neues Projekt heißt "Warum immer ich?"
Im Einsatz beispielsweise müsse es schnell gehen. Man habe keine Zeit, lange zu diskutieren, warum jemand kontrolliert wird und der andere nicht. Aus diesem Gedanken heraus ist das Projekt "Warum immer ich?" entstanden, das die Polizei Heilbronn mit einer Sozialwissenschaftlerin entwickelt hat.
Kooperationspartner sind Berufsschulen wie die Johann-Jakob-Widmann-Schule, das berufliche Schulzentrum Wertheim oder die Peter-Bruckmann-Schule. Über 180 Schüler in 13 Veranstaltungen habe die Polizei auf diesem Weg bereits erreicht, informiert Polizeipräsident Hans Becker.
"Hinter jeder Uniform steckt ein Mensch"
Es geht darum, zu erklären, dass hinter dem Handeln der Polizei keine Willkür und kein Machtmissbrauch stehen, sondern der gesetzliche Auftrag, Probleme zu lösen. Und: "Wir wollen deutlich machen, dass hinter jeder Uniform ein Mensch mit Gefühlen steckt." Vorwiegend junge Beamte zwischen 20 und 30 Jahren kommen hierfür in die Klassen. Dominik Baumgart ist einer davon, der an diesem Freitagvormittag zusammen mit seiner Kollegin Mira Lindauer in der Peter-Bruckmann-Schule mit jungen Menschen das Gespräch sucht. "Wir haben den Schülern von unseren Einsätzen erzählt", sagt der 30-Jährige.
Weil das Ganze in lockerer Atmosphäre stattfinden soll, trägt er bewusst Zivilklamotten und keine Uniform. Oftmals seien es junge Mädchen, die eingeschüchtert sind, aber mit der Zeit werden alle lockerer und trauen sich auch Fragen zu stellen, fasst Mira Lindauer den Vormittag zusammen. Erfahrungen mit respektlosen Kommentaren habe die 20-Jährige noch nie machen müssen.
Polizist erzählt von kränkenden Erfahrungen
Dominik Baumgart, der sechs Jahre im Streifendienst in Neckarsulm unterwegs war und aktuell in der Notrufzentrale beschäftigt ist, erzählt hingegen, dass er schon mit Kommentaren konfrontiert wurde, die ihn beschäftigen. Sätze wie: "Mit meinen Steuern zahle ich Ihr Gehalt" tun weh und kränken ihn, sagt der 30-Jährige. "Vor allem, wenn sie von Jemandem kommen, der fest im Leben steht und gebildet ist."
Ein Umhören unter den Schülern zeigt: Die Aktion kommt an. Leo Remmlinger erzählt, dass er der Polizei anfangs skeptisch gegenüber stand. Vor allem wegen der Videos, die im Internet kursierten, in denen Polizeigewalt zu sehen ist.
Schüler stand Polizei anfangs skeptisch gegenüber
Auch er selbst habe kürzlich keine guten Erfahrungen gemacht. Ein Polizist sei bei einer Kontrolle ihm gegenüber sehr forsch aufgetreten und habe unhöflich nach seinem Ausweis gefragt. "Ich habe dann auch pampig reagiert", gibt der 15-Jährige zu. Als sich die beiden dann ausgesprochen und gegenseitig entschuldigt hatten, sei die Sache aber gegessen gewesen. Durch das Gespräch heute habe er ein besseres Bild von der Polizei.
Auch Gianni Alessio Dimitri findet die Aktion super. Der 16-Jährige erzählt, dass er selbst mal bei der Polizei arbeiten will. Sich unhöflich gegenüber Beamten zu benehmen, versteht er nicht. "Man sollte immer respektvoll sein."
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