Shisha-Branche fürchtet Pleitewelle: Doch in Heilbronn wächst die Zahl der Bars
Neue Gesetze sollen die Ausbreitung von Shisha-Bars verhindern. Doch in Heilbronn ist von einer Pleitewelle keine Spur – hier nimmt die Zahl der Lokale sogar zu.

Das orientalische Pfeifchen in gemütlicher Runde hat sich in Deutschland längst etabliert. Jahrelang erlebten Sisha-Bars, in denen Wasserpfeifen kreisen, einen Boom. Inzwischen soll es 5000 solcher Lounges im Land geben, allein 21 sind derzeit in der Stadt Heilbronn gemeldet.
Doch jetzt herrscht Aufregung in der Branche, die schon von der Corona-Pandemie besonders hart getroffen wurde. Sisha- und Raucherbars gehörten zu den ersten, die im Lockdown schließen mussten, und zu den letzten, die wieder öffnen durften.
Neue Gesetze: Verband fürchtet Aus zahlreicher Shisha-Bars
Dann folgten Mitte 2022 neue Gesetze, die es nur noch erlauben, Shisha-Tabak in 25-Gramm-Einzel-Verpackungen zu verkaufen. Zuvor waren große Gebinde bis zu 1000 Gramm üblich. Ziel der neuen Vorschriften ist es, die Ausbreitung der Bars zu stoppen, Schwarzhandel zu bekämpfen und Steuerhinterziehung zu unterbinden.
Seither läuft die Branche Sturm gegen das Gesetz und befürchtet eine Pleitewelle. "Wenn der Bund nicht umsteuert und seine unsinnige Verpackungsvorschrift kippt, wird vermutlich jede dritte Shisha-Bar Ende des Jahres geschlossen werden", schätzt Folke Rega, Geschäftsführer des Bundesverbands Wasserpfeifentabak.
Gegen den Trend: Zahl der Shisha-Bars in Heilbronn gestiegen
Durch die Flucht in den Schwarzmarkt werde das Gegenteil dessen erreicht, was die Regierung geplant hatte. Der Verband geht davon aus, dass der Schwarzmarktanteil in den vergangenen eineinhalb Jahren auf 80 Prozent angewachsen ist, und schließt das aus der Entwicklung der Steuereinnahmen, die von rund 300 Millionen Euro im Jahr 2022 auf 42 Millionen 2023 eingebrochen sind.
"Wir haben aber keine signifikanten Rückgänge bei den Mengenverkäufen der Händler", sagt Rega. Auch der Konsum sei stabil geblieben. Überrascht zeigt sich der Verband von der Entwicklung in Heilbronn, wo sich die Zahl der Shisha-Bars entgegen dem Trend sogar erhöht hat. "Aktuell sind in der Stadt 21 Shisha-Bars angemeldet. Zu Beginn des Jahres 2023 waren es noch 18", antwortet die städtische Pressesprecherin Suse Bucher-Pinell auf Anfrage. Wobei es auch in Heilbronn immer wieder zu Beanstandungen kommt.
Folke Rega sieht darin eine "bemerkenswerte Entwicklung". Er geht davon aus, dass sich einige davon "in der Transformation befinden" und kaum noch Shisha anbieten. Andere hätten sich möglicherweise noch nicht offiziell abgemeldet.
Betreiber einer Shisha-Bar aus Heilbronn zur Gesetzgebung: "Machen das Beste daraus"
Für Betim Dervishaj, der das "Broadway" im Shoppinghaus in der Heilbronner Allee betreibt, stellt sich die Lage viel positiver dar. "Im Großen und Ganzen läuft es wieder gut", sagt der 26-Jährige. Allerdings sei es schwierig, die Verkaufspreise attraktiv zu halten. Die ärgerlichen Aspekte der neuen Gesetzgebung seien für ihn auch der "höhere Wareneinsatz sowie viel mehr Abfall". Aber: "Wir respektieren das und machen das Beste daraus."
Die Politik reagiert unterschiedlich auf die Entwicklung. Während der Heilbronner FDP-Bundestagsabgeordnete Michael Link "von einem Fall von Überregulierung" spricht und einen "ganzen Markt unter Generalverdacht gestellt" sieht, fordert Josip Juratovic (SPD) eine Evaluierung der Verpackungsvorschrift für 25-Gramm-Packungen: "Unser Ziel sind die effektive Bekämpfung des Schwarzmarkts und der Gesundheitsschutz besonders junger Menschen." Christian von Stetten (CDU) hat zumindest Verständnis für "eine vorübergehende Aussetzung der Maximalgrößenverordnung".
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