Stammgäste nehmen Abschied vom Neckarsulmer Aquatoll
Nach Beschluss des Neckarsulmer Gemeinderats sind Saunalandschaft und Freizeitbereich ab 16. Mai geschlossen. Wie das Gelände genutzt werden kann, ist unklar. Die Sport-Union ist aber bereit, sich einzubringen.

Die vorerst letzten Tage des Aquatoll sind gezählt. Saunalandschaft und des Freizeitbads haben am 15. Mai ihren letzten Öffnungstag. Ob sie jemals wieder öffnen, hängt davon ab, ob der Gemeinderat bereit ist, mit einem externer Betreiber zusammenzuarbeiten - der allerdings noch gar nicht gefunden ist. Unterdessen kann sich die Sport-Union Neckarsulm vorstellen, sich einzubringen.
Stammgästen sagt das Ambiente zu
Der Gemeinderat verzichtet darauf, das Bad zu sanieren und zu modernisieren. Am Tag nach der wegweisenden Entscheidung nehmen erste Stammgäste Abschied von der Einrichtung. "Leider kann ich in den nächsten zwei Wochen nicht mehr herkommen", sagt Michael Weygandt aus Brackenheim, der seit Beginn der 90er-Jahre regelmäßig vorbeischaut. Das Ambiente und die Bekanntschaften: Das habe mit dazu beigetragen, dass er sich im Aquatoll wohlgefühlt habe. "Mir gefällt es sehr gut." Alternativ gehe er zwar nach Bad Rappenau ins Rappsodie, aber das Aquatoll sage ihm mehr zu. Unter anderem sei das Preis-Leistung-Verhältnis in Neckarsulm unschlagbar gewesen. Wäre es nach ihm gegangen, hätte man den Eintritt erhöhen können. Dass der Gemeinderat das Aquatoll schließt, ist für ihn unverantwortlich. Saunen gebe es, aber Familien hätten keine Alternative in der Nähe.
Noch einmal mit den Kindern ins Aquatoll
Marco Scharpff hat extra frei genommen, um mit seinen drei und sieben Jahre alten Kindern noch einmal ins Aquatoll zu kommen. Die ältere Tochter habe mitbekommen, dass das Aquatoll bald zumacht. „Für sie bricht eine Welt zusammen“, sagt er, während der kleinere Sohn am Hosenbein zieht und davon spricht, dass er doch mit dem Papa schon in der Röhrenrutsche war. Die Tochter trauere auch deshalb, weil sie nie den Wildwasserkanal runter konnte – weil sie zu jung war. Teilweise könne er verstehen, dass der Gemeinderat das Bad schließt. Aber es sei dennoch schade.
Ein Saunagänger aus dem Langenbrettacher Teilort Brettach, der namentlich nicht genannt werden will, hatte schon vermutet, dass sich der Gemeinderat aus der Finanzierung zurückzieht. Viele setzen auf einen externen Betreiber, der die Anlage übernimmt und dann wieder aufmacht. Hoffnung habe auch der Brettacher, aber die sei eher gering.
Externer Betreiber: Zu den Gerüchten will sich ein Unternehmen nicht äußern
Die Stadtverwaltung um Oberbürgermeister Steffen Hertwig spricht nach eigenen Angaben mit einem Investor, der die ganze Anlage übernehmen will. Weitere Firmen sind laut OB nur an der Sauna interessiert. Namen nennt er nicht, in der Bevölkerung taucht in Gesprächen allerdings ein Betrieb aus dem süddeutschen Raum immer wieder auf. Auf das Gerücht angesprochen schreibt der Bereichsleiter Marketing und Sales an unsere Zeitung: "Grundsätzlich geben wir keine Auskunft zu möglichen Akquisitionsprojekten. Sobald es aus unserer Sicht belastbare Informationen bei neuen Projekten gibt, informieren wir mit einer entsprechenden Pressemitteilung."
Sport-Union will, dass etwas Vernünftiges entsteht
Die Sport-Union Neckarsulm ist nach Angaben ihres Vorsitzenden Rolf Härdtner bereit, ihren Teil dazu beizutragen, "dass dort etwas Vernünftiges entsteht". Der Vorsitzende betont: "Wir sind für alles offen." Es müsse aber erst einmal Klarheit geben, wie es mit den Gebäuden und dem Areal weitergeht. Denkbar könnte dabei sein, dass der Verein die Sauna übernimmt - vielleicht aber nicht in der jetzigen Größe.
Derzeit ist völlig unklar, wie es mit dem Gelände und den Gebäuden weitergeht. Der Gemeinderat verzichtet zwar auf die eigene Sanierung und Modernisierung der Anlage. In der selben Sitzung hat das Gremium ein erforderliches Verfahren angestoßen, um einen externen Betreiber für das Projekt zu finden. Außerdem bringt das Gremium eine Ideenwerkstatt an den Start, bei der sich Bürger einbringen können. Und es schwebt schon mehr durch die Köpfe: Als Alternative zum Aquatoll errichtet die Stadt ein kleines Bad mit einigen Schwimmbahnen.
Viele Vorschläge unter einen Hut zu bringen, das wird nicht möglich sein
Bürger sollen die weitere Nutzung mitentwickeln. Das ist die Theorie. Es zeigen aber schon sehr unterschiedliche Vorschläge aus Reihen der Kommunalpolitik: Das alles unter einen Hut zu bekommen ist unmöglich. Vom Potenzial des Geländes ist im Gremium die Rede. In den Raum geworfen wird eine Sommerfläche für Neckarsulmer Familien (CDU). Die Stadt brauche ein Bad für Kinder und Bürger (SPD). Es gibt den Vorschlag eines "ökologisch vorbildlichen Familienbads" mit Freibad auf dem Aquatoll-Areal (FDP). Die Freien Wähler denken über neue Wasserflächen am Sportbad nach, das Aquatoll-Gebäude wird ihren Vorstellungen nach für die Neckarsulmer erhalten. Auch die Grünen wollen das Gebäude bewahren.
Als Stammgast war Helmut Katzer aus Obereisesheim in der Sitzung, in der das Aus des Aquatoll beschlossen wurde. "Die Argumente haben mich nicht überzeugt." Verblüfft hat ihn, dass über viele Jahre ein Sanierungsstau zusammengekommen ist. Wohin er ab 16. Mai zum Saunieren geht? "Das ist noch nicht geklärt."
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